{"id":56778,"date":"2020-01-10T19:47:38","date_gmt":"2020-01-10T17:47:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=56778"},"modified":"2020-01-10T19:47:38","modified_gmt":"2020-01-10T17:47:38","slug":"eu-hat-hohen-handelsueberschuss-mit-sich-selbst-ein-grund-ist-offenbar-umsatzsteuerbetrug-im-grossen-stil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eu-hat-hohen-handelsueberschuss-mit-sich-selbst-ein-grund-ist-offenbar-umsatzsteuerbetrug-im-grossen-stil\/","title":{"rendered":"EU hat hohen Handels\u00fcberschuss mit sich selbst &#8211; ein Grund ist offenbar Umsatzsteuerbetrug im gro\u00dfen Stil"},"content":{"rendered":"<article>Die EU hat mit sich selbst einen Handels\u00fcberschuss von 307 Mrd. Euro, bei einer korrekten Erfassung aller Im- und Exporte m\u00fcsste dieser aber null sein. Messfehler alleine k\u00f6nnen diese systematische Abweichung nicht erkl\u00e4ren. Vielmehr scheint massiver Umsatzsteuerbetrug eine Ursache, der die EU-Staaten 30 bis 60 Mrd. Euro pro Jahr kostet. Dies zeigt eine Datenanalyse des Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) und des ifo Instituts in M\u00fcnchen.<\/p>\n<\/article>\n<article>\u201eWenn Unternehmen Ums\u00e4tze als Exporte deklarieren, sind diese von der Umsatzsteuer befreit. Werden diese Ums\u00e4tze aber gar nicht im Ausland erzielt, sondern im Inland, fehlen sie in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners und bleiben damit unversteuert&#8220;, erkl\u00e4ren die Autoren, IfW-Pr\u00e4sident Gabriel Felbermayr und ifo-Forscher Martin Braml.<\/p>\n<p>Nach ihren Sch\u00e4tzungen sind dem europ\u00e4ischen Fiskus so alleine im Jahr 2018 rund 30 Mrd. Euro verloren gegangen. Sie empfehlen einen digitalen, automatisierten Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU, um Bilanzfehler k\u00fcnftig zu verringern und Betrug zu erschweren. Die Berechnungen sind nun als Kiel Working Paper erschienen.<\/p>\n<p>Die Forscher analysieren die erfassten Handelsdaten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten untereinander seit 1999. Allein 2018 betrug der EU-EU-Handels\u00fcberschuss beachtliche 307 Mrd. Euro. Dies entspricht knapp 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU und ist mehr als das BIP der acht kleinsten EU-Mitglieder zusammen.<\/p>\n<h3>Mehr als eine am\u00fcsante Kuriosit\u00e4t<\/h3>\n<p>Die gesamte Welt hatte 2018 einen Handels\u00fcberschuss mit sich selbst von 357 Mrd. Euro (422 Mrd. US-Dollar). Die globale Abweichung geht demnach zu 86 Prozent allein auf die EU zur\u00fcck. Die EU bilanziert seit Gr\u00fcndung des Binnenmarktes 1993 einen Handels\u00fcberschuss mit sich selbst, der mit der EU-Osterweiterung deutlich anstieg und sich \u00fcber die letzten zw\u00f6lf Jahre auf insgesamt 2,9 Billionen Euro summiert.<\/p>\n<p>\u201eEinen Fehler in der Zahlungsbilanz dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung darf die EU nicht auf die leichte Schulter nehmen und als am\u00fcsante Kuriosit\u00e4t abtun, gerade auch, weil sich derzeit internationale Streitigkeiten an der H\u00f6he von Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen entz\u00fcnden. Die Politik braucht verl\u00e4ssliche Daten&#8220;, so Felbermayr und Braml.<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten ins Gewicht fallen die statistischen Abweichungen in der Bilanz des Vereinigten K\u00f6nigreiches, was aber auch zur\u00fcckgeht auf die dort praktizierte, blo\u00df stichprobenm\u00e4\u00dfige Erfassung von Handelsdaten. Betrachtet man allein die Eurozone, sinkt der \u00dcberschuss im Jahr 2018 von 307 auf 126 Mrd. Euro. Geht man auch bei L\u00e4nderpaaren, die Gro\u00dfbritannien umfassen, davon aus, dass die Bilanzabweichungen auf Steuerbetrug zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, wurden in der EU 64 Mrd. Euro Steuern hinterzogen.<\/p>\n<h3>Niederlande liefern die beste Datenqualit\u00e4t<\/h3>\n<p>Die Autoren untersuchen verschiedene Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die statistischen Abweichungen. Messfehler oder zuf\u00e4llige Ungenauigkeiten allein k\u00f6nnen die Abweichungen demnach nicht erkl\u00e4ren, da diese dann im langfristigen Durchschnitt null sein m\u00fcssten. \u201eSteuerhinterziehung ist als eine Ursache des EU-EU-Handels\u00fcberschusses hochwahrscheinlich und kostet den Steuerzahler jedes Jahr Milliarden.&#8220;<\/p>\n<p>Im Durchschnitt werden den Mitgliedsl\u00e4ndern 18 Prozent zu viel Warenexporte und 26 Prozent zu viel Dienstleistungsexporte gemeldet. Dabei ist die Bilanzqualit\u00e4t der einzelnen Staaten h\u00f6chst unterschiedlich. Die beste Datenqualit\u00e4t liefern die Niederlande, Deutschland liegt im vorderen Mittelfeld. Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden weisen die gr\u00f6\u00dften Abweichungen auf. Besonders ausgepr\u00e4gt sind die Unterschiede zwischen Nachbarstaaten und Mitgliedsl\u00e4ndern mit gr\u00f6\u00dferen Unterschieden in den Mehrwertsteuers\u00e4tzen.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: IfW Kiel\/ifo Institut, Pressemitteilung vom 07.01.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU hat mit sich selbst einen Handels\u00fcberschuss von 307 Mrd. Euro, bei einer korrekten Erfassung aller Im- und Exporte m\u00fcsste dieser aber null sein. Messfehler alleine k\u00f6nnen diese systematische Abweichung nicht erkl\u00e4ren. Vielmehr scheint massiver Umsatzsteuerbetrug eine Ursache, der die EU-Staaten 30 bis 60 Mrd. Euro pro Jahr kostet. 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