{"id":64418,"date":"2021-09-29T15:58:51","date_gmt":"2021-09-29T13:58:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=64418"},"modified":"2021-09-29T15:58:51","modified_gmt":"2021-09-29T13:58:51","slug":"kein-pflegegeld-bei-laenger-als-28-tage-dauernder-stationaerer-behandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-pflegegeld-bei-laenger-als-28-tage-dauernder-stationaerer-behandlung\/","title":{"rendered":"Kein Pflegegeld bei l\u00e4nger als 28 Tage dauernder station\u00e4rer Behandlung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>F\u00fcr die Dauer einer l\u00e4nger als 28 Tage dauernden station\u00e4ren Behandlung eines behinderten Kindes ist kein Pflegegeld zu gew\u00e4hren. Das hat das Sozialgericht Osnabr\u00fcck in einem Urteil vom 07.09.2021 (Az. S 14 P 16\/19) entschieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin, ein 2008 geborenes M\u00e4dchen, leidet an Trisomie 21, einer Darmerkrankung und einem angeborenen Herzfehler. F\u00fcr sie wurde der Pflegegrad 4 anerkannt, und sie bezog Pflegegeld f\u00fcr die h\u00e4usliche Pflege durch ihre Eltern. Von September 2017 bis August 2018 wurde das M\u00e4dchen in einem Herzzentrum station\u00e4r behandelt. F\u00fcr die ersten 28 Tage des Krankenhausaufenthaltes zahlte die beklagte Pflegeversicherung Pflegegeld, f\u00fcr den Zeitraum dar\u00fcber hinaus nicht. Die Pflegekasse verwies darauf, dass Pflegegeld nur f\u00fcr 28 Tage gezahlt werden, weil danach von Gesetzes wegen das Ruhen angeordnet sei (\u00a7 34 Abs. 2 Satz 2 SGB XI).<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber hat das durch seine Eltern vertretene M\u00e4dchen im Klageverfahren geltend gemacht, wegen der Komplexit\u00e4t seiner Erkrankung und der erwarteten Spenderherzoperation sei eine st\u00e4ndige Pr\u00e4senz der pflegenden Eltern erforderlich gewesen. Die gesetzliche Regelung w\u00fcrdige individuelle Umst\u00e4nde nicht. Faktisch h\u00e4tten seine Eltern die eigentlich dem Krankenhaus obliegende Pflege \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sozialgericht Osnabr\u00fcck hat dagegen die Entscheidung der Pflegekasse best\u00e4tigt, da die Regelung des \u00a7 34 Abs. 2 Satz 2 SGB XI anzuwenden sei: Hiernach wird Pflegegeld nur f\u00fcr vier Wochen eines station\u00e4ren Krankenhausaufenthalts gezahlt; dann ruht der Anspruch. Das Gericht hat darauf hingewiesen, dass nach dem Willen des Gesetzgebers so eine Doppelzahlung vermieden werden soll. Denn ein objektiver Pflegebedarf an h\u00e4uslicher Pflege besteht nicht parallel bei station\u00e4rer Versorgung. W\u00fcrde also \u2013 \u00fcber die vier Wochen hinaus \u2013 w\u00e4hrend des Krankenhausaufenthaltes Pflegegeld gezahlt, k\u00e4me es zumindest finanziell zu einer doppelten Leistung. Individuelle Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigt das Gesetz nicht. Das gilt nach der Ansicht des Gerichts auch dann, wenn wie im zu entscheidenden Fall nachvollziehbar ist, dass eine Pr\u00e4senz der Pflegeperson bei dem Pflegebed\u00fcrftigen notwendig ist. Auch eine Minderj\u00e4hrigkeit, Behinderung des Pflegebed\u00fcrftigen oder ein langer Krankenhausaufenthalt f\u00fchren nicht zu einer anderen Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als die Kl\u00e4gerin ist das Gericht davon ausgegangen, dass auch der Weg einer analogen Rechtsanwendung versperrt ist. Denn durch die ausdr\u00fcckliche Regelung des \u00a7 34 Abs. 2 Satz 2 SGB XI besteht die daf\u00fcr erforderliche Regelungsl\u00fccke gerade nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-hinweis-zur-rechtslage\">Hinweis zur Rechtslage<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Elftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 34 Abs. 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Anspruch auf Leistungen bei h\u00e4uslicher Pflege ruht dar\u00fcber hinaus, soweit im Rahmen des Anspruchs auf h\u00e4usliche Krankenpflege (\u00a7 37 des F\u00fcnften Buches) auch Anspruch auf Leistungen besteht, deren Inhalt den Leistungen nach \u00a7 36 entspricht, sowie f\u00fcr die Dauer des station\u00e4ren Aufenthalts in einer Einrichtung im Sinne des \u00a7 71 Abs. 4, soweit \u00a7 39 nichts Abweichendes bestimmt. Pflegegeld nach \u00a7 37 oder anteiliges Pflegegeld nach \u00a7 38 ist in den ersten vier Wochen einer vollstation\u00e4ren Krankenhausbehandlung, einer h\u00e4uslichen Krankenpflege mit Anspruch auf Leistungen, deren Inhalt den Leistungen nach \u00a7 36 entspricht, oder einer Aufnahme in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen nach \u00a7 107 Absatz 2 des F\u00fcnften Buches weiter zu zahlen; bei Pflegebed\u00fcrftigen, die ihre Pflege durch von ihnen besch\u00e4ftigte besondere Pflegekr\u00e4fte sicherstellen und bei denen \u00a7 63b Absatz 6 Satz 1 des Zw\u00f6lften Buches Anwendung findet, wird das Pflegegeld nach \u00a7 37 oder anteiliges Pflegegeld nach \u00a7 38 auch \u00fcber die ersten vier Wochen hinaus weiter gezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: SG Osnabr\u00fcck, Pressemitteilung vom 28.09.2021 zum Urteil S 14 P 16\/19 vom 07.09.2021 (nrkr)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Dauer einer l\u00e4nger als 28 Tage dauernden station\u00e4ren Behandlung eines behinderten Kindes ist kein Pflegegeld zu gew\u00e4hren. 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