{"id":63915,"date":"2021-07-15T20:09:20","date_gmt":"2021-07-15T18:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=63915"},"modified":"2021-07-15T20:09:20","modified_gmt":"2021-07-15T18:09:20","slug":"zusammenlegung-von-kirchengemeinden-kann-grunderwerbsteuer-ausloesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/zusammenlegung-von-kirchengemeinden-kann-grunderwerbsteuer-ausloesen\/","title":{"rendered":"Zusammenlegung von Kirchengemeinden kann Grunderwerbsteuer ausl\u00f6sen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der 8. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat mit Urteil vom 17. Juni 2021 (Az. 8 K 364\/21 GrE) entschieden, dass die Zusammenlegung mehrerer katholischer Kirchengemeinden, die Anteile einer grundbesitzenden GmbH halten, zu einer Anteilsvereinigung f\u00fchrt, die Grunderwerbsteuer ausl\u00f6st.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist eine katholische Kirchengemeinde, die im Jahr 2007 aus der Zusammenlegung mehrerer anderer Kirchengemeinden mittels gesch\u00e4ftlicher Urkunde entstanden ist. Zwei dieser Gemeinden waren die einzigen Gesellschafter einer GmbH, die Grundbesitz hielt. Das Finanzamt erlie\u00df einen Bescheid \u00fcber die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f\u00fcr Zwecke der Grunderwerbsteuer, weil es von einer Anteilsvereinigung im Sinne von \u00a7 1 Abs. 3 Nr. 1 oder Nr. 2 GrEStG ausging. Hiergegen wandte die Kl\u00e4gerin ein, dass die Zusammenlegung von Kirchengemeinden als grundrechtlich gesch\u00fctzter Bereich des Selbstbestimmungsrechts von Religionsgemeinschaften kein grunderwerbsteuerbares Rechtsgesch\u00e4ft darstellen k\u00f6nne. Hilfsweise sei der Vorgang steuerfrei.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Urteil vom 7. Juni 2017 (Az. 8 K 3992\/14 GrE) wies der 8. Senat des Finanzgericht M\u00fcnster die Klage ab. Dieses Urteil sowie den angefochtenen Feststellungsbescheid hob der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 4. M\u00e4rz 2020 (Az. II R 35\/17) auf, weil das Finanzamt die Feststellung auf einen falschen Stichtag durchgef\u00fchrt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gegen die auf den richtigen Stichtag durchgef\u00fchrte Feststellung erhobene Klage hat der Senat wiederum abgewiesen. Die Zusammenlegung der Kirchengemeinden f\u00fchre zu einer Anteilsvereinigung nach \u00a7 1 Abs. 3 Nr. 2 GrEStG, da hierdurch mindestens 95 % der GmbH-Anteile in der Hand einer Gesellschafterin vereinigt w\u00fcrden. Dass der Vorgang auf einem bisch\u00f6flichen Dekret beruhe, sei unerheblich, da es sich um einen zivilrechtlich wirksamen Rechts\u00fcbergang handele. Eine einschr\u00e4nkende Auslegung der Norm sei verfassungsrechtlich nicht geboten, da die Grunderwerbsteuer als Rechtsverkehrsteuer unabh\u00e4ngig von Aspekten der Gemeinn\u00fctzigkeit und der Gemeinwohlorientierung allein an einen Rechtstr\u00e4gerwechsel ankn\u00fcpfe. Auch kirchliche Rechtstr\u00e4ger, die staatlich anerkannt werden, unterl\u00e4gen den staatlichen Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorgang sei auch nicht steuerfrei. Zun\u00e4chst liege keine freigebige Zuwendung im Sinne von \u00a7 3 Nr. 2 GrEStG vor. Die aufgel\u00f6sten Kirchengemeinden h\u00e4tten der Kl\u00e4gerin nichts zugewandt; vielmehr sei ihr Verm\u00f6gen nach kanonischem Recht auf die Kl\u00e4gerin \u00fcbergegangen. Auch die Befreiungsvorschrift des \u00a7 4 Nr. 1 GrEStG f\u00fcr Grundst\u00fccks\u00fcbertragungen zwischen juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts aus Anlass des \u00dcbergangs \u00f6ffentlich-rechtlicher Aufgaben sei nicht einschl\u00e4gig, denn \u00a7 1 Abs. 3 Nr. 2 GrEStG fingiere einen Grundst\u00fccks\u00fcbergang auf die Kl\u00e4gerin von der GmbH und damit von einer zivilrechtlichen K\u00f6rperschaft. Die Befreiungsvorschriften \u00a7\u00a7 4 Nr. 4 und 6a GrEStG seien zum ma\u00dfgeblichen Stichtag noch nicht anwendbar gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Senat hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 15.07.2021 zum Urteil 8 K 364\/21 GrE vom 17.06.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 8. 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