{"id":57791,"date":"2020-03-24T12:57:19","date_gmt":"2020-03-24T10:57:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57791"},"modified":"2020-03-24T12:57:19","modified_gmt":"2020-03-24T10:57:19","slug":"volkswirte-befuerworten-senkung-der-unternehmensteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/volkswirte-befuerworten-senkung-der-unternehmensteuern\/","title":{"rendered":"Volkswirte bef\u00fcrworten Senkung der Unternehmensteuern"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Deutschland sollte seine Steuers\u00e4tze f\u00fcr Unternehmen senken. Diese Position vertritt die Mehrheit der befragten Volkswirte im \u00d6konomenpanel, eine Befragung vom ifo Institut und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 53 Prozent der befragten 104 Wirtschaftswissenschaftler stimmten der Aussage zu, Deutschland sollte die Unternehmensteuern senken, wie andere L\u00e4nder es schon getan haben. Ablehnend \u00e4u\u00dferte sich ein knappes Viertel.<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Eine knappe Mehrheit der \u00d6konomen ist f\u00fcr eine Verringerung der K\u00f6rperschaftsteuer um ein Drittel auf 10 Prozent. In dem Fall s\u00e4nke die Gesamtbelastung auf 25 Prozent. Damit liege Deutschland in einem \u00e4hnlichen Bereich wie vergleichbare Staaten. Viele \u00d6konomen sch\u00e4tzen den R\u00fcckgang des Steueraufkommens f\u00fcr diesen Fall auf 10 Milliarden Euro, einige halten ihn f\u00fcr geringer. Einzelne Teilnehmer bezifferten den m\u00f6glichen Ausfall auf 13 oder 14 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Wenig eindeutig ist das Meinungsbild, was eine Mindeststeuer angeht. Nur ein gutes Drittel glaubt, dass der auf globaler Ebene diskutierte Vorschlag geeignet ist, den Steuerwettbewerb zu begrenzen. Ein F\u00fcnftel glaubt das nicht.<\/p>\n<p>Klar ist hingegen die Einsch\u00e4tzung zum sog. Country-by-Country-Reporting, das multinationale Unternehmen verpflichtet, den Finanzbeh\u00f6rden l\u00e4nderbezogene Berichte mit wichtigen Kennziffern vorzulegen. 60 Prozent halten das f\u00fcr ein sinnvolles Instrument zur Bek\u00e4mpfung von Steuervermeidung. W\u00e4hrend sich die Unternehmen und Verb\u00e4nde gegen eine Ver\u00f6ffentlichung wehren, weil sie um ihre Gesch\u00e4ftsgeheimnisse f\u00fcrchten, fordert das Europ\u00e4ische Parlament eine Ver\u00f6ffentlichung der Daten. 66 Prozent der \u00d6konomen schlagen sich auf die Seite der Abgeordneten. Nur 15 Prozent der Befragten lehnen das ab.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberrascht hat mich die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine verpflichtende Ver\u00f6ffentlichung des Country-by-Country-Reportings in der EU, obwohl dies einen Bruch des Steuergeheimnisses darstellt&#8220;, sagt Thiess B\u00fcttner von der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg, der den Fragenkatalog erstellt hat. \u201eOffenbar sind die Regeln zur Besteuerung so komplex, dass mit einer gro\u00dfen Diskrepanz zwischen tats\u00e4chlicher und tariflicher Belastung gerechnet wird.&#8220;<\/p>\n<p>Clemens Fuest, Pr\u00e4sident des ifo Instituts, sieht \u00f6ffentliches Country-by-Country-Reporting kritisch: \u201eDie Daten liefern n\u00fctzliche Informationen f\u00fcr die Steuerverwaltungen, und sie sollten anonymisiert f\u00fcr wissenschaftliche Analysen verf\u00fcgbar sein. Daten einzelner EU-Unternehmen zu ver\u00f6ffentlichen, halte ich dagegen f\u00fcr kontraproduktiv. Das n\u00fctzt nur au\u00dfereurop\u00e4ischen Konkurrenten und schafft Anreize, vor allem Holding-Gesellschaften au\u00dferhalb der EU anzusiedeln.&#8220;<\/p>\n<div class=\"body paragraph--type--richtext\">\n<div class=\"container\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"content iconize\">\n<h3>Unterschiedliche Meinungen zum Netto-Aufkommensverlust f\u00fcr den Fiskus<\/h3>\n<p>Nach den Berechnungen des BMF f\u00fchrt die Absenkung der K\u00f6rperschaftsteuer um 5 Prozentpunkte bezogen auf das Jahr 2017 zu rechnerischen Steuermindereinnahmen von etwa 14 Mrd. Euro. Dem st\u00fcnden gleichzeitig Aufkommensgewinne durch zus\u00e4tzliche Investitionen und weniger Gewinnverlagerung ins Ausland gegen\u00fcber. Die Teilnehmer wurden daher gefragt, welchen Wert f\u00fcr den Netto-Aufkommensverlust sie am ehesten f\u00fcr realistisch halten. Der Gro\u00dfteil der Befragten sch\u00e4tzt den Netto-Aufkommensverlust auf 7 bis 10 Mrd. Euro. Nur wenige \u00d6konomen sehen mittel- und langfristig einen Nulleffekt. Manche Teilnehmer sch\u00e4tzen den Netto-Aufkommensverlust dagegen auf die vollen 14 Mrd. Euro oder nur wenig geringere Werte, da das Ausland auch weiterhin steuerlich attraktiver bleibe.<\/p>\n<h3>Vorschlag einer Mindeststeuer trifft auf unterschiedliche Resonanz<\/h3>\n<p>Die \u00d6konomen wurden danach gefragt, ob eine Mindeststeuer geeignet sei, den internationalen Steuerwettbewerb zu begrenzen. Es ergibt sich kein klares Meinungsbild. 37% der Teilnehmer bef\u00fcrworten eine Mindeststeuer zur Begrenzung des internationalen Steuerwettbewerbs, 20% sind dagegen, und 26% antworten mit \u201eTeils-teils\u201c. Die Gegner einer Mindeststeuer halten einen Konsens dazu f\u00fcr unwahrscheinlich und meinen, dass die Schlupfl\u00f6cher nicht hinreichend geschlossen werden k\u00f6nnten. Diejenigen, die mit \u201eTeils-teils\u201c antworten, sehen ihre Antwort abh\u00e4ngig von den unterschiedlichen Ausgestaltungsformen einer Mindeststeuer und bemerken, dass Hochsteuerl\u00e4nder im Falle einer Mindeststeuer sogar noch h\u00f6here Anreize h\u00e4tten, den Steuersatz zu senken. 17% antworten mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Finanzminister hat sich f\u00fcr eine Mindeststeuer von 12,5% ausgesprochen. Wir fragten die Teilnehmer, welcher Steuersatz geeignet w\u00e4re, den Druck des Steuerwettbewerbs auf Deutschland ausreichend abzuschw\u00e4chen. Im Mittel ergibt sich aus den Antworten ein Wert von 14%, wobei Steuers\u00e4tze von 0% bis 25% vorgeschlagen werden. Das entspricht in etwa dem gegenw\u00e4rtigen K\u00f6rperschaftsteuersatz in H\u00f6he von 15%.<\/p>\n<h3>Keine eindeutige Meinung zum Prinzip der Einstimmigkeit bei Steuerfragen in der EU<\/h3>\n<p>Die Teilnehmer sind sich nicht einig dar\u00fcber, ob es sinnvoll ist, die Einstimmigkeit in der EU bei Fragen der Besteuerung abzuschaffen, um den Steuerwettbewerb innerhalb der EU zu reduzieren. 37% der Teilnehmer antworten mit \u201eJa\u201c und ebenso 37% mit \u201eNein\u201c. Die Bef\u00fcrworter begr\u00fcnden dies haupts\u00e4chlich damit, dass sich andernfalls Steueroasen, wie Luxemburg und Irland, einer EU-weiten Einigung widersetzen w\u00fcrden. Diejenigen, die weiterhin f\u00fcr eine Einstimmigkeit in Steuerfragen pl\u00e4dieren, begr\u00fcnden dies mit der mangelnden Kompetenz und demokratischen Legitimation der EU bei Fragen der Besteuerung, die an sich zur nationalen Kernkompetenz geh\u00f6rt. 16% der Teilnehmer antworten mit \u201eTeils-teils\u201c und 10% mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<h3>Mehrheit bef\u00fcrwortet \u201eCountry-by-Country Reporting\u201c<\/h3>\n<p>Der Begriff \u201eCountry-by-Country Reporting\u201c bezeichnet eine nach L\u00e4ndern untergliederte Rechnungslegung unter Ausweis der im jeweiligen Land gezahlten Steuern. Die Frage, ob sie ein verpflichtendes \u201eCountry-by-Country Reporting\u201c zur Bek\u00e4mpfung der Steuervermeidung f\u00fcr sinnvoll halten, beantwortet die Mehrheit der Teilnehmer (60%) positiv, da hierdurch Transparenz geschaffen w\u00fcrde. Nur 12% halten dies f\u00fcr nicht sinnvoll, und 8% antworten mit \u201eTeils-teils\u201c. Ein F\u00fcnftel der Teilnehmer traut sich allerdings hier kein Urteil zu und antwortet mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<p>Das \u201eCountry-by-Country Reporting\u201c existiert seit 2016, allerdings werden die Daten nicht ver\u00f6ffentlicht. Das Europ\u00e4ische Parlament will, dass in der EU die Daten ver\u00f6ffentlicht werden. Die Frage, ob sie die Ver\u00f6ffentlichung der Daten in der EU f\u00fcr richtig halten, beantwortet eine starke Mehrheit von 66% der Teilnehmer mit \u201eJa\u201c. Solch eine Ver\u00f6ffentlichung steigere die Transparenz und k\u00f6nnte bereits somit auf das Verhalten von Unternehmen wirken oder zumindest die unterschiedliche Durchsetzung von Steuerregeln sichtbar machen. 15% der Teilnehmer sind gegen eine Ver\u00f6ffentlichung des \u201eCountry-by-Country Reportings\u201c und begr\u00fcnden dies mit dem Steuergeheimnis und dem Datenschutz. Knapp 5% beantworten die Frage mit \u201eTeils-teils\u201c und 14% mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat einen Schwellenwert von 750 Mio. Euro Umsatz f\u00fcr ein verpflichtendes \u201eCountry-by-Country Reporting\u201c vorgeschlagen. Die Teilnehmer wurden daher auch gefragt, wie sie diesen Schwellenwert beurteilen, sofern die Europ\u00e4ische Kommission mit dem Vorhaben erfolgreich sein sollte. 32% der Teilnehmer sehen den Schwellenwert als angemessen an, jeweils 14% und 11% der Teilnehmer halten ihn f\u00fcr zu gering oder zu hoch. Die Meinungen der Teilnehmer, ob der Schwellenwert zu gering oder zu hoch ist, h\u00e4ngt haupts\u00e4chlich davon ab, ob die Offenlegung vor allem f\u00fcr gro\u00dfe Konzerne gelten solle und ansonsten nur zu mehr B\u00fcrokratie f\u00fchren w\u00fcrde, oder ob auch multinationale Mittelst\u00e4ndler eine landesspezifische Rechnungslegung ver\u00f6ffentlichen sollten. Ein gro\u00dfer Teil der Teilnehmer (43%) traut sich eine Beurteilung dieses Schwellenwertes allerdings gar nicht erst zu und antwortet mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<h3>Steuerliche Beg\u00fcnstigung von Forschung und Entwicklung<\/h3>\n<p>Im November vergangenen Jahres wurde eine steuerliche Zulage f\u00fcr Vorhaben der Forschung und Entwicklung eingef\u00fchrt. 43% der Teilnehmer halten solch eine steuerliche Beg\u00fcnstigung f\u00fcr Forschung und Entwicklung f\u00fcr ein geeignetes Instrument zur Verbesserung der Standortattraktivit\u00e4t, insbesondere um Grundlagenforschung und Zukunftstechnologien zu f\u00f6rdern und forschungsintensive Unternehmen anzulocken. 23% der Teilnehmer teilen diese Auffassung nicht, und ebenfalls 23% antworten mit \u201eTeils-teils\u201c. 11% der Teilnehmer antworten mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<p>Das Forschungszulagengesetz sieht eine Evaluierung der Steuerwirkungen nach f\u00fcnf Jahren vor. Eine solche \u00dcberpr\u00fcfung h\u00e4lt eine \u00fcberwiegende Mehrheit von 86% f\u00fcr sinnvoll und begr\u00fcndet dies mit der Notwendigkeit evidenzbasierter Politikma\u00dfnahmen. Nur so k\u00f6nnten Ma\u00dfnahmen bewertet und gegebenenfalls angepasst werden. Nur 4% der Teilnehmer halten eine solche \u00dcberpr\u00fcfung f\u00fcr nicht sinnvoll, und 2% der Teilnehmer antworten mit \u201eTeils-teils\u201c. 8% antworten mit \u201eWei\u00df nicht\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Darstellung der Ergebnisse der M\u00e4rz-Umfrage des \u00d6konomenpanels von ifo und FAZ mit weiteren Graphiken findet sich in einer Ausgabe des ifo Schnelldienstes.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field-umfrage-p\">\n<div class=\"item\">\n<div id=\"slick-paragraph-14400\" class=\"paragraph paragraph--type--bild-slider paragraph--view-mode--default\">\n<div class=\"container\">\n<div class=\"row\">\n<div class=\"content\">\n<div class=\"field-images slick-initialized slick-slider slick-dotted\">\n<div class=\"slick-list draggable\">\n<div class=\"slick-track\">\n<div id=\"slick-slide00\" class=\"slick-slide slick-current slick-active\" tabindex=\"0\" role=\"tabpanel\" data-slick-index=\"0\" aria-hidden=\"false\" aria-describedby=\"slick-slide-control00\">\n<div class=\"media-container\">\n<div class=\"relative\">\n<div class=\"blazy field-media-image blazy--on\" data-blazy=\"\">\n<div class=\"media media--blazy  media--ratio media--ratio--169 media--image\">\n<div class=\"img-responsive \"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: ifo Institut, Pressemitteilung vom 17.03.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland sollte seine Steuers\u00e4tze f\u00fcr Unternehmen senken. 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