{"id":62199,"date":"2021-01-06T17:08:52","date_gmt":"2021-01-06T15:08:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=62199"},"modified":"2021-01-06T17:08:52","modified_gmt":"2021-01-06T15:08:52","slug":"corona-und-arbeitszeit-luecke-zwischen-den-geschlechtern-bleibt-frauen-erhalten-seltener-aufstockung-bei-kurzarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/corona-und-arbeitszeit-luecke-zwischen-den-geschlechtern-bleibt-frauen-erhalten-seltener-aufstockung-bei-kurzarbeit\/","title":{"rendered":"Corona und Arbeitszeit: L\u00fccke zwischen den Geschlechtern bleibt \u2013 Frauen erhalten seltener Aufstockung bei Kurzarbeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die durchschnittliche Erwerbs-Arbeitszeit von Frauen ist im Zuge der Corona-Krise st\u00e4rker gesunken als die von M\u00e4nnern. Dadurch hat sich die Schere bei den geschlechtsspezifischen Erwerbs-Arbeitszeiten ge\u00f6ffnet: Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen im Durchschnitt f\u00fcnf Stunden pro Woche weniger als M\u00e4nner in einem bezahlten Job. Im Herbst 2020 betrug die Differenz bei den tats\u00e4chlichen Arbeitszeiten sechs Stunden, damit war sie kaum kleiner als w\u00e4hrend des ersten Lockdowns im Fr\u00fchjahr. Bei Erwerbst\u00e4tigen mit betreuungsbed\u00fcrftigen Kindern lag die Differenz zwischen M\u00e4nnern und Frauen im Herbst bei elf Stunden pro Woche, vor der Krise waren es zehn und w\u00e4hrend des ersten Lockdowns im Fr\u00fchjahr 12 Stunden. Das ergeben neue Daten aus der Erwerbspersonenbefragung der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung vom November. Eine Ursache f\u00fcr den w\u00e4hrend der Krise gewachsenen Abstand d\u00fcrfte sein, dass vor allem Frauen zus\u00e4tzliche Sorgearbeit \u00fcbernommen haben, etwa in Kinderbetreuung oder der Pflege von Angeh\u00f6rigen, und daf\u00fcr im Beruf k\u00fcrzertreten mussten. Dass sich die zus\u00e4tzliche L\u00fccke im Herbst nicht wieder geschlossen hat, k\u00f6nnte auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass im November erstaunlich wenige Erwerbst\u00e4tige vorwiegend im Homeoffice gearbeitet haben: Zu Beginn des \u201eLockdowns Light\u201c Anfang des Monats taten das 14 Prozent, w\u00e4hrend der ersten gro\u00dfen Corona-Welle im April waren es 27 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den aktuell versch\u00e4rften Lockdown Zwei d\u00fcrfte der R\u00fcckstand der Frauen bei der bezahlten Arbeitszeit noch einmal wachsen, vermutet Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Denn durch die verl\u00e4ngerten Weihnachtsferien von Schulen und Kitas entsteht erneut erheblicher zus\u00e4tzlicher Betreuungsbedarf. Hinzu kommt, dass mit dem Einzelhandel eine Branche mit vielen weiblichen Besch\u00e4ftigten stark von Schlie\u00dfungen betroffen ist. Daher k\u00f6nnten jetzt mehr Frauen als M\u00e4nner in Kurzarbeit wechseln. Diese sichert zwar zahlreiche Jobs, sie bringt Frauen aber oft noch empfindlichere finanzielle Einbu\u00dfen als M\u00e4nnern, zeigen die neuen Daten ebenfalls: Von den m\u00e4nnlichen Kurzarbeitenden erhielten im November 46 Prozent eine Aufstockung des gesetzlichen Kurzarbeitsgeldes (KUG). Unter den Frauen in Kurzarbeit waren es nur 36 Prozent. Deutlich seltener als im Durchschnitt aller Befragter (41 Prozent) wird das KUG auch bei Besch\u00e4ftigten ohne Tarifvertrag aufgestockt oder bei Menschen, die nicht in einer Gewerkschaft sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Erwerbspersonenbefragung wurden im November mehr als 6.100 Erwerbst\u00e4tige und Arbeitsuchende von Kantar Deutschland online befragt. Dieselben Personen hatten bereits im April und im Juni Auskunft gegeben, so dass Trends im Zeitverlauf analysiert werden k\u00f6nnen. Die Panel-Befragung bildet die Erwerbspersonen in Deutschland im Hinblick auf die Merkmale Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland repr\u00e4sentativ ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-65-prozent-mit-kindern-empfinden-famili-re-situation-als-belastend\">65 Prozent mit Kindern empfinden famili\u00e4re Situation als belastend<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eW\u00e4hrend der Feiertage haben es viele Familien sicherlich leichter als Alleinstehende \u2013 Einsamkeit ist f\u00fcr sie in Zeiten des Lockdowns ein geringeres Problem. Aber generell bringt die Corona-Krise f\u00fcr Familien gro\u00dfe Herausforderungen\u201c, sagt WSI-Direktorin Kohlrausch, die auch Professorin f\u00fcr gesellschaftliche Transformation an der Universit\u00e4t Paderborn ist. \u201eDas macht unsere Befragung deutlich: 65 Prozent der Befragten mit betreuungsbed\u00fcrftigen Kindern im Haushalt empfinden ihre famili\u00e4re Situation als belastend. Bei den Alleinerziehenden sagen das sogar 71 Prozent. Unter den Befragten ohne Kinder sind es 48 Prozent.\u201c Zwar erleichtere die M\u00f6glichkeit, mobil zu arbeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade in der Pandemie. \u201eAber beides im Alltag zu verbinden, ist oft anstrengend. Zudem zeigt die neue Befragungswelle, dass im November zun\u00e4chst \u00fcberraschend wenige Erwerbst\u00e4tige \u00fcberwiegend im Homeoffice waren \u2013 trotz vorangegangener Regierungs-Appelle an die Arbeitgeber\u201c, sagt die Wissenschaftlerin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei \u00fcbernehmen Frauen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als M\u00e4nner. Im November gaben 66 Prozent der befragten erwerbst\u00e4tigen Frauen mit Kind\/Kindern, die in einer Partnerschaft lebten, an, den gr\u00f6\u00dferen Teil der Kinderbetreuung zu \u00fcbernehmen. Sieben Prozent sahen den Hauptpart bei ihrem Partner, 27 Prozent sprachen von einer Gleichverteilung der Sorgearbeit. Die befragten M\u00e4nner sahen das mit Abweichungen \u00e4hnlich. \u201eDamit war die Ungleichverteilung bei der Kinderbetreuung wieder fast so gro\u00df wie vor Ausbruch der Pandemie\u201c, sagt Kohlrausch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-bei-erwerbst-tigen-mit-kindern-liegt-der-w-chentliche-unterschied-der-erwerbs-arbeitszeiten-jetzt-bei-elf-stunden\">Bei Erwerbst\u00e4tigen mit Kindern liegt der w\u00f6chentliche Unterschied der Erwerbs-Arbeitszeiten jetzt bei elf Stunden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach wie vor schl\u00e4gt die Krise auf die Erwerbs-Arbeitszeit von M\u00e4nnern und, noch etwas st\u00e4rker, von Frauen durch: Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten die befragten M\u00e4nner im Durchschnitt rund 40 Stunden pro Woche im bezahlten Job, die Frauen rund 35. W\u00e4hrend des ersten Lockdowns im April erreichte die durchschnittliche tats\u00e4chliche Arbeitszeit bei beiden Geschlechtern mit 34 bzw. 28 Wochenstunden den Tiefpunkt, was sowohl auf weitverbreitete Kurzarbeit als auch auf hohen zus\u00e4tzlichen Betreuungsbedarf bei geschlossenen Schulen und Kitas zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Seitdem ist die Arbeitszeit sowohl bei M\u00e4nnern als auch bei Frauen wieder deutlich gestiegen, doch auch im November (als nach der tats\u00e4chlichen Arbeitszeit von Oktober gefragt wurde) hinkten die weiblichen Erwerbst\u00e4tigen bei der Normalisierung weiterhin etwas hinterher: Bei Frauen betrug die durchschnittliche Arbeitszeit rund 32 Stunden in der Woche, bei M\u00e4nnern 38 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutlich gr\u00f6\u00dfer sind die Abst\u00e4nde bei Erwerbst\u00e4tigen mit betreuungsbed\u00fcrftigen Kindern: Vor der Krise arbeiteten hier die M\u00e4nner im Schnitt 41 Stunden pro Woche, die Frauen wegen weitverbreiteter Teilzeit durchschnittlich 31 Stunden. Im April waren die tats\u00e4chlichen Erwerbs-Arbeitszeiten auf 36 bzw. 24 Stunden pro Woche gesunken und die geschlechtsspezifische Differenz parallel von zehn auf 12 Stunden angewachsen. Im Oktober waren die M\u00e4nner 39 Stunden w\u00f6chentlich mit Erwerbsarbeit besch\u00e4ftigt, die Frauen 28 Stunden, die Differenz betrug somit noch 11 Stunden. \u201eDer zus\u00e4tzliche durchschnittliche R\u00fcckstand der Frauen von einer Stunde in den vergleichsweise ruhigen Herbstmonaten ist erheblich\u201c, sagt WSI-Direktorin Kohlrausch. \u201eDarin d\u00fcrfte sich einerseits spiegeln, dass trotz generell ge\u00f6ffneter Schulen und Kitas wegen lokaler Corona-Ausbr\u00fcche individuell immer wieder Betreuungsbedarf entstanden sein wird. Andererseits k\u00f6nnte ein Teil der Frauen, die ihre Arbeitszeit im Lockdown deutlich reduzieren mussten, Schwierigkeiten haben, zu ihrer alten Arbeitszeit zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Es besteht die Gefahr, dass manche Arbeitgeber sagen: Einmal reduziert, immer reduziert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Kurzarbeit waren Frauen und M\u00e4nner im November in fast identischem Umfang betroffen: Unter den befragten m\u00e4nnlichen Erwerbst\u00e4tigen arbeiteten sieben Prozent kurz, bei den weiblichen acht Prozent. Sp\u00fcrbare Unterschiede gab es hingegen bei den finanziellen Folgen der Kurzarbeit. Denn zum einen verzeichnen erwerbst\u00e4tige Frauen im Schnitt niedrigere Einkommen. Zum anderen erhielten die befragten Frauen seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitsgeldes \u00fcber das gesetzlich vorgesehene Niveau hinaus: W\u00e4hrend davon im November 46 Prozent der kurzarbeitenden M\u00e4nner profitierten, waren es unter den Kurzarbeiterinnen lediglich 36 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein m\u00f6glicher Grund daf\u00fcr ist nach Kohlrauschs Analyse, dass Frauen seltener nach Tarifvertrag bezahlt werden, was bei der faktischen H\u00f6he des Kurzarbeitsgeldes einen erheblichen Unterschied macht. Denn in zahlreichen Branchen wurden tarifliche Regelungen zu Aufstockungen abgeschlossen. Dementsprechend erhielten von den Befragten in tarifgebundenen Betrieben im November 52 Prozent eine Aufstockung, in Betrieben ohne Tarifvertrag waren es nur 27 Prozent. Auch eine zweite Korrelation falle ins Auge, so Kohlrausch: Von den Gewerkschaftsmitgliedern im Befragungspanel erhielten 65 Prozent ein aufgestocktes Kurzarbeitsgeld, unter den Nicht-Mitgliedern lediglich 34 Prozent. Und weibliche Erwerbst\u00e4tige sind nach wie vor seltener organisiert als m\u00e4nnliche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 29.12.2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die durchschnittliche Erwerbs-Arbeitszeit von Frauen ist im Zuge der Corona-Krise st\u00e4rker gesunken als die von M\u00e4nnern. Dadurch hat sich die Schere bei den geschlechtsspezifischen Erwerbs-Arbeitszeiten ge\u00f6ffnet: Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen im Durchschnitt f\u00fcnf Stunden pro Woche weniger als M\u00e4nner in einem bezahlten Job. Im Herbst 2020 betrug die Differenz bei den tats\u00e4chlichen Arbeitszeiten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/corona-und-arbeitszeit-luecke-zwischen-den-geschlechtern-bleibt-frauen-erhalten-seltener-aufstockung-bei-kurzarbeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Corona und Arbeitszeit: L\u00fccke zwischen den Geschlechtern bleibt \u2013 Frauen erhalten seltener Aufstockung bei Kurzarbeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-62199","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62199"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62199\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}