{"id":57804,"date":"2020-03-24T13:03:31","date_gmt":"2020-03-24T11:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57804"},"modified":"2020-03-24T13:03:31","modified_gmt":"2020-03-24T11:03:31","slug":"folgen-der-corona-virus-pandemie-treffen-deutsche-wirtschaft-hart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/folgen-der-corona-virus-pandemie-treffen-deutsche-wirtschaft-hart\/","title":{"rendered":"Folgen der Corona-Virus-Pandemie treffen deutsche Wirtschaft hart"},"content":{"rendered":"<article>\n<ul class=\"square\">\n<li>Deutsche Wirtschaft in der Rezession<\/li>\n<li>R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr zu erwarten<\/li>\n<li>Prognosen mit gro\u00dfer Unsicherheit behaftet<\/li>\n<li>Mehrere Szenarien f\u00fcr die kommenden Monate denkbar<\/li>\n<li>Entschiedenes finanz- und wirtschaftspolitisches Gegensteuern n\u00f6tig<\/li>\n<li>Europ\u00e4ische Koordination erforderlich<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ausbreitung des Corona-Virus bringt f\u00fcr die deutsche Wirtschaft bisher ungekannte Risiken und Herausforderungen mit sich. Das \u00f6ffentliche Leben in Deutschland ist innerhalb k\u00fcrzester Zeit weitgehend zum Erliegen gekommen. Die wirtschaftlichen Schockwellen durchziehen sowohl die Angebots- wie auch die Nachfrageseite: Aufgrund fehlender Vorleistungsg\u00fcter und weil der Arbeitsalltag vielerorts nicht wie gewohnt vonstattengehen kann, m\u00fcssen viele Unternehmen ihre Produktion zur\u00fcckfahren oder sogar einstellen. Damit verbunden ist ein erheblicher R\u00fcckgang der Nachfrage nach Dienstleistungen und Investitionsg\u00fctern. Die Haushalte schr\u00e4nken ihren Konsum ein, was insbesondere im Einzelhandel, der Gastronomie und in der Reisebranche gro\u00dfe Umsatzausf\u00e4lle bedeutet. Verst\u00e4rkt werden diese Effekte durch die erhebliche Verunsicherung der Unternehmen und Haushalte. Da der weitere Verlauf der Pandemie und die konkreten politischen Reaktionen auf diese kaum vorhersehbar sind, ist der Ausblick auf die k\u00fcnftige konjunkturelle Entwicklung weitaus unsicherer als sonst.<\/p>\n<h3>Szenario V &#8211; schnelle Normalisierung<\/h3>\n<p>Sicher scheint allerdings, dass die deutsche Wirtschaft mindestens in den kommenden beiden Quartalen erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Wie es danach weitergeht, h\u00e4ngt davon ab, wie bald eine R\u00fcckkehr zu normalen wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten m\u00f6glich ist und gelingt. Ein Szenario, das einen \u00e4hnlichen Verlauf der Virusausbreitung unterstellt wie bei vergangenen Epidemien, etwa der Schweinegrippe, SARS oder der Vogelgrippe, \u00e4hnelt einem \u201eV&#8220;: Nachdem es steil bergab ging, normalisieren sich nach erfolgreicher Eind\u00e4mmung des Virus die Produktion und der Konsum relativ bald, im aktuellen Fall in der zweiten Jahresh\u00e4lfte. Selbst in diesem &#8211; Stand jetzt eher optimistischen &#8211; Szenario w\u00fcrde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr unter dem Strich aber schrumpfen, um 0,1 Prozent. Die Corona-Krise w\u00fcrde in diesem Fall ein um rund 1,3 Prozentpunkte geringeres Wachstum nach sich ziehen.<\/p>\n<h3>Szenario L &#8211; langwierige Produktionsst\u00f6rungen, nachhaltiger Nachfrager\u00fcckgang<\/h3>\n<p>Das Virus k\u00f6nnte zeitlich und r\u00e4umlich jedoch noch weitaus gr\u00f6\u00dfere Kreise ziehen. Weitere L\u00e4nder sehen sich wom\u00f6glich zu weitgehenden Ma\u00dfnahmen veranlasst, die in vielen F\u00e4llen die exportorientierte und offene Volkswirtschaft Deutschlands tr\u00e4fen &#8211; selbst, wenn der H\u00f6hepunkt der Epidemie hierzulande irgendwann \u00fcberschritten sein sollte. Die Haushalte und Unternehmen sind nachhaltig verunsichert und stellen Anschaffungen weiter zur\u00fcck. Dies w\u00fcrde die Abw\u00e4rtsdynamik noch beschleunigen und eine wirtschaftliche Erholung verz\u00f6gern. Der Verlauf in diesem Szenario entspr\u00e4che einem \u201eL&#8220;: Es geht steil bergab, Produktion und Konsum normalisieren sich nicht, sondern verharren auf dem geringeren Niveau. Die Rezession w\u00fcrde dann erheblich schwerer ausfallen.<\/p>\n<p>G\u00e4be es das Corona-Virus und seine Folgen nicht, w\u00e4re die Industrierezession allm\u00e4hlich zu einem Ende gekommen. Auch die Weltkonjunktur h\u00e4tte sich eigentlich stabilisiert, zumal es in Sachen Brexit eine Atempause gibt und die USA und China in ihren Handelsgespr\u00e4chen Fortschritte verzeichnen konnten. Vom R\u00fcckgang dieser Risiken h\u00e4tte die exportorientierte deutsche Wirtschaft unter normalen Umst\u00e4nden besonders profitiert. Doch all das ist nun hypothetisch.<\/p>\n<h3>Entschiedenes Handeln zur Stabilisierung notwendig<\/h3>\n<p>Der Krise sollte schnell und massiv entgegengetreten werden. Weltweit haben Zentralbanken, etwa die US-Notenbank Fed und die Europ\u00e4ische Zentralbank, teils weitreichende Schritte unternommen, um die M\u00e4rkte zu beruhigen. Dies ist wichtig, um ein Wiederaufflammen der Krise im Euroraum, aber auch eine neue Bankenkrise zu verhindern.<\/p>\n<p>Mindestens genauso gefragt ist jetzt die Finanzpolitik. Die Bundesregierung hat ein umfassendes Paket vorgestellt, das die kurzfristige Liquidit\u00e4t f\u00fcr Unternehmen sichert und den Zugang zu Kurzarbeitergeld erleichtert. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste zu vermeiden. Andere L\u00f6sungen braucht es aber f\u00fcr Kleinunternehmerinnen und -unternehmer sowie Solo-Selbst\u00e4ndige, f\u00fcr die die derzeitige Krise vielfach zur Existenzbedrohung wird. All dies sichert den Fortbestand der betrieblichen Strukturen in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"opening\">Claus Michelsen, DIW-Konjunkturchef<\/p>\n<p><i>\u201eDie Politik sollte jetzt weiter entschlossen handeln: Br\u00fccken mit Liquidit\u00e4tshilfen und Kurzarbeit bauen, die Bereitschaft f\u00fcr einen erheblichen Nachfrageimpuls erkl\u00e4ren und eine Koordination zwischen den Regierungen organisieren.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Sollte sich die wirtschaftliche Krise trotz eines Abebbens der Pandemie verfestigen, w\u00e4re es au\u00dferdem n\u00f6tig, den Konsum der privaten Haushalte und die Investitionen anzukurbeln. M\u00f6glich w\u00e4re, die teilweise Abschaffung des Solidarit\u00e4tszuschlags vorzuziehen oder vor\u00fcbergehend die Mehrwertsteuer oder die Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge zu senken.<\/p>\n<p>Ein entschiedenes Handeln ist notwendig, um auf Seiten der Haushalte, vor allem aber der Unternehmen eine Vertrauenskrise zu verhindern. Diese w\u00fcrde bei Unternehmen zu einer deutlichen Investitionszur\u00fcckhaltung f\u00fchren. Zum einen k\u00f6nnten Unternehmen durch gro\u00dfz\u00fcgigere Abschreibungsregeln dazu animiert werden, bereits geplante Investitionsprojekte jetzt nicht aufzuschieben, sondern fr\u00fchzeitig in Angriff zu nehmen und damit die Nachfrage anzukurbeln. Um Vertrauen zu st\u00e4rken, sollte die Bereitschaft zu derartigen Ma\u00dfnahmen klar und fr\u00fchzeitig kommuniziert werden.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen sollten zudem auf europ\u00e4ischer Ebene koordiniert und durch gemeinsame europ\u00e4ische Initiativen erg\u00e4nzt werden. Hierf\u00fcr k\u00f6nnte auch der europ\u00e4ischen Rettungsschirm ESM genutzt werden. Wichtig dabei ist, den Glauben an und das Vertrauen in die Handlungsf\u00e4higkeit aller europ\u00e4ischen Regierungen, vor allem Italiens, sicherzustellen. Zentrales Ziel muss sein, eine tiefe anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise zu verhindern.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: DIW Berlin, Pressemitteilung vom 19.03.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Wirtschaft in der Rezession R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr zu erwarten Prognosen mit gro\u00dfer Unsicherheit behaftet Mehrere Szenarien f\u00fcr die kommenden Monate denkbar Entschiedenes finanz- und wirtschaftspolitisches Gegensteuern n\u00f6tig Europ\u00e4ische Koordination erforderlich Die Ausbreitung des Corona-Virus bringt f\u00fcr die deutsche Wirtschaft bisher ungekannte Risiken und Herausforderungen mit sich. Das \u00f6ffentliche Leben in Deutschland &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/folgen-der-corona-virus-pandemie-treffen-deutsche-wirtschaft-hart\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Folgen der Corona-Virus-Pandemie treffen deutsche Wirtschaft hart<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57804"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57804"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57804\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}