{"id":62433,"date":"2021-02-12T19:31:42","date_gmt":"2021-02-12T17:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=62433"},"modified":"2021-02-12T19:31:42","modified_gmt":"2021-02-12T17:31:42","slug":"hartz-iv-grundsaetze-der-vermoegenspruefung-in-corona-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/hartz-iv-grundsaetze-der-vermoegenspruefung-in-corona-zeiten\/","title":{"rendered":"Hartz-IV: Grunds\u00e4tze der Verm\u00f6genspr\u00fcfung in Corona-Zeiten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00e4hrend der Corona-Pandemie soll eine Verm\u00f6genspr\u00fcfung bei Hartz-IV-Antr\u00e4gen nur noch bei erheblichem Verm\u00f6gen stattfinden. Hierzu hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) entschieden, dass die Weisungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit zur Bestimmung des Verm\u00f6gensfreibetrags nicht gesetzeskonform sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugrunde lag das Eilverfahren einer Juristin (geb. 1980) aus Hannover, die im Mai 2020 erstmals Grundsicherungsleistungen beantragt hatte. Im pandemiebedingt vereinfachten Verfahren musste sie im Antrag lediglich Angaben zu etwaigem Verm\u00f6gen \u00fcber 60.000 Euro machen. Wegen unklarer Angaben forderte das Jobcenter Kontoausz\u00fcge an und stellte fest, dass 59.900 Euro auf dem Konto vorhanden waren und die Frau kurz zuvor zweimal 2.000 Euro abgehoben hatte. Verwendungsnachweise konnte und wollte sie nicht vorlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Jobcenter lehnte den Antrag mit der Begr\u00fcndung ab, dass Verm\u00f6gen von mehr als 60.000 Euro vorhanden sei, da f\u00fcr die Verwendung der Barabhebungen keine Nachweise erbracht worden seien. Demgegen\u00fcber meinte die Frau, \u00fcber kein erhebliches Verm\u00f6gen zu verf\u00fcgen, denn der Kontowert unterschreite die Freibetragsgrenze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LSG hat einen Leistungsanspruch der Frau verneint. Es sei schon zweifelhaft, ob die Pandemie-Vorschriften f\u00fcr die Frau anwendbar seien, da ihre Lage nicht mit der besonderen Situation von Einkommenseinbu\u00dfen bei Kleinunternehmen und Solo-Selbst\u00e4ndigen vergleichbar sei. In keinem Falle aber sei ein fester Verm\u00f6gensfreibetrag ma\u00dfgeblich. Die fachlichen Weisungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, die sich an den Verwaltungsvorschriften zum Wohngeldgesetz orientierten, f\u00e4nden im SGB II keine St\u00fctze. Die Bestimmung eines Missbrauchsfalles k\u00f6nne nicht anhand pauschaler und starrer Verm\u00f6gensgrenzen erfolgen. Die Ausrichtung an fr\u00fcheren Freibetragsgrenzen der seit Jahren abgeschafften Verm\u00f6genssteuer sei kein geeigneter Ma\u00dfstab. Erhebliches Verm\u00f6gen liege vielmehr dann vor, wenn im Einzelfall f\u00fcr jedermann offenkundig sei, dass Grundsicherungsleistungen nicht gerechtfertigt seien. So k\u00f6nne z. B. auch Betriebsverm\u00f6gen von mehr als 60.000 Euro unbedenklich sein, w\u00e4hrend im Falle der Frau das allgemeine Schonverm\u00f6gen ma\u00dfgeblich sei, das f\u00fcr alle Hartz-IV-Empf\u00e4nger gelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: LSG Niedersachsen-Bremen, Pressemitteilung vom 08.02.2021 zum Beschluss L 7 AS 5\/21 B ER vom 21.01.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Corona-Pandemie soll eine Verm\u00f6genspr\u00fcfung bei Hartz-IV-Antr\u00e4gen nur noch bei erheblichem Verm\u00f6gen stattfinden. Hierzu hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) entschieden, dass die Weisungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit zur Bestimmung des Verm\u00f6gensfreibetrags nicht gesetzeskonform sind. Zugrunde lag das Eilverfahren einer Juristin (geb. 1980) aus Hannover, die im Mai 2020 erstmals Grundsicherungsleistungen beantragt hatte. 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