{"id":63602,"date":"2021-06-12T15:43:52","date_gmt":"2021-06-12T13:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=63602"},"modified":"2021-06-12T15:43:52","modified_gmt":"2021-06-12T13:43:52","slug":"keine-wiedereinsetzung-gem-%c2%a7-56-fgo-trotz-pandemiebedingter-gruende-bei-organisationsverschulden-in-der-kanzlei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-wiedereinsetzung-gem-%c2%a7-56-fgo-trotz-pandemiebedingter-gruende-bei-organisationsverschulden-in-der-kanzlei\/","title":{"rendered":"Keine Wiedereinsetzung gem. \u00a7 56 FGO trotz pandemiebedingter Gr\u00fcnde bei Organisationsverschulden in der Kanzlei"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der 8. Senat des FG D\u00fcsseldorf hatte \u00fcber eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei vers\u00e4umter Klagefrist zu entscheiden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 09.06.2020, einen Tag nach Ablauf der Klagefrist, erhob die anwaltlich vertretene Kl\u00e4gerin eine Klage und stellte zugleich einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Die Prozessbevollm\u00e4chtigte der Kl\u00e4gerin war eine Kanzlei mit mehreren Berufstr\u00e4gern. Die Rechtsanw\u00e4ltin, die die Klageschrift unterzeichnet hatte, trug vor, dass sie die Klage nicht fristgem\u00e4\u00df habe erheben k\u00f6nnen. Ihre Mutter, die ihre beiden Kinder nach der pandemiebedingten Notbetreuung in der Schule bzw. Kindertagesst\u00e4tte betreut habe, habe sie am Nachmittag des 08.06.2020 telefonisch dar\u00fcber informiert, dass ihr Sohn Fieber bekommen habe. Eine Infektion ihres Sohnes mit dem Corona-Virus sei nicht auszuschlie\u00dfen gewesen. Da ihre Mutter zur sog. Risikogruppe geh\u00f6re, habe sie ihren Arbeitsplatz au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig und \u00fcbereilt verlassen. In einem emotionalen Ausnahmezustand habe sie ihren Laptop im B\u00fcro vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richter wiesen die Klage mit Urteil vom 29.04.2021 wegen Nichteinhaltung der Klagefrist als unzul\u00e4ssig ab. Eine Wiedereinsetzung in die abgelaufene Klagefrist lehnte der Senat ab. Denn es liege aus zwei Gr\u00fcnden ein Verschulden der Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin vor: Zum einen habe die Rechtsanw\u00e4ltin zumindest fahrl\u00e4ssig gehandelt, indem sie ihren Arbeitsplatz ohne weitere Vorkehrungen und Laptop verlassen habe. Sp\u00e4testens als die Situation sich am Abend als harmlos herausgestellt habe, h\u00e4tte sie die Klage noch erheben k\u00f6nnen. Zum anderen sei von einem erheblichen Organisationsverschulden innerhalb der Kanzlei auszugehen. Die Prozessbevollm\u00e4chtigte habe nicht erl\u00e4utert, wie sie kanzleiintern die Einhaltung von Fristen in Verhinderungsf\u00e4llen z. B. durch Vertretungs- und Informationsketten sicherstelle. Dies gelte auch in Zeiten der COVID-19-Pandemie, zumal die damit verbundenen Einschr\u00e4nkungen im Juni 2020 nicht mehr unvorhersehbar gewesen seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Senat hat die Revision nicht zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG D\u00fcsseldorf, Pressemitteilung vom 10.06.2021 zum Urteil 8 K 1416\/20 G vom 29.04.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 8. Senat des FG D\u00fcsseldorf hatte \u00fcber eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei vers\u00e4umter Klagefrist zu entscheiden. Am 09.06.2020, einen Tag nach Ablauf der Klagefrist, erhob die anwaltlich vertretene Kl\u00e4gerin eine Klage und stellte zugleich einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. 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