{"id":62086,"date":"2020-12-18T13:20:37","date_gmt":"2020-12-18T11:20:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=62086"},"modified":"2020-12-18T13:20:37","modified_gmt":"2020-12-18T11:20:37","slug":"unzumutbare-akteneinsicht-waehrend-der-corona-pandemie-in-vollgestelltem-13-m%c2%b2-grossen-kellerraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/unzumutbare-akteneinsicht-waehrend-der-corona-pandemie-in-vollgestelltem-13-m%c2%b2-grossen-kellerraum\/","title":{"rendered":"Unzumutbare Akteneinsicht w\u00e4hrend der Corona-Pandemie in vollgestelltem 13 m\u00b2 gro\u00dfen Kellerraum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Verpflichtung, einem Gesellschafter zusammen mit zwei hierzu Bevollm\u00e4chtigten Einsicht in Handelsb\u00fccher und Gesch\u00e4ftsunterlagen zu gew\u00e4hren, wird w\u00e4hrend der Corona-Pandemie nicht durch die Bereitstellung eines 13 m\u00b2 gro\u00dfen, mit zahlreichen, nicht beschrifteten Kartons und weiteren M\u00f6belst\u00fccken zugestellten Kellerraumes erf\u00fcllt. Die GmbH h\u00e4tte f\u00fcr die l\u00e4ngere Zeit dauernde Einsichtnahme andere R\u00e4umlichkeiten bereitstellen m\u00fcssen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) wies deshalb mit am 14.12.2020 ver\u00f6ffentlichtem Beschluss eine Beschwerde der GmbH gegen die Festsetzung eines Zwangsgeldes zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antragstellerin ist Gesellschafterin der auf Auskunftserteilung in Anspruch genommenen GmbH. Gegenstand der GmbH war die Verwaltung eigenen Verm\u00f6gens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die GmbH war verurteilt worden, der Antragstellerin sowie zwei von ihr Bevollm\u00e4chtigten Einsicht in die vollst\u00e4ndigen Handelsb\u00fccher und Gesch\u00e4ftsunterlagen f\u00fcr die Jahre 2008-2019 zu gew\u00e4hren. Die GmbH erm\u00f6glichte die Einsicht am 15.05.2020 in ihrem 13 m\u00b2 gro\u00dfen Kellerraum, der mit zahlreichen Kartons vollgestellt war und in dem sich dar\u00fcber hinaus ein Schreibtisch, ein Computertisch sowie eine Couch mit einem weiteren Tisch befanden. Die Vertreter der Antragstellerin brachen den Termin ohne Einsichtnahme wegen Unzumutbarkeit dieser Bedingungen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Landgericht hat daraufhin ein Zwangsgeld i. H. v. 5.000 Euro gegen die GmbH verh\u00e4ngt. Die hiergegen eingelegte sofortige Beschwerde der GmbH hatte auch vor dem OLG keinen Erfolg. Die GmbH habe ihre Verpflichtung zur Einsichtsgew\u00e4hrung nicht durch die blo\u00dfe Bereitstellung der Unterlagen in zahlreichen Kartons in dem 13 m\u00b2 gro\u00dfen Raum erf\u00fcllt, begr\u00fcndet das OLG. In Anbetracht der damaligen Pandemiesituation sei es nicht zumutbar gewesen, die Einsicht in die Gesch\u00e4ftsb\u00fccher dort vorzunehmen. Zwar habe die Einsichtnahme grunds\u00e4tzlich in den Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen der Gesellschaft zu erfolgen. Hier habe aber wegen der m\u00f6glichen Gesundheitsgef\u00e4hrdung der Einsichtnehmenden ein anderer, geeigneterer Ort bestimmt werden m\u00fcssen, \u201eum \u2013 mangels des Bereitstellens anderer, \u00fcberzeugender Hygienekonzepte \u2013 \u2026(der) Verpflichtung zur Einsichtsgew\u00e4hrung nachzukommen.\u201c Nur in externen R\u00e4umen h\u00e4tte der nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts einzuhaltende Mindestabstand von 1,5 m eingehalten werden k\u00f6nnen. Die im Keller eingeschr\u00e4nkten L\u00fcftungsm\u00f6glichkeiten oder das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung seien auch keine Alternative gewesen, da von einer l\u00e4ngeren Zeit f\u00fcr die Einsichtnahme auszugehen gewesen sei. Die Unterlagen h\u00e4tten sich in deutlich mehr als 10 Umzugskartons sowie einem Aktenschrank befunden, ohne dass eine Ordnung der zahlreichen Aktenordner nach Jahren oder Inhalt erkennbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der im Raum stehenden gesundheitlichen Folgen einer Ansteckung sei der GmbH die Bereitstellung eines externen Raumes unter Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgesichtspunkten auch zumutbar gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: OLG Frankfurt, Pressemitteilung vom 14.12.2020 zum Beschluss 21 W 137\/20 vom 01.12.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verpflichtung, einem Gesellschafter zusammen mit zwei hierzu Bevollm\u00e4chtigten Einsicht in Handelsb\u00fccher und Gesch\u00e4ftsunterlagen zu gew\u00e4hren, wird w\u00e4hrend der Corona-Pandemie nicht durch die Bereitstellung eines 13 m\u00b2 gro\u00dfen, mit zahlreichen, nicht beschrifteten Kartons und weiteren M\u00f6belst\u00fccken zugestellten Kellerraumes erf\u00fcllt. 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