{"id":64179,"date":"2021-09-04T13:16:10","date_gmt":"2021-09-04T11:16:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=64179"},"modified":"2021-09-04T13:16:10","modified_gmt":"2021-09-04T11:16:10","slug":"50-jahre-bafoeg-weniger-gefoerderte-personen-foerderbetraege-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/50-jahre-bafoeg-weniger-gefoerderte-personen-foerderbetraege-steigen\/","title":{"rendered":"50 Jahre BAf\u00f6G: Weniger gef\u00f6rderte Personen, F\u00f6rderbetr\u00e4ge steigen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Seit der Deutschen Vereinigung haben fast 23 Millionen Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fcler und Studierende eine Ausbildungsf\u00f6rderung nach dem Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz (BAf\u00f6G) erhalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) 50 Jahre nach der Einf\u00fchrung des BAf\u00f6G am 1. September 1971 mitteilt, ging die Zahl der gef\u00f6rderten Personen nach einem H\u00f6chststand im Jahr 2012 in den vergangenen Jahren zur\u00fcck: Mit 639.000 wurden im vergangenen Jahr gut ein Viertel (27 %) weniger gef\u00f6rdert als nach der Deutschen Vereinigung im Jahr 1991 (873.000). Die Zahl der gef\u00f6rderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lag mit 174.000 auf dem niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre \u2013 ein Minus von 35 % gegen\u00fcber 1991. Die Zahl der gef\u00f6rderten Studierenden ging in demselben Zeitraum um 23 % zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass weniger Menschen eine F\u00f6rderung erhalten haben, l\u00e4sst sich nicht durch niedrigere Sch\u00fcler- oder Studierendenzahlen erkl\u00e4ren. Tats\u00e4chlich stieg die Zahl der Studierenden binnen 30 Jahren um knapp 71 %: Von 1,7 Millionen Studierenden im Wintersemester 1990\/1991 auf 2,9 Millionen im Wintersemester 2020\/2021. Die Zahl der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nahm im selben Zeitraum um 6 % leicht ab: von 11,6 Millionen im Schuljahr 91\/92 auf 10,9 Millionen im Schuljahr 2019\/20. Im Absinken der Zahl der Gef\u00f6rderten spiegelt sich unter anderem ein ver\u00e4nderter Kreis von Anspruchsberechtigten wieder. Dies w\u00fcrde auch den markanten Anstieg von Vollgef\u00f6rderten erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-anteil-der-vollgef-rderten-seit-1991-deutlich-gestiegen\">Anteil der Vollgef\u00f6rderten seit 1991 deutlich gestiegen<\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz niedrigeren Gef\u00f6rdertenzahlen sind die Ausgaben f\u00fcr BAf\u00f6G-Leistungen gestiegen: um 44 % gegen\u00fcber 1991 auf zuletzt knapp 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein Grund daf\u00fcr ist der wachsende Anteil jener Gef\u00f6rderten, die Anspruch auf den maximalen F\u00f6rderbetrag haben. Machten sie 1991 noch 38 % aus, waren es im vergangenen Jahr 51 %. Im selben Zeitraum stieg der durchschnittliche monatliche F\u00f6rderungsbetrag um 104 %: Erhielten BAf\u00f6G-Empf\u00e4ngerinnen und -Empf\u00e4nger 1991 noch 273 Euro monatlich, waren es 2020 mit 556 Euro mehr als doppelt so viel \u2013 ein H\u00f6chststand. Die H\u00f6he des F\u00f6rderbetrags h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom eigenen Einkommen sowie dem der Eltern, der Unterbringung (bei den Eltern oder ausw\u00e4rts) oder der Ausbildungsst\u00e4tte (weiterf\u00fchrende Schule, berufliche Schule oder Hochschule). Die H\u00f6he der Bedarfss\u00e4tze lag im Jahr 2020 zwischen 694 Euro f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und 861 Euro f\u00fcr Studierende an Hochschulen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"mehr-als-36-millionen-empf%c3%a4ngerinnen-und-empf%c3%a4nger\">Mehr als 36 Millionen Empf\u00e4ngerinnen und Empf\u00e4nger<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz (BAf\u00f6G) wurde am 1. September 1971 eingef\u00fchrt, um jene jungen Menschen in Ausbildung zu unterst\u00fctzen, deren Eltern nicht in der Lage sind, eine schulische Berufsausbildung oder ein Studium zu finanzieren. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 1975 wurden bisher gut 36 Millionen Personen durch das BAf\u00f6G gef\u00f6rdert, davon waren knapp zwei Drittel Studierende. Die gesamte F\u00f6rdersumme belief sich bis einschlie\u00dflich 2020 auf 89,7 Milliarden Euro. Das BAf\u00f6G wurde insgesamt 26-mal ge\u00e4ndert, allein 13-mal seit der Deutschen Vereinigung. Dadurch hat sich nicht nur der Kreis der F\u00f6rderberechtigten immer wieder ver\u00e4ndert, auch die Bedarfss\u00e4tze wurden angepasst. Nach \u00a7 35 BAf\u00f6G m\u00fcssen die Bedarfss\u00e4tze und Freibetr\u00e4ge alle zwei Jahre \u00fcberpr\u00fcft und gegebenenfalls neu festgesetzt werden. Eine Erh\u00f6hung der durchschnittlichen F\u00f6rderbetr\u00e4ge war die Folge. 1975 wurden den Gef\u00f6rderten im Schnitt noch umgerechnet 167 Euro monatlich ausgezahlt.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"anteil-der-arbeiterkinder-zuletzt-verh%c3%a4ltnism%c3%a4%c3%9fig-hoch\">Anteil der Arbeiterkinder zuletzt verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch<\/h2>\n\n\n\n<p>Ziel des BAf\u00f6G ist es, Bildungsteilhabe unabh\u00e4ngig vom Bildungsgrad der Eltern zu erm\u00f6glichen. Betrachtet man beispielsweise den beruflichen Status des Vaters, der gerade in fr\u00fcheren Jahrzehnten h\u00e4ufiger berufst\u00e4tig war als die Mutter, ergibt sich folgendes Bild: Im Jahr 1980 gaben 42 % Gef\u00f6rderten, deren Vater berufst\u00e4tig war, an, dieser sei als Arbeiter t\u00e4tig. Das war die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Gruppe, gefolgt von denjenigen, deren Vater sich im Angestelltenverh\u00e4ltnis befand (23 %). \u00dcber die Jahrzehnte haben sich die Anteile etwas verschoben: Im vergangenen Jahr war bei 38 % der Gef\u00f6rderten mit berufst\u00e4tigem Vater dieser als Arbeiter besch\u00e4ftigt; etwas mehr (40 %) gaben an, ihr Vater sei Angestellter. Der Anteil der Selbstst\u00e4ndigen blieb nahezu unver\u00e4ndert. Diese Entwicklung spiegelt den gesamtgesellschaftlichen Wandel nur teilweise wider: 1980 gab noch rund die H\u00e4lfte (49 %) aller berufst\u00e4tigen M\u00e4nner an, als Arbeiter t\u00e4tig zu sein (Angestellte: 28 %). Im Jahr 2019 waren es nur noch 26 % (Angestellte: 54 %).<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"frauenanteil-deutlich-gestiegen\">Frauenanteil deutlich gestiegen<\/h2>\n\n\n\n<p>Erkl\u00e4rtes Ziel des BAf\u00f6G war es auch, die Chancengleichheit der Bildungsteilhabe bei M\u00e4dchen und jungen Frauen zu erh\u00f6hen. Im Jahr 1980, als erstmals das Geschlecht der Gef\u00f6rderten ausgewiesen wurde, war fast die H\u00e4lfte (48 %) der BAf\u00f6G-Empf\u00e4ngerinnen und -Empf\u00e4nger weiblich. Der Frauenanteil ist seither weiter gestiegen: auf 55 % im Jahr 2000 und 58 % im vergangenen Jahr.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"ein-drittel-der-studierenden-bestritt-lebensunterhalt-2019-%c3%bcberwiegend-aus-erwerbst%c3%a4tigkeit\">Ein Drittel der Studierenden bestritt Lebensunterhalt 2019 \u00fcberwiegend aus Erwerbst\u00e4tigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Studierenden bestreitet seinen \u00fcberwiegenden Lebensunterhalt nicht mit der BAf\u00f6G-F\u00f6rderung, sondern mit der Unterst\u00fctzung von Angeh\u00f6rigen sowie aus eigener Erwerbst\u00e4tigkeit \u2013 daran hat sich in den drei Jahrzenten seit der Deutschen Vereinigung nichts ge\u00e4ndert. Allerdings haben sich die Anteile deutlich verschoben, besonders die eigene Erwerbst\u00e4tigkeit hat \u00fcber die Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen: Bestritten im Jahr 1991 nur etwas mehr als 11 % der Studierenden ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit, war es 2019 bereits ein Drittel (knapp 33 %). Im selben Zeitraum ging der Anteil derer, die von Angeh\u00f6rigen, beispielsweise den Eltern, unterst\u00fctzt wurden, zur\u00fcck: von knapp 63 % auf zuletzt gut 53 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur etwa ein Siebtel der Studierenden (knapp 14 %) war f\u00fcr den Lebensunterhalt zuletzt \u00fcberwiegend auf andere Quellen angewiesen, zu denen das BAf\u00f6G, aber auch andere Leistungen oder eigenes Verm\u00f6gen z\u00e4hlen. 1991 traf dieses noch auf gut ein Viertel der Studierenden (knapp 26 %) zu.<\/p>\n\n\n\n<p>In welchem Umfang Studierende auf die finanzielle Unterst\u00fctzung der Familie setzen k\u00f6nnen, h\u00e4ngt vielfach auch vom Bildungshintergrund der Eltern ab. Betrachtet man beispielsweise Studierende, die mit mindestens einem Elternteil unter einem Dach leben, zeigen sich f\u00fcr das Jahr 2019 diesbez\u00fcglich deutliche Unterschiede. Hatte mindestens ein Elternteil einen akademischen Abschluss, lebten 81 % der Studierenden \u00fcberwiegend von der Unterst\u00fctzung der Eltern, 15 % von eigener Erwerbst\u00e4tigkeit und 4 % waren auf andere Quellen angewiesen \u2013 darunter das BAf\u00f6G. Hatte kein Elternteil einen akademischen Abschluss, verschieben sich die Anteile: In dieser Gruppe lebten nur 68 % der Studierenden \u00fcberwiegend von der Unterst\u00fctzung der Eltern, 23 % von eigener Erwerbst\u00e4tigkeit und 9 % nutzten andere Quellen wie BAf\u00f6G-Leistungen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"weiterf%c3%bchrende-links\"><em>Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 31.08.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Deutschen Vereinigung haben fast 23 Millionen Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fcler und Studierende eine Ausbildungsf\u00f6rderung nach dem Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz (BAf\u00f6G) erhalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) 50 Jahre nach der Einf\u00fchrung des BAf\u00f6G am 1. 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