{"id":57802,"date":"2020-03-24T13:02:21","date_gmt":"2020-03-24T11:02:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57802"},"modified":"2020-03-24T13:02:21","modified_gmt":"2020-03-24T11:02:21","slug":"konjunktur-bricht-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/konjunktur-bricht-ein\/","title":{"rendered":"Konjunktur bricht ein"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Die globale Konjunktur bricht als Folge der Coronavirus-Pandemie ein. Nach derzeitigem Stand k\u00f6nnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 Prozent schrumpfen. Dies d\u00fcrfte auch substanzielle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Das Abw\u00e4rtsrisiko bei der vorliegenden Prognose ist erheblich.<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Die globale Konjunktur bricht als Folge der Coronavirus-Pandemie ein. Um die Ausbreitung der Neuinfektionen einzud\u00e4mmen und einer \u00dcberlastung des Gesundheitswesens entgegenzuwirken, kommt es mittlerweile in vielen L\u00e4ndern zu Einschr\u00e4nkungen der Bewegungsfreiheit und einem weitgehenden Stillstand des \u00f6ffentlichen Lebens. Gleichzeitig versuchen die meisten Staaten die erwarteten wirtschaftlichen Folgen mit umfangreichen wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen abzumildern. Eine pr\u00e4zise Vorhersage der volkswirtschaftlichen Kosten der Corona-Krise ist zum jetzigen Zeitpunkt nahezu unm\u00f6glich, da eine hohe Unsicherheit \u00fcber die weitere Verbreitung des Virus und insbesondere die von den Regierungen ergriffenen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie besteht. Auch gibt es keine historischen Erfahrungen mit vergleichbaren Ereignissen, aus denen wahrscheinliche Krisenverl\u00e4ufe abgeleitet werden k\u00f6nnten. Schlie\u00dflich stehen aktuell nur sehr wenige Konjunkturindikatoren zur Verf\u00fcgung, mit denen sich das gesamtwirtschaftliche Ausma\u00df der Folgen der Corona-Krise absch\u00e4tzen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Nach derzeitigem Stand k\u00f6nnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 Prozent schrumpfen. Damit wird die Wachstumsrate im Vergleich zu einer Situation ohne Ausbruch der Corona-Krise um fast 3 Prozentpunkte zur\u00fcckgenommen. W\u00e4hrend es im ersten Quartal infolge des starken Jahresauftaktes noch zu einem leichten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts kommen d\u00fcrfte, wird die Krise ihre volle Wirkung im zweiten Quartal entfalten und zu einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent f\u00fchren. Bis in die erste Jahresh\u00e4lfte 2021 d\u00fcrfte es dann wieder zu einer allm\u00e4hlichen R\u00fcckkehr der Produktion von Waren und Dienstleistungen auf ein normales Niveau kommen (\u00a0<a class=\"extern \" title=\"vgl. Abb. 1\" href=\"https:\/\/www.ifo.de\/DocDL\/sd-2020-04-wollmershaeuser-ifo-konjunkturprognose-fruehjahr-2020-04-15.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">vgl. Abb. 1<\/a>\u00a0). Ausgehend von der niedrigen Produktion im zweiten Quartal fallen die Zuwachsraten in diesem Aufholprozess mit anfangs 2,0 Prozent gegen\u00fcber dem Vorquartal kr\u00e4ftig aus. Dabei wird unterstellt, dass die Corona-Krise auch l\u00e4ngerfristige Auswirkungen hat, etwa aufgrund von Firmenpleiten, die das Produktionsniveau am Ende des Prognosezeitraums um 0,6 Prozent unter das Vorkrisenniveau dr\u00fccken. Die mit diesem Szenario in Zusammenhang stehenden gesamtwirtschaftlichen Kosten der Corona-Krise belaufen sich in beiden Jahren auf zusammengenommen etwa 115 Mrd. Euro.<\/p>\n<p>Angesichts des unterstellten Ausma\u00dfes wird die Corona-Krise auch substantielle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Durch Ausweitung der Regelungen zur Kurzarbeit und dem Abbau von Gleitzeitguthaben d\u00fcrfte ein Gro\u00dfteil der Anpassungen \u00fcber die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbst\u00e4tigen erfolgen, welche im unterstellten Szenario im Jahr 2020 um knapp 1 Prozent zur\u00fcckgehen d\u00fcrfte. Allerdings d\u00fcrfte die Anpassung der Arbeitszeit vor allem in den besonders von der Corona-Krise betroffenen Wirtschaftsbereichen nicht ausreichen, um den R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung vollst\u00e4ndig zu kompensieren. Die schl\u00e4gt sich in einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent im Jahr 2019 auf 5,3 Prozent im Jahr 2020 nieder. Entsprechend d\u00fcrfte die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen im Vorjahresvergleich um mehr als 100.000 sinken. Dies entspr\u00e4che dem ersten R\u00fcckgang seit 15 Jahren.<\/p>\n<p>Auch die Weltwirtschaft d\u00fcrfte betr\u00e4chtlich unter der Corona-Krise leiden. So wird das globale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr nur noch um 0,1 Prozent zulegen, nach 2,6 Prozent im vergangenen Jahr. Auch der Welthandel d\u00fcrfte mit einem R\u00fcckgang um 1,7 Prozent stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Bereits zum Jahresauftakt wird die gesamtwirtschaftliche Produktion leicht geschrumpft sein aufgrund der r\u00fcckl\u00e4ufigen realen Aktivit\u00e4t in China und S\u00fcdkorea. Aber auch Japan d\u00fcrfte bremsen. Mit der weiteren Versch\u00e4rfung der Pandemie wird die globale Wirtschaftsleistung wohl vor allem im zweiten Quartal um 2,6 Prozent einbrechen. Hierzu tragen insbesondere Europa und die USA bei. Hier d\u00fcrfte der Krisenverlauf sehr \u00e4hnlich wie in Deutschland sein. Dagegen d\u00fcrfte die Aktivit\u00e4t in China und S\u00fcdkorea wieder leicht zulegen als Folge der gesunkenen Infektionszahlen. Ab dem Sommer wird es voraussichtlich weltweit zu einem allm\u00e4hlichen Aufholprozess kommen mit knapp 2 Prozent Zuwachs im dritten und 1,7 Prozent im vierten Quartal. \u00c4hnlich wie in Deutschland d\u00fcrfte das Produktionsniveau am Ende des Prognosezeitraums um 0,5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen.<\/p>\n<p>Das Abw\u00e4rtsrisiko bei der vorliegenden Prognose ist erheblich, da sich die getroffenen Annahmen als zu optimistisch herausstellen k\u00f6nnen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Krise l\u00e4nger hinzieht, etwa weil sich die Pandemie deutlich langsamer eind\u00e4mmen l\u00e4sst, oder weil das Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t nicht reibungslos funktioniert bzw. eine erneute Ansteckungswelle ausl\u00f6st. Auch k\u00f6nnen weitere Ma\u00dfnahmen zur Infektionsbek\u00e4mpfung in Kraft treten, die insbesondere die Produktion in weit gr\u00f6\u00dferem Umfang als hier angenommen stilllegen. Einfache \u00dcberschlagsrechnung zeigen deutlich, dass solche Produktionsstillst\u00e4nde kurzfristig erhebliche gesamtwirtschaftliche Effekte h\u00e4tten. Jeder Monat, in dem die Produktion um ein Viertel gedrosselt w\u00fcrde, w\u00fcrde etwas mehr als 2 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums eines Jahres kosten. Es ist schwer vorstellbar, dass es in einer solchen Situation gel\u00e4nge, Insolvenzen und damit langfristige Produktionseinbu\u00dfen zu vermeiden. In einem Risikoszenario wurde deshalb der Konjunktureinbruch verst\u00e4rkt, die Rezession verl\u00e4ngert und die Erholung verlangsamt. Der R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr w\u00fcrde auf 6,0 Prozent steigen, und Ende 2021 l\u00e4ge das Bruttoinlandsprodukt immer noch 2,0 Prozent unter dem Niveau, das sich ohne die Corona-Krise eingestellt h\u00e4tte. In einem solchen Risikoszenario w\u00fcrden Verwerfungen im Finanzsystem als Folge umfangreicher Kreditausf\u00e4lle und Unternehmensinsolvenzen wahrscheinlicher, die im Basisszenario nicht unterstellt wurden. Darin spiegelt sich die Annahme wider, dass im Falle Deutschlands der sogenannte \u201eSchutzschild f\u00fcr Besch\u00e4ftigte und Unternehmen&#8220; der Bundesregierung wirkt. Er wird vor allem f\u00fcr Unternehmen aufgebaut, die infolge der Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie Umsatzeinbu\u00dfen erleiden und dadurch in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die beschlossenen Ma\u00dfnahmen beinhalten Entlastungen bei den Steuerzahlungen, Liquidit\u00e4tshilfen und staatlichen Garantien sowie eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes. \u00c4hnlich umfangreiche fiskalische Ma\u00dfnahmen wurden auch in anderen Staaten beschlossen, was insbesondere im Euroraum neue Risiken f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Staatsfinanzen mit sich bringt. Bei hoch verschuldeten Mitgliedstaaten wie etwa Italien k\u00f6nnte es zu einem massiven Vertrauensverlust der Investoren kommen. Der kr\u00e4ftige Anstieg der Risikopr\u00e4mien f\u00fcr italienische Staatsanleihen deutet darauf bereits hin.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: ifo Institut, Pressemitteilung vom 19.03.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die globale Konjunktur bricht als Folge der Coronavirus-Pandemie ein. Nach derzeitigem Stand k\u00f6nnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 Prozent schrumpfen. Dies d\u00fcrfte auch substanzielle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Das Abw\u00e4rtsrisiko bei der vorliegenden Prognose ist erheblich. Die globale Konjunktur bricht als Folge der Coronavirus-Pandemie ein. 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