{"id":63838,"date":"2021-07-04T19:33:11","date_gmt":"2021-07-04T17:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=63838"},"modified":"2021-07-04T19:33:11","modified_gmt":"2021-07-04T17:33:11","slug":"den-corona-steuerhilfen-in-deutschland-fehlt-es-an-durchschlagskraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/den-corona-steuerhilfen-in-deutschland-fehlt-es-an-durchschlagskraft\/","title":{"rendered":"Den Corona-Steuerhilfen in Deutschland fehlt es an Durchschlagskraft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die bisherigen Corona-Steuerhilfen sind in Deutschland insgesamt zu zaghaft, um die Folgen der Krise abzufedern. So entlasten die Ma\u00dfnahmen in ihrer aktuellen Form haupts\u00e4chlich gro\u00dfe Unternehmen. Kleine Unternehmen und Start-ups profitieren kaum. Weitere steuerliche Ma\u00dfnahmen sind daher n\u00f6tig, damit deutsche Unternehmen gut aus der Krise kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des ZEW Mannheim im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung f\u00fcr die Freiheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie untersucht, wie effizient und zielgerichtet die ertragsteuerlichen Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung zur Milderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Deutschland beitragen. Hierf\u00fcr haben die Wissenschaftler\/innen verschiedene ertragsteuerliche Ma\u00dfnahmen evaluiert, insbesondere mit Blick auf die Ausweitung der steuerlichen Verlustverrechnung, der Erh\u00f6hung des Freibetrags f\u00fcr gewerbesteuerliche Hinzurechnungstatbest\u00e4nde sowie der Erweiterung bisher anwendbarer Abschreibungsmethoden. Die Ma\u00dfnahmen sind geeignet, um die Unternehmensliquidit\u00e4t zu sichern und f\u00fchren zu einer zeitlichen Verschiebung der Steuerzahlung. Aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds entstehen dem Staat dadurch keine nennenswerten Kosten. Allerdings kommt es f\u00fcr Unternehmen auch nicht zu einer dauerhaften Steuerentlastung. Im Ergebnis hat die Wirkung der ergriffenen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Unternehmen laut Studie zu wenig Durchschlagskraft. Bezogen auf die Unternehmensgr\u00f6\u00dfe zeigt sich, dass von den betragsm\u00e4\u00dfigen Erh\u00f6hungen des Verlustr\u00fccktrags und des Freibetrags f\u00fcr gewerbesteuerliche Hinzurechnungen haupts\u00e4chlich mittelgro\u00dfe und gro\u00dfe Unternehmen profitierten. Dagegen werden kleinere Unternehmen sowie Start-ups zu wenig entlastet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMit Blick auf das Ausma\u00df der Krise greifen die Ma\u00dfnahmen zu kurz. Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft deutlich h\u00e4rter als die Finanzkrise. Deshalb w\u00e4ren weitergehende Ma\u00dfnahmen angemessen\u201c, ordnet Prof. Dr. Christoph Spengel, ZEW-Forschungsprofessor sowie Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre II an der Universit\u00e4t Mannheim, die Ergebnisse ein. Prof. Karl-Heinz Paqu\u00e9, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung, erg\u00e4nzt: \u201eDas Gutachten zeigt, dass \u00fcber das Steuerrecht zielgenaue, schnelle und unb\u00fcrokratische Corona-Hilfen f\u00fcr Unternehmen m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren. Dazu fehlte der Politik leider der politische Mut und die marktwirtschaftliche Umsicht. Es h\u00e4tte viele b\u00fcrokratische und betrugsanf\u00e4llige Antragsverfahren erspart.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-steuerliche-ma-nahmen-ausbauen-und-wirkungsvoller-gestalten\">Steuerliche Ma\u00dfnahmen ausbauen und wirkungsvoller gestalten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine bessere Entlastung der Unternehmen sind weitere Ma\u00dfnahmen angebracht. So w\u00fcrde sich unter anderem eine zeitliche Ausweitung des Verlustr\u00fccktrags vor allem f\u00fcr kleine und mittelgro\u00dfe Unternehmen deutlich wirkungsvoller gestalten. Dar\u00fcber hinaus pl\u00e4dieren die Wissenschaftler\/innen f\u00fcr eine Aussetzung der Mindestbesteuerung f\u00fcr kriseninduzierte Verluste. Denn durch die Besteuerung von Gewinnen trotz hoher bestehender Verlustvortr\u00e4ge droht die Mindestbesteuerung die wirtschaftliche Erholung von Unternehmen auszubremsen. \u201eDer krisenversch\u00e4rfende Effekt aus den Jahren 2020 und 2021 entstandenen Verlusten kann nur dann aufgehalten werden, wenn auch deren Mindestbesteuerung zeitweise ausgesetzt wird. Dadurch w\u00fcrde auch der Staatshaushalt nicht nennenswert belastet\u201c, so Spengel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gro\u00dfz\u00fcgigere Abschreibungsregeln k\u00e4men zudem allen Unternehmen zu Gute kommen \u2013 und st\u00e4rker zukunftsgerichtete Investitionen f\u00f6rdern. Anstatt einer breit angelegten F\u00f6rderung k\u00f6nnten Defizite \u00fcber mehr zielgerichtete Verg\u00fcnstigungen aufgeholt werden. In Betracht kommen hier beispielsweise Regelungen wie der Investitionsabzugsbetrag, von dem speziell kleine und mittlere Unternehmen profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-andere-l-nder-deutlich-unternehmens-und-wachstumsfreundlicher\">Andere L\u00e4nder deutlich unternehmens- und wachstumsfreundlicher<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch mit Blick in andere L\u00e4nder zeigt sich, dass eine Nachjustierung der deutschen Corona-Steuerhilfen empfehlenswert ist. So haben die USA oder Gro\u00dfbritannien und Nordirland im Rahmen der Verlustverrechnung oder bei den Abschreibungsregeln deutlich gro\u00dfz\u00fcgigere Sofortma\u00dfnahmen erlassen, um die wirtschaftlichen Corona-Folgen f\u00fcr Unternehmen abzufedern. Damit deutsche Unternehmen k\u00fcnftig im internationalen Wettbewerb nicht hinterherhinken, empfehlen die Autoren\/-innen der Studie der Politik deutlich unternehmens- und wachstumsfreundlichere Regelungen zu schaffen. \u201eJetzt kommt es darauf an, die Weichen f\u00fcr die Zukunft richtig zu stellen. Die Unternehmen wollen und m\u00fcssen investieren, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Wir brauchen einen Investitionspakt f\u00fcr Deutschland, um die Transformation in die digitale, klimaneutrale und soziale Wirtschaft von morgen zu schaffen. Eine international wettbewerbsf\u00e4hige Unternehmensbesteuerung muss zentraler Bestandteil dieses Investitionspakts sein\u201c, sagt Prof. Karl-Heinz Paqu\u00e9.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.zew.de\/presse\/pressearchiv\/den-corona-steuerhilfen-in-deutschland-fehlt-es-an-durchschlagskraft\">Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des ZEW.<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: ZEW, Pressemitteilung vom 02.07.2021<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die bisherigen Corona-Steuerhilfen sind in Deutschland insgesamt zu zaghaft, um die Folgen der Krise abzufedern. So entlasten die Ma\u00dfnahmen in ihrer aktuellen Form haupts\u00e4chlich gro\u00dfe Unternehmen. Kleine Unternehmen und Start-ups profitieren kaum. Weitere steuerliche Ma\u00dfnahmen sind daher n\u00f6tig, damit deutsche Unternehmen gut aus der Krise kommen. 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