{"id":57798,"date":"2020-03-24T13:00:11","date_gmt":"2020-03-24T11:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57798"},"modified":"2020-03-24T13:00:11","modified_gmt":"2020-03-24T11:00:11","slug":"corona-krise-gefaehrdet-existenz-vieler-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/corona-krise-gefaehrdet-existenz-vieler-unternehmen\/","title":{"rendered":"Corona-Krise gef\u00e4hrdet Existenz vieler Unternehmen"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Zu Beginn der Corona-Pandemie, die derzeit \u00fcber die deutsche Wirtschaft hereinbricht, haben viele kleine Unternehmen denkbar ung\u00fcnstige Ausgangsbedingungen. Sie starten schon mit einer schwachen Bonit\u00e4tsbewertung in die Krise. Die Gastronomie, Kfz-Zulieferer, die chemische Industrie und das Baugewerbe sind die Branchen mit den h\u00f6chsten Anteilen an kleinen Unternehmen mit schwacher Bonit\u00e4t. Das zeigen neueste Berechnungen des ZEW Mannheim und der Creditreform Wirtschaftsforschung aus Neuss. Grundlage der Untersuchung ist das Mannheimer Unternehmenspanel, das auf den Datenbanken von Creditreform basiert.<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Die Bundesregierung hat gro\u00dfes Besteck ausgepackt: Kredite in unbegrenzter H\u00f6he f\u00fcr Unternehmen, die durch die Krise in Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse geraten, eine deutliche Ausweitung des Kurzarbeitergeldes und die Ank\u00fcndigung von erleichterten, umfangreichen Steuerstundungen. Au\u00dferdem soll die Insolvenzantragspflicht mindestens bis zum Herbst ausgesetzt werden. Vorstellbar ist aber auch eine Verl\u00e4ngerung bis zum 31. M\u00e4rz 2021. Alles Ma\u00dfnahmen, die durch die Unterbrechung globaler Warenketten, durch das rapide Wegbrechen der Nachfrage und durch fehlende Arbeitskr\u00e4fte wegen Erkrankung und Kinderbetreuung notwendig geworden sind. Sie zielen darauf ab, Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, die in existenzbedrohende Liquidit\u00e4tsprobleme geraten sind.<\/p>\n<p>\u201eDie Entschlossenheit der Bundesregierung scheint dringend n\u00f6tig zu sein&#8220;, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher und Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform. \u201eViele Unternehmen starten trotz einer langen Phase der Hochkonjunktur mit schlechten Voraussetzungen in die vielleicht gr\u00f6\u00dfte wirtschaftliche Krise der Nachkriegsgeschichte.&#8220; Hantzsch weiter: \u201eMehr als zehn Prozent der Unternehmen der Privatwirtschaft, die \u00e4lter als drei Jahre und damit den Kinderschuhen entwachsen sind, haben eine schwache oder noch schlechtere Bonit\u00e4tsbewertung. Es geht hier um etwa 345.000 Unternehmen mit mehr als 1,5 Millionen Besch\u00e4ftigten.&#8220;<\/p>\n<p>Einige Branchen weisen \u00fcberdurchschnittlich hohe Anteile an insolvenzgef\u00e4hrdeten Unternehmen auf. Besonders die Gastronomie sticht hier heraus: 16 Prozent der kleinen Gastronomieunternehmen mit weniger als 50 Besch\u00e4ftigten (fast 24.000 Unternehmen) weisen eine schwache Bonit\u00e4tsbewertung auf. Ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich hohe Anteile an kleinen Unternehmen mit schwacher Bonit\u00e4t finden sich bei den Automobilzulieferern (15 Prozent) und in der chemisch\/pharmazeutischen Industrie (14 Prozent).<\/p>\n<h3>Erhalt der Unternehmensstrukturen \u00fcber eine begrenzte Durststrecke hinweg ist besser<\/h3>\n<p>Bei den gr\u00f6\u00dferen Unternehmen mit 50 oder mehr Besch\u00e4ftigten zeigt sich ein etwas anderes Bild. Hier sind die Anteile der insolvenzgef\u00e4hrdeten Unternehmen deutlich geringer. An der Spitze findet sich aber auch hier die Gastronomie, gefolgt vom Beherbergungsgewerbe und den Sport- und Freizeitdienstleistungen. In den beiden letztgenannten Branchen stand ein jeweils erklecklicher Anteil der gro\u00dfen Hotels und Freizeitunternehmen schon vor der Krise am Rande der Insolvenz.<\/p>\n<p>\u201eDiese Ergebnisse spiegeln die Strukturprobleme der privaten Wirtschaft in Deutschland vor der Corona-Krise wider&#8220;, erl\u00e4utert Dr. Georg Licht, Forschungsbereichsleiter am ZEW, \u201esie zeigen die Verh\u00e4ltnisse zu Beginn der Krise. Die Branchen werden aber in ganz unterschiedlicher Weise durch einen monatelangen Stillstand des Wirtschaftslebens betroffen sein&#8220;. Gr\u00f6\u00dfere Anschaffungen, vielleicht auch Urlaubsreisen, werden zum Teil nachgeholt werden. Dienstreisen, Kino- und Konzertbesuche aller Voraussicht nach dagegen nicht. Gerade die Freizeit-, Sport- und Kulturdienstleister werden in besonderem Ma\u00dfe unter dem zeitweiligen Nachfrageausfall leiden.<\/p>\n<p>Je nach Dauer des Lockdowns k\u00f6nnen ihre Jahresums\u00e4tze um 30 bis 40 Prozent geringer ausfallen. Solche Einbr\u00fcche katapultieren auch Unternehmen mit vorher guter Bonit\u00e4t in die Insolvenz, wenn sie keine Unterst\u00fctzung erhalten. \u201eDass die Bundesregierung hierf\u00fcr keine Grenzen definiert hat, ist richtig&#8220;, meint ZEW-\u00d6konom Dr. Georg Licht, \u201eder Erhalt der Unternehmensstrukturen \u00fcber eine begrenzte Durststrecke hinweg ist auf l\u00e4ngere Sicht \u00f6konomisch besser, als eine Insolvenz von im Grunde gesunden Unternehmen zuzulassen, die dann nach der Krise erst wieder gegr\u00fcndet und neu aufgebaut werden m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>In den vorab dargelegten Untersuchungsergebnissen nicht enthalten sind die rund 440.000 jungen Unternehmen der Privatwirtschaft, die j\u00fcnger als vier Jahre sind. Sie besch\u00e4ftigen derzeit etwa 1,2 Millionen Mitarbeiter\/innen. Als Neueinsteiger auf den M\u00e4rkten sind sie oft grunds\u00e4tzlich in einer angespannten finanziellen Situation. Produkte oder Dienstleistungen m\u00fcssen sich erst noch auf den M\u00e4rkten etablieren. F\u00fcr Unternehmen mit radikal neuen Angeboten ist dies ohnehin problematisch &#8211; auch ohne Krise. Deren potenzielle Kunden m\u00fcssen vom Nutzen \u00fcberzeugt werden, die Marktdurchdringung dauert l\u00e4nger. Daher ist davon auszugehen, dass diese jungen Unternehmen weitaus st\u00e4rker gef\u00e4hrdet sind als die \u00e4lteren.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: ZEW, Pressemitteilung vom 18.03.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn der Corona-Pandemie, die derzeit \u00fcber die deutsche Wirtschaft hereinbricht, haben viele kleine Unternehmen denkbar ung\u00fcnstige Ausgangsbedingungen. Sie starten schon mit einer schwachen Bonit\u00e4tsbewertung in die Krise. Die Gastronomie, Kfz-Zulieferer, die chemische Industrie und das Baugewerbe sind die Branchen mit den h\u00f6chsten Anteilen an kleinen Unternehmen mit schwacher Bonit\u00e4t. 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