{"id":57806,"date":"2020-03-24T13:04:15","date_gmt":"2020-03-24T11:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=57806"},"modified":"2026-07-10T11:44:14","modified_gmt":"2026-07-10T09:44:14","slug":"deutsches-bip-duerfte-2020-zwischen-45-und-9-prozent-einbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/deutsches-bip-duerfte-2020-zwischen-45-und-9-prozent-einbrechen\/","title":{"rendered":"Deutsches BIP d\u00fcrfte 2020 zwischen 4,5 und 9 Prozent einbrechen"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Gegen\u00fcber der <\/span>Fr\u00fchjahrsprognose<span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">\u00a0des IfW Kiel von vor einer Woche stellen sich die konjunkturelle Lage und auch die weiteren Aussichten mittlerweile deutlich schlechter dar. Das IfW Kiel hat daher seine Konjunkturberechnungen aktualisiert und unterstellt dabei zwei Szenarien. Einmal einen \u201eLockdown&#8220; der deutschen Wirtschaft bis Ende April, einmal bis Ende Juli, mit anschlie\u00dfender Erholung der Wirtschaft zur\u00fcck auf das vorherige Niveau.<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Demzufolge f\u00e4llt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 4,5 Prozent, sofern die derzeitige Stresssituation bis Ende April andauert und sich dann ab Mai allm\u00e4hlich entspannt. Dies w\u00e4re ein R\u00fcckgang der Wertsch\u00f6pfung von 150 Milliarden Euro. Setzt die Erholung erst drei Monate sp\u00e4ter im August ein, w\u00fcrde das deutsche BIP um 8,7 Prozent fallen.<\/p>\n<p>In seiner Fr\u00fchjahrsprognose war das IfW Kiel noch von einem R\u00fcckgang des BIP 2020 um nur 0,1 Prozent ausgegangen, da sich die massiven Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung in Deutschland durch die weltweiten Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie noch nicht in der heutigen Dramatik abzeichneten.<\/p>\n<p>In beiden Szenarien rechnet das IfW Kiel im M\u00e4rz mit einem R\u00fcckgang des BIP im Vergleich zum Vormonat um fast 18 Prozent. Dieses niedrige Niveau wird voraussichtlich auch im April noch weitgehend Bestand haben. F\u00fcr die weitere Entwicklung unterscheiden die Forscher ein V- und ein U-Szenario:<\/p>\n<ul class=\"square\">\n<li>Im V-Szenario lassen die d\u00e4mpfenden Ma\u00dfnahmen ab Mai allm\u00e4hlich nach, und die Corona-bedingten Produktionsausf\u00e4lle klingen binnen sechs Monaten ab.<\/li>\n<li>Das U-Szenario sieht vor, dass die Erholung erst im August einsetzt und die Produktion in den verschiedenen Branchen erst zu Beginn des kommenden Jahres auf das Vor-Corona-Niveau zur\u00fcckkehrt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aufgrund der weltweiten Belastung der Konjunktur gehen beide Szenarien von keinen nennenswerten Nachholeffekten im weiteren Jahresverlauf aus, auch wenn daf\u00fcr freie Kapazit\u00e4ten &#8211; vor allem in der Industrie &#8211; verf\u00fcgbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>2021 legt das BIP aufgrund der Aufholeffekte in beiden Szenarien kr\u00e4ftig zu. Im V-Szenario um 7,2 Prozent, im U-Szenario um 10,9 Prozent.<\/p>\n<p><i>\u201eDas U-Szenario unterstellt einen fast halbj\u00e4hrigen Lockdown weiter Teile des Wirtschaftslebens und geht damit an die Grenze dessen, was man sich derzeit vorstellen kann. Daher d\u00fcrfte die tats\u00e4chliche Entwicklung n\u00e4her am V- als am U-Szenario liegen&#8220;<\/i>, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.<\/p>\n<p>Zu den besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen, f\u00fcr die ein anf\u00e4nglicher R\u00fcckgang der Kapazit\u00e4tsauslastung um 90 Prozent unterstellt wird, z\u00e4hlen Gastgewerbe, Luftfahrt sowie die Freizeitbranchen (Reisen, Sport, Unterhaltung). Der Fahrzeugbau als eines der Schwergewichte der deutschen Wirtschaft schr\u00e4nkt in dieser Rechnung seine Produktion zwischenzeitlich um bis zu 70 Prozent ein. Der Einzelhandel schrumpft w\u00e4hrend der Lockdown-Phase um 40 Prozent, wobei Lebensmittelh\u00e4ndler einen Teil der wegfallenden Gastst\u00e4ttenums\u00e4tze wettmachen.<\/p>\n<p>Fast die H\u00e4lfte der deutschen Wirtschaft d\u00fcrfte indes nur geringe oder gar keine Einbu\u00dfen verzeichnen, allen voran das Grundst\u00fccks- und Wohnungswesen, die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie weite Teile des \u00f6ffentlichen Dienstes (Verwaltung, Erziehung und Wissenschaft, Heime und Sozialwesen). So wird sich wohl trotz geschlossener Bildungseinrichtungen und dem damit verbundenen Unterrichtsausfall aufgrund der Erhebungssystematik der amtlichen Statistik in diesem Bereich kein nennenswerter R\u00fcckgang in der ausgewiesenen Wirtschaftsleistung ergeben.<\/p>\n<p>Neben dem Lebensmitteleinzelhandel werden im Wesentlichen nur die Zustelldienste ihre Aktivit\u00e4t vor\u00fcbergehend ausweiten. Im Gesundheitswesen d\u00fcrfte die Auslastung hingegen bis zum Ende des Jahres deutlich erh\u00f6ht bleiben.<\/p>\n<p>Kooths:\u00a0<i>\u201eDie Entwicklung in diesem Jahr stellt eine krasse Ausnahmesituation dar. Die Produktionseinbu\u00dfen sind der Reflex auf einen massiven exogenen Schock, f\u00fcr den es in der j\u00fcngeren Wirtschaftsgeschichte keine Vergleichsmuster gibt. Der Einbruch der B\u00f6rsenkurse und das Zur\u00fcckfahren von Produktionsprozessen erfolgt viel rasanter als w\u00e4hrend der durch die Globale Finanzkrise ausgel\u00f6sten Gro\u00dfen Rezession 2008\/2009. Allerdings sind auch die Chancen gut, rascher wieder aus dem Produktionstal herauszukommen.&#8220;<\/i><\/p>\n<div class=\"clearfix\" style=\"padding-left: 40px;\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: IfW Kiel, Pressemitteilung vom 19.03.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen\u00fcber der Fr\u00fchjahrsprognose\u00a0des IfW Kiel von vor einer Woche stellen sich die konjunkturelle Lage und auch die weiteren Aussichten mittlerweile deutlich schlechter dar. Das IfW Kiel hat daher seine Konjunkturberechnungen aktualisiert und unterstellt dabei zwei Szenarien. 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