{"id":58823,"date":"2020-08-09T09:06:15","date_gmt":"2020-08-09T07:06:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=58823"},"modified":"2020-08-09T09:06:15","modified_gmt":"2020-08-09T07:06:15","slug":"kuenstliche-befruchtung-einer-alleinstehenden-frau-fuehrt-zu-aussergewoehnlichen-belastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kuenstliche-befruchtung-einer-alleinstehenden-frau-fuehrt-zu-aussergewoehnlichen-belastungen\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Befruchtung einer alleinstehenden Frau f\u00fchrt zu au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen"},"content":{"rendered":"<article>\n<pre><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Kosten f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung einer Frau k\u00f6nnen zu steuerlich abzugsf\u00e4higen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen f\u00fchren, wobei es nicht darauf ankommt, ob die Frau verheiratet ist oder in einer festen Beziehung lebt. Dies hat der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster mit Urteil vom 24. Juni 2020 (Az. 1 K 3722\/18 E) entschieden.<\/span><\/pre>\n<\/article>\n<article>Bei der im Streitjahr 40 Jahre alten Kl\u00e4gerin, die zu ihrem Beziehungsstatus keine Angaben macht, wurde eine krankheitsbedingte Fertilit\u00e4tsst\u00f6rung (Unfruchtbarkeit) festgestellt. In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung machte sie Kosten f\u00fcr eine Kinderwunschbehandlung in H\u00f6he von ca. 12.000 Euro, worin auch Aufwendungen f\u00fcr eine Samenspende enthalten sind, als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen geltend. Dies lehnte das Finanzamt mit der Begr\u00fcndung ab, dass solche Kosten nur bei verheirateten oder in einer festen Beziehung lebenden Frauen abzugsf\u00e4hig seien.<\/p>\n<p>Die Klage hatte in vollem Umfang Erfolg. Das Gericht hat die gesamten Aufwendungen f\u00fcr die Kinderwunschbehandlung als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen anerkannt. Die Unfruchtbarkeit der Kl\u00e4gerin stelle &#8211; so der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster &#8211; einen Krankheitszustand dar und sei nicht auf ihr Alter zur\u00fcckzuf\u00fchren. In der heutigen Zeit seien Schwangerschaften von Frauen \u00fcber 40 nicht ungew\u00f6hnlich. Aus den anzuerkennenden Kosten seien die Aufwendungen f\u00fcr die Samenspende nicht herauszurechnen, da diese mit der Behandlung eine untrennbare Einheit bildeten.<\/p>\n<p>Der Familienstand der Kl\u00e4gerin sei unerheblich, da die Behandlung in \u00dcbereinstimmung mit den Richtlinien der Berufsordnungen f\u00fcr \u00c4rzte vorgenommen worden sei. Jedenfalls in dem Bundesland, in dem die Kl\u00e4gerin behandelt wurde, seien k\u00fcnstliche Befruchtungen alleinstehender Frauen nicht durch diese Richtlinien ausgeschlossen. Zudem werde die Zwangslage unfruchtbarer Frauen durch die Krankheit hervorgerufen, nicht durch eine Ehe oder eine Partnerschaft. Schlie\u00dflich sei erwiesen, dass Kinder alleinerziehender Eltern in ihrer Entwicklung nicht beeintr\u00e4chtigt seien.<\/p>\n<p>Der Senat hat wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: FG M\u00fcnster, Pressemitteilung vom 03.08.2020 zum Urteil 1 K 3722\/18 vom 24.06.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kosten f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung einer Frau k\u00f6nnen zu steuerlich abzugsf\u00e4higen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen f\u00fchren, wobei es nicht darauf ankommt, ob die Frau verheiratet ist oder in einer festen Beziehung lebt. Dies hat der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster mit Urteil vom 24. Juni 2020 (Az. 1 K 3722\/18 E) entschieden. 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