{"id":58657,"date":"2020-07-19T19:31:47","date_gmt":"2020-07-19T17:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=58657"},"modified":"2020-07-19T19:31:47","modified_gmt":"2020-07-19T17:31:47","slug":"strassenverkehrsrecht-grenzwert-zu-absoluten-fahruntuechtigkeit-von-11-promille-gilt-nicht-fuer-pedelecs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/strassenverkehrsrecht-grenzwert-zu-absoluten-fahruntuechtigkeit-von-11-promille-gilt-nicht-fuer-pedelecs\/","title":{"rendered":"Stra\u00dfenverkehrsrecht: Grenzwert zu absoluten Fahrunt\u00fcchtigkeit von 1,1 Promille gilt nicht f\u00fcr &#8222;Pedelecs&#8220;"},"content":{"rendered":"<article>\n<pre><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe hat mit Beschluss vom 14.07.2020 darauf hingewiesen, dass derzeit keine gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse daf\u00fcr bestehen, dass Fahrer von handels\u00fcblichen Elektrofahrr\u00e4dern (\u201ePedelecs\u201c) mit einer Begrenzung der motorunterst\u00fctzten Geschwindigkeit auf 25 km\/h bereits unterhalb der f\u00fcr Fahrradfahrer geltenden Grenze von 1,6 Promille Blutalkoholkonzentration absolut fahrunt\u00fcchtig sind. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach der F\u00fchrer eines Kraftfahrzeugs bereits von einem Blutalkoholgehalt von 1,1 Promille an unwiderleglich fahrunt\u00fcchtig und wegen Trunkenheit im Verkehr zu bestrafen ist, findet daher auf solche \u201ePedelecs\u201c nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung keine Anwendung.<\/span><\/pre>\n<\/article>\n<article>In dem dieser Entscheidung zugrunde liegenden Verfahren erhebt die Staatsanwaltschaft Freiburg gegen den Angeklagten den Tatvorwurf der fahrl\u00e4ssigen Trunkenheit im Verkehr (\u00a7 316 Strafgesetzbuch). Der Angeklagte war als Fahrer eines \u201ePedelecs\u201c mit einer auf seinen Fahrweg einbiegenden Fahrradfahrerin, die seine Vorfahrt missachtet hatte, kollidiert. Dabei hatte er nach den Feststellungen der Vorinstanz eine Alkoholkonzentration von maximal 1,59 Promille im Blut.<\/p>\n<p>Die vorhandenen Beweise reichen nicht f\u00fcr die einzelfallbezogene Feststellung aus, dass der Angeklagte deshalb alkoholbedingt nicht mehr zum F\u00fchren des Fahrzeugs in der Lage war. Eine Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr unter dem Gesichtspunkt der relativen Fahrunt\u00fcchtigkeit (Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,3 Promille bei Hinzutreten alkoholtypischer Ausfallerscheinungen) kommt deshalb nicht in Betracht. Eine Ordnungswidrigkeit nach \u00a7 24a Stra\u00dfenverkehrsgesetz (F\u00fchren eines Kraftfahrzeugs mit mindestens 0,25 Milligramm\/Liter Alkohol in der Atemluft oder mindestens 0,5 Promille Alkohol im Blut) liegt ebenfalls nicht vor, weil handels\u00fcbliche \u201ePedelecs\u201c mit einer Begrenzung der motorunterst\u00fctzten Geschwindigkeit auf 25 km\/h keine Kraftfahrzeuge im Sinne des Stra\u00dfenverkehrsrechts sind (\u00a7 1 Abs. 3 Stra\u00dfenverkehrsgesetz).<\/p>\n<p>Das Amtsgericht Staufen und das Landgericht Freiburg haben den Angeklagten freigesprochen. Gegen das freisprechende Urteil des Landgerichts hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, die jetzt dem Oberlandesgericht Karlsruhe zur Entscheidung vorliegt.<\/p>\n<p>Eine endg\u00fcltige Entscheidung des Oberlandesgerichts ist noch nicht ergangen, da die Beteiligten zun\u00e4chst noch Gelegenheit zur Stellungnahme haben. Dem Hinweisbeschluss des Senats liegt daher nur eine vorl\u00e4ufige Beurteilung der Sach- und Rechtslage zugrunde.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: OLG Karlsruhe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe hat mit Beschluss vom 14.07.2020 darauf hingewiesen, dass derzeit keine gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse daf\u00fcr bestehen, dass Fahrer von handels\u00fcblichen Elektrofahrr\u00e4dern (\u201ePedelecs\u201c) mit einer Begrenzung der motorunterst\u00fctzten Geschwindigkeit auf 25 km\/h bereits unterhalb der f\u00fcr Fahrradfahrer geltenden Grenze von 1,6 Promille Blutalkoholkonzentration absolut fahrunt\u00fcchtig sind. 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