{"id":62231,"date":"2021-01-09T13:46:04","date_gmt":"2021-01-09T11:46:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=62231"},"modified":"2021-01-09T13:46:04","modified_gmt":"2021-01-09T11:46:04","slug":"anerkennung-von-covid-19-als-berufskrankheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/anerkennung-von-covid-19-als-berufskrankheit\/","title":{"rendered":"Anerkennung von COVID-19 als Berufskrankheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geltende Berufskrankheitenliste (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkv\/anlage_1.html\" target=\"_blank\">Anlage 1<\/a> zur Berufskrankheiten-Verordnung) enth\u00e4lt unter der Nr. 3101 die Bezeichnung \u201cInfektionskrankheiten\u201d; dies schlie\u00dft auch eine Erkrankung durch COVID-19 ein. Die Berufskrankheit gilt allerdings nicht uneingeschr\u00e4nkt, sondern ist auf bestimmte Berufs- und T\u00e4tigkeitsfelder beschr\u00e4nkt. Nach der Definition in der Verordnung ist Voraussetzung, dass der Versicherte \u201cim Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium t\u00e4tig oder durch eine andere T\u00e4tigkeit der Infektionsgefahr in \u00e4hnlichem Ma\u00dfe besonders ausgesetzt war.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Definition k\u00f6nnen T\u00e4tigkeiten au\u00dferhalb des Gesundheitsdienstes, der Wohlfahrtspflege bzw. au\u00dferhalb von Laboratorien also nur dann als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn ein mit diesen T\u00e4tigkeiten vergleichbar hohes Infektionsrisiko bestanden hat. Dieses Infektionsrisiko muss sich in entsprechend hohen Erkrankungszahlen bezogen auf eine Branche niedergeschlagen haben; eine Gef\u00e4hrdung in einzelnen Betrieben reicht nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00c4rztliche Sachverst\u00e4ndigenbeirat Berufskrankheiten des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales (\u00c4SB) hat orientierend gepr\u00fcft, ob nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand weitere T\u00e4tigkeiten oder T\u00e4tigkeitsbereiche identifiziert werden k\u00f6nnen, die diese Voraussetzungen erf\u00fcllen. Seiner Pr\u00fcfung hat der \u00c4SB die aktuelle epidemiologische Literatur sowie Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung zur H\u00e4ufigkeit von COVID-19-Erkrankungen zugrunde gelegt. Im Ergebnis haben die bisherigen Untersuchungen das deutlich erh\u00f6hte COVID-19-Erkrankungsrisiko bei Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen best\u00e4tigt; jedoch lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt keine anderen T\u00e4tigkeiten identifizieren, f\u00fcr die sich konsistent und wissenschaftlich belastbar ein vergleichbar hohes COVID-19-Erkrankungsrisiko gezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4sst sich nicht ausschlie\u00dfen, dass auf der Grundlage einer verbreiterten und differenzierteren epidemiologischen Studienlage zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erh\u00f6hte Risiken f\u00fcr konkrete Berufst\u00e4tigkeiten gefunden werden k\u00f6nnen. Diesbez\u00fcglich erarbeitet der \u00c4SB derzeit konkrete Vorschl\u00e4ge f\u00fcr vertiefende aussagekr\u00e4ftigere Forschungsans\u00e4tze. So besteht z. B. erheblicher Forschungsbedarf zum COVID-19-Erkrankungsrisiko in Schlachth\u00f6fen. Dies begr\u00fcndet sich mit der hohen Fallzahl von SARS-CoV-2-Infektionen in mehreren Gro\u00dfschlachtereien, die bislang nur unzureichend epidemiologisch untersucht wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-fazit\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend kann auf der Grundlage der aktuellen epidemiologischen Erkenntnisse keine Personengruppe definiert werden, die ein den im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium T\u00e4tigen vergleichbares COVID-19-Infektionsrisiko hat.<br \/>Sofern die Infektion auf einem situativen beruflichen Kontakt zu einem infizierten Menschen beruht, kommt allerdings im konkreten Einzelfall die Anerkennung einer COVID-19-Erkrankung als Arbeitsunfall infrage. Dies ist durch den zust\u00e4ndigen Unfallversicherungstr\u00e4ger zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erg\u00e4nzend wird auf Folgendes hingewiesen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fcr die Frage, ob ein Versicherungsfall der gesetzlichen Unfallversicherung vorliegt, ist die Schwere der Erkrankung nicht ausschlaggebend.<\/li><li>Sofern durch die COVID-19-Erkrankung gesundheitliche Folgesch\u00e4den verursacht werden, sind auch diese Sch\u00e4den grunds\u00e4tzlich durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: BMAS, Mitteilung vom 06.01.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geltende Berufskrankheitenliste (Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung) enth\u00e4lt unter der Nr. 3101 die Bezeichnung \u201cInfektionskrankheiten\u201d; dies schlie\u00dft auch eine Erkrankung durch COVID-19 ein. 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