{"id":58942,"date":"2020-09-04T17:28:57","date_gmt":"2020-09-04T15:28:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=58942"},"modified":"2020-09-04T17:28:57","modified_gmt":"2020-09-04T15:28:57","slug":"abgasskandal-auch-audi-muss-schadensersatz-an-kunden-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/abgasskandal-auch-audi-muss-schadensersatz-an-kunden-zahlen\/","title":{"rendered":"Abgasskandal: Auch Audi muss Schadensersatz an Kunden zahlen"},"content":{"rendered":"<section class=\"stage-single stage-single--recht stage-single--no-image\">\n<div class=\"centered-stage-content\">\n<div class=\"grid-3__content\">\n<div class=\"grid-3__middle-column\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/section>\n<div id=\"content\" class=\"site-content\">\n<section id=\"primary\" class=\"content-area\"><main class=\"content\"><\/p>\n<div class=\"centered-main-content\">\n<div class=\"grid-3__content\">\n<aside class=\"grid-3__left-column\">\n<div class=\"share__container\">Die Audi AG und die Volkswagen AG m\u00fcssen dem K\u00e4ufer eines gebrauchten Audi A1 wegen einer sittenwidrigen vors\u00e4tzlichen Sch\u00e4digung als Schadensersatz den Kaufpreis unter Abzug einer Nutzungsentsch\u00e4digung gegen R\u00fcckgabe des Fahrzeugs zahlen. Dies hat der 45. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm am 14.08.2020 entschieden.<\/div>\n<div><\/div>\n<\/aside>\n<div class=\"grid-3__middle-column\">\n<article class=\"article\">Der klagende Kunde aus G\u00fctersloh kaufte im Februar 2014 bei einem Autohaus in G\u00fctersloh einen erstmals im Februar 2013 zugelassenen Audi A1, 1.6 TDI zu einem Kaufpreis von 16.385 Euro. In dem Fahrzeug eingebaut ist ein vom sog. Abgasskandal betroffener Dieselmotor mit der herstellerinternen Typenbezeichnung EA 189. Im M\u00e4rz 2017 lie\u00df der Kl\u00e4ger ein angebotenes Software-Update ausf\u00fchren, welches daf\u00fcr sorgen sollte, im Normalbetrieb die \u00f6ffentlich-rechtlichen Grenzwerte einzuhalten.<\/p>\n<p>Der klagende Kunde macht u. a. geltend, er h\u00e4tte den Audi A1 nicht gekauft, wenn er von der Manipulation der Abgaswerte gewusst h\u00e4tte. Ihm st\u00fcnde sowohl gegen\u00fcber der Volkswagen AG als auch der Audi AG ein Schadensersatzanspruch zu, weil er von ihnen vors\u00e4tzlich sittenwidrig im Hinblick auf die Schadstoffemissionen get\u00e4uscht worden sei.<\/p>\n<p>Die Volkswagen AG hat insbesondere behauptet, dass die Entscheidung zum Einsatz der Motorsteuerungssoftware unterhalb ihrer Vorstandsebene getroffen worden sei. Die Audi AG hat sich darauf berufen, sie habe den Motor nicht entwickelt, weshalb sie von den Vorg\u00e4ngen keine Kenntnisse gehabt habe; ein etwaiges Wissen der Volkswagen AG k\u00f6nne ihr nicht zugerechnet werden.<\/p>\n<p>Das Landgericht Bielefeld hat die Volkswagen AG und die Audi AG \u2013 gesamtschuldnerisch \u2013 mit Urteil vom 22.07.2019 (Az. 19 O 314\/18) insbesondere zur R\u00fcckzahlung des Kaufpreises unter Abzug einer Nutzungsentsch\u00e4digung verurteilt. Es hat die Auffassung vertreten, der klagende Kunde sei durch das Inverkehrbringen des Motors \u2013 mit Blick auf die Volkswagen AG \u2013 und des Fahrzeugs \u2013 in Bezug auf die Audi AG \u2013 gesch\u00e4digt worden.<\/p>\n<p>Zu Recht! Die Audi AG und die Volkswagen AG h\u00e4tten \u2013 so der Senat \u2013 jede f\u00fcr sich zum Nachteil des K\u00e4ufers des Audi A1 eine vors\u00e4tzliche sittenwidrige Sch\u00e4digung begangen. Mehr als fernliegend sei, dass die Entscheidung f\u00fcr eine greifbar rechtswidrige Software ohne Einbindung der Vorst\u00e4nde oder sonstiger Repr\u00e4sentanten der Unternehmen erfolgt sei und lediglich einem untergeordneten Konstrukteur zugeschrieben werden k\u00f6nne, der sich eigenm\u00e4chtig verhalten habe. Der Gesichtspunkt, dass die beteiligten Unternehmen in einem Konzern verbunden seien, gen\u00fcge f\u00fcr sich genommen zwar nicht, um eine Wissenszurechnung zu begr\u00fcnden. Eine Mithaftung der Audi AG folge aber daraus, dass nicht vorstellbar sei, dass kein Vorstandsmitglied der Audi AG von dem Einsatz der illegalen Software gewusst habe. Diese Kenntnis dr\u00e4nge sich geradezu angesichts eines bei der Audi AG vorhandenen Compliance-Systems auf, nach dem f\u00fcr jedes Detail eines zu produzierenden Pkw das Einverst\u00e4ndnis zumindest eines Vorstandsmitglieds eingeholt werden m\u00fcsse. Beiden Herstellern sei es nicht gelungen, Umst\u00e4nde darzulegen, wonach eine Kenntnis ihrer Vorst\u00e4nde oder sonstigen Repr\u00e4sentanten ausscheiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color\"><em>Quelle: OLG Hamm, Pressemitteilung vom 03.09.2020 zum Urteil 45 U 22\/19 vom 14.08.2020 (rkr)<\/em><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><\/main><\/section>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Audi AG und die Volkswagen AG m\u00fcssen dem K\u00e4ufer eines gebrauchten Audi A1 wegen einer sittenwidrigen vors\u00e4tzlichen Sch\u00e4digung als Schadensersatz den Kaufpreis unter Abzug einer Nutzungsentsch\u00e4digung gegen R\u00fcckgabe des Fahrzeugs zahlen. Dies hat der 45. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm am 14.08.2020 entschieden. 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