{"id":62481,"date":"2021-02-19T17:58:38","date_gmt":"2021-02-19T15:58:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=62481"},"modified":"2021-02-19T17:58:38","modified_gmt":"2021-02-19T15:58:38","slug":"corona-entscheidung-ueber-ansprueche-von-gastronomen-aus-betriebsschliessungsversicherungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/corona-entscheidung-ueber-ansprueche-von-gastronomen-aus-betriebsschliessungsversicherungen\/","title":{"rendered":"Corona: Entscheidung \u00fcber Anspr\u00fcche von Gastronomen aus Betriebsschlie\u00dfungsversicherungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet \u00fcber Anspr\u00fcche von Gastronomen aus Betriebsschlie\u00dfungsversicherungen infolge von Betriebsschlie\u00dfungen im Zuge der Corona-Pandemie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der f\u00fcr das private Versicherungsrecht zust\u00e4ndige 7. Zivilsenat unter dem Vorsitz des Vorsitzenden Richters am Oberlandesgericht Norbert Taxis hat am 18. Februar 2021 zwei Entscheidungen \u00fcber Anspr\u00fcche von Gastronomen getroffen, die ihren Betrieb aufgrund der im M\u00e4rz 2020 erlassenen Corona-Verordnung des Landes Baden-W\u00fcrttemberg schlie\u00dfen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4ger, deren Klagen bei den angerufenen Landgerichten nicht erfolgreich waren, haben bei unterschiedlichen Versicherungsgesellschaften Vertr\u00e4ge \u00fcber eine sog. Betriebsschlie\u00dfungsversicherung abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Verfahren (Az. 7 U 351\/20) liegen dem Vertrag Versicherungsbedingungen zugrunde, nach denen der Versicherer u. a. Entsch\u00e4digung leistet, wenn die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde aufgrund des Gesetzes zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz \u2013 IfSG) beim Auftreten meldepflichtiger Krankheiten oder Krankheitserreger den versicherten Betrieb oder eine versicherte Betriebsst\u00e4tte zur Verhinderung der Verbreitung von meldepflichtigen Krankheiten oder Krankheitserregern beim Menschen schlie\u00dft. Dabei ist weiter bestimmt, dass meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger \u201edie folgenden, im Infektionsgesetz in den \u00a7\u00a7 6 und 7 namentlich genannten Krankheiten und Krankheitserreger\u201c sind. Es schlie\u00dft sich eine Aufz\u00e4hlung an, in der zahlreiche Krankheiten bzw. Krankheitserreger genannt sind, aufgef\u00fchrt sind aber weder die \u201eCoronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)\u201c noch das \u201eCorona-Virus\u201c, die mit Geltung ab dem 23. Mai 2020 im Infektionsschutzgesetz aufgef\u00fchrt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Verfahren (Az. 7 U 335\/20) ist in den Versicherungsbedingungen bestimmt, dass der Versicherer f\u00fcr den Fall, dass die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde aufgrund von Gesetzen zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen im Einzelnen aufgef\u00fchrte Ma\u00dfnahmen, zu denen auch eine Betriebsschlie\u00dfung z\u00e4hlt, ergriffen hat, eine Entsch\u00e4digungsleistung erbringt. Weiter hei\u00dft es im Vertrag: \u201eMeldepflichtige Krankheiten oder meldepflichtige Krankheitserreger im Sinne dieses Vertrages sind nur die im Folgenden aufgef\u00fchrten\u201c; daran schlie\u00dft sich wiederum eine umfangreiche Aufz\u00e4hlung an, die die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) oder das \u201eCorona-Virus\u201c ebenfalls nicht umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 7. Zivilsenat hat entschieden, dass infolge der fehlenden Ber\u00fccksichtigung in der Aufz\u00e4hlung eine Betriebsschlie\u00dfung aufgrund der Corona-Pandemie nicht dem Versicherungsschutz unterfalle. Die Versicherungsbedingungen enthielten jeweils abgeschlossene und nicht erweiterbare Kataloge, sie k\u00f6nnten nicht im Sinne einer dynamischen Verweisung auf die jeweils geltenden Regelungen des Infektionsschutzgesetzes verstanden werden. Die vertraglichen Regelungen seien f\u00fcr einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer einer f\u00fcr Gewerbetreibende angebotenen Betriebsschlie\u00dfungsversicherung nicht \u00fcberraschend und nicht intransparent; sie hielten auch ansonsten einer Inhaltskontrolle stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verfahren 7 U 351\/20 hat der 7. Zivilsenat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen, im Verfahren 7 U 335\/20 hingegen nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-relevante-normen-auszug\">Relevante Normen (Auszug):<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00a7 305c \u00dcberraschende und mehrdeutige Klauseln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) Bestimmungen in Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen, die nach den Umst\u00e4nden, insbesondere nach dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild des Vertrags, so ungew\u00f6hnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht Vertragsbestandteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(2) Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Gesch\u00e4ftsbedingungen gehen zu Lasten des Verwenders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00a7 307 Inhaltskontrolle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(1) Bestimmungen in Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen sind unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Eine unangemessene Benachteiligung kann sich auch daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(2) Eine unangemessene Benachteiligung ist im Zweifel anzunehmen, wenn eine Bestimmung<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der abgewichen wird, nicht zu vereinbaren ist oder<\/li><li>wesentliche Rechte oder Pflichten, die sich aus der Natur des Vertrags ergeben, so einschr\u00e4nkt, dass die Erreichung des Vertragszwecks gef\u00e4hrdet ist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(3) \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: OLG Stuttgart, Pressemitteilung vom 18.02.2021 zu den Urteilen 7 U 335\/20 und 7 U 351\/20 vom 18.02.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet \u00fcber Anspr\u00fcche von Gastronomen aus Betriebsschlie\u00dfungsversicherungen infolge von Betriebsschlie\u00dfungen im Zuge der Corona-Pandemie Der f\u00fcr das private Versicherungsrecht zust\u00e4ndige 7. 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