{"id":57531,"date":"2020-02-08T17:59:50","date_gmt":"2020-02-08T15:59:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57531"},"modified":"2020-02-08T17:59:50","modified_gmt":"2020-02-08T15:59:50","slug":"gewaehrung-von-zusatzleistungen-und-zulaessigkeit-von-gehaltsumwandlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/gewaehrung-von-zusatzleistungen-und-zulaessigkeit-von-gehaltsumwandlungen\/","title":{"rendered":"Gew\u00e4hrung von Zusatzleistungen und Zul\u00e4ssigkeit von Gehaltsumwandlungen"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Anwendung des BFH-Urteils vom 1. August 2019 &#8211; VI R 32\/18<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Mit Urteilen vom 1. August 2019 &#8211; VI R 32\/18, VI R 21\/17 (NV) und VI R 40\/17 (NV) &#8211; hat der BFH seine Rechtsprechung zu der in verschiedenen Steuerbefreiungs- und Pauschalbesteuerungsnormen oder anderen steuerbeg\u00fcnstigenden Normen des Einkommensteuergesetzes enthaltenen Tatbestandsvoraussetzung, wonach die jeweilige Steuerverg\u00fcnstigung davon abh\u00e4ngt, dass eine bestimmte Arbeitgeberleistung \u201ezus\u00e4tzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn&#8220; erbracht werden muss (sog. Zus\u00e4tzlichkeitsvoraussetzung), ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der BFH hat seine fr\u00fchere Rechtsprechung aufgegeben, nach der nur freiwillige Arbeitgeberleistungen, also Leistungen, die der Arbeitgeber arbeitsrechtlich nicht schuldet, zus\u00e4tzlich in diesem Sinne erbracht werden konnten (BFH-Urteile vom 19. September 2012 &#8211; VI R 54\/11 &#8211; BStBl II 2013 S. 395, und &#8211; VI R 55\/11 &#8211; BStBl II 2013 S. 398, als Rechtsprechungs\u00e4nderung zum BFH-Urteil vom 15. Mai 1998 &#8211; VI R 127\/97 &#8211; BStBl II S. 518).<\/p>\n<p>Nunmehr verneint der BFH, dass bestimmte Steuerverg\u00fcnstigungen f\u00fcr Sachverhalte mit Gehaltsverzicht oder -umwandlung (je nach arbeitsvertraglicher Ausgestaltung) durch die Zus\u00e4tzlichkeitsvoraussetzung ausgeschlossen werden. Voraussetzung sei nur, dass der verwendungsfreie Arbeitslohn zugunsten verwendungs- oder zweckgebundener Leistungen des Arbeitgebers arbeitsrechtlich wirksam herabgesetzt wird (Lohnformwechsel). Ansonsten liege eine beg\u00fcnstigungssch\u00e4dliche Anrechnung oder Verrechnung vor (BFH-Urteil vom 1. August 2019 &#8211; VI R 32\/18 &#8211; Rdnr. 30).<\/p>\n<p>Tarifgebundener verwendungsfreier Arbeitslohn kann somit nicht zugunsten bestimmter anderer steuerbeg\u00fcnstigter verwendungs- oder zweckgebundener Leistungen herabgesetzt oder zugunsten dieser umgewandelt werden, da der tarifliche Arbeitslohn nach Wegfall der steuerbeg\u00fcnstigten Leistungen wiederauflebt.<\/p>\n<p>Die neue BFH-Rechtsprechung betrifft z. B. die Vorschriften \u00a7 3 Nr. 15, 33, 34, 34a, 37, 46 EStG und \u00a7 37b Abs. 2 EStG, \u00a7 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 und 6 EStG, \u00a7 100 Abs. 3 Nr. 2 EStG sowie die mit dem \u201eGesetz zur weiteren F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften&#8220; eingef\u00fchrten Regelungen zu den Zusch\u00fcssen zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers f\u00fcr Fahrten zwischen Wohnung und erster T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte etc. (\u00a7 40 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b EStG), zur \u00dcbereignung betrieblicher Fahrr\u00e4der (\u00a7 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG) und zur Anwendung der 44-Euro-Freigrenze bei Gutscheinen und Geldkarten (\u00a7 8 Abs. 2 Satz 11 zweiter Halbsatz EStG).<\/p>\n<p>Der Gesetzgeber hat regelm\u00e4\u00dfig auf die Formulierung \u201ezus\u00e4tzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn&#8220; zur\u00fcckgegriffen, wenn Sachverhalte mit Gehaltsverzicht oder -umwandlung explizit von der Steuerbeg\u00fcnstigung ausgeschlossen werden sollten; so zuletzt noch in der Einzelbegr\u00fcndung zu \u00a7 8 Abs. 2 Satz 11 zweiter Halbsatz EStG (Gesetz zur weiteren F\u00f6rderung der Elektromobilit\u00e4t und zur \u00c4nderung weiterer steuerlicher Vorschriften &#8211; Bericht des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages, BT-Drs. 19\/14909 Seite 44), wo es beispielsweise hei\u00dft: \u201eDie Erg\u00e4nzung des \u00a7 8 Abs. 2 Satz 11 EStG soll sicherstellen, dass Gutscheine und Geldkarten nur dann unter die 44-Euro-Freigrenze fallen, wenn sie vom Arbeitgeber zus\u00e4tzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gew\u00e4hrt werden. Der steuerliche Vorteil soll damit insbesondere im Rahmen von Gehaltsumwandlungen ausgeschlossen werden.&#8220;<\/p>\n<p>Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder gilt daher zu der Tatbestandsvoraussetzung \u201ezus\u00e4tzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn&#8220; im Vorgriff auf eine entsprechende Gesetzes\u00e4nderung abweichend von der neuen BFH-Rechtsprechung und \u00fcber den Einzelfall hinaus zur Gew\u00e4hrleistung der Kontinuit\u00e4t der Rechtsanwendung weiterhin Folgendes:<\/p>\n<p>Im Sinne des Einkommensteuergesetzes werden Leistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung eines Dritten (Sachbez\u00fcge oder Zusch\u00fcsse) f\u00fcr eine Besch\u00e4ftigung nur dann \u201ezus\u00e4tzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn&#8220; erbracht, wenn<\/p>\n<ol class=\"number\" start=\"1\">\n<li>die Leistung nicht auf den Anspruch auf Arbeitslohn angerechnet,<\/li>\n<li>der Anspruch auf Arbeitslohn nicht zugunsten der Leistung herabgesetzt,<\/li>\n<li>die verwendungs- oder zweckgebundene Leistung nicht anstelle einer bereits vereinbarten k\u00fcnftigen Erh\u00f6hung des Arbeitslohns gew\u00e4hrt und<\/li>\n<li>bei Wegfall der Leistung der Arbeitslohn nicht erh\u00f6ht wird. Dies gilt im Hinblick auf den Grundsatz der Gleichm\u00e4\u00dfigkeit der Besteuerung unabh\u00e4ngig davon, ob der Arbeitslohn tarifgebunden ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es sind somit im gesamten Lohn- und Einkommensteuerrecht nur echte Zusatzleistungen des Arbeitgebers steuerbeg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben ersetzt das BMF-Schreiben vom 22. Mai 2013 (BStBl I S. 728) zur Anwendung der BFH-Urteile vom 19. September 2012 &#8211; VI R 54\/11 &#8211; BStBl II 2013 S. 395, und &#8211; VI R 55\/11 &#8211; BStBl II 2013 S. 398.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben ist in allen offenen F\u00e4llen anzuwenden und wird im Bundessteuerblatt Teil I ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: BMF, Schreiben (koordinierter L\u00e4ndererlass) IV C 5 &#8211; S-2334 \/ 19 \/ 10017 vom 05.02.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anwendung des BFH-Urteils vom 1. August 2019 &#8211; VI R 32\/18 Mit Urteilen vom 1. 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