{"id":64553,"date":"2021-10-15T12:10:49","date_gmt":"2021-10-15T10:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=64553"},"modified":"2021-10-15T12:10:49","modified_gmt":"2021-10-15T10:10:49","slug":"homeoffice-staerkt-die-identifikation-mit-dem-unternehmen-wenn-arbeit-und-privatleben-sauber-getrennt-werden-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/homeoffice-staerkt-die-identifikation-mit-dem-unternehmen-wenn-arbeit-und-privatleben-sauber-getrennt-werden-koennen\/","title":{"rendered":"Homeoffice st\u00e4rkt die Identifikation mit dem Unternehmen \u2013 wenn Arbeit und Privatleben sauber getrennt werden k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Besch\u00e4ftigte die M\u00f6glichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, identifizieren sie sich st\u00e4rker mit ihrem Unternehmen. Das gilt besonders f\u00fcr diejenigen, die Arbeit und Freizeit gut auseinanderhalten k\u00f6nnen. Damit das gelingt, ist Fairness im Verh\u00e4ltnis zum Vorgesetzten wichtig. Umgekehrt sinkt die Bereitschaft, sich f\u00fcr den Arbeitgeber zu engagieren, wenn Besch\u00e4ftigte die Erfahrung machen, dass die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem im Homeoffice verschwimmt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Yvonne Lott, Forscherin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, und Prof. Dr. Anja Abendroth von der Universit\u00e4t Bielefeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arbeit im Homeoffice hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Und auch die Forschung besch\u00e4ftigt sich verst\u00e4rkt mit dem Thema, oft mit Blick darauf, welche Besch\u00e4ftigten von zu Hause arbeiten und wie ihre Arbeitsbedingungen sind. Bislang noch kaum beachtet wurde, wie sich die Erfahrungen, die Besch\u00e4ftigte mit Heimarbeit machen, auf das \u201eCommitment\u201c von Besch\u00e4ftigten auswirkt, also auf emotionale Bindung, Identifikation oder Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, haben Lott und Abendroth Befragungsdaten aus dem Linked Personal Panel des Instituts f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgewertet. Darin abgefragt werden unter anderem Einsch\u00e4tzungen zu Aussagen wie \u201eDieses Unternehmen hat einen bedeutenden pers\u00f6nlichen Wert f\u00fcr mich\u201c oder \u201eIch betrachte die Probleme des Unternehmens als meine eigenen\u201c. Je nach Zustimmung oder Ablehnung l\u00e4sst sich daraus das \u201eCommitment\u201c gegen\u00fcber dem Arbeitgeber ableiten. Die Daten stammen aus der Befragungswelle von 2014\/15. Eine Verzerrung durch Sondereffekte der Coronakrise, als ein gro\u00dfer Teil der Besch\u00e4ftigten zeitweise von zu Hause arbeiten musste, ist damit ausgeschlossen. Die Ergebnisse sind repr\u00e4sentativ f\u00fcr Unternehmen in Deutschland mit mehr als 50 Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knapp 16 Prozent aller Besch\u00e4ftigten haben zum Zeitpunkt der Befragung zumindest zeitweise von zu Hause aus gearbeitet. Der Studie zufolge fiel ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber im Schnitt h\u00f6her aus als bei Besch\u00e4ftigten, die keine M\u00f6glichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten. Allerdings gibt es unter den Besch\u00e4ftigten im Homeoffice gro\u00dfe Unterschiede: Etwa die H\u00e4lfte gibt an, dass sich ihre Work-Life-Balance durch Heimarbeit verbessert. Das wiederum kann sich positiv auf die Motivation auswirken \u2013 und auf die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Die andere H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten im Homeoffice macht eine gegenteilige Erfahrung: F\u00fcr sie verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, etwa weil sie st\u00e4ndig erreichbar sein m\u00fcssen oder weil sie das Gef\u00fchl haben, besonders viel und lange arbeiten zu m\u00fcssen, um zu beweisen, dass sie im h\u00e4uslichen Umfeld produktiv sind. Letztlich kann darunter die Identifikation mit dem Unternehmen leiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob die Besch\u00e4ftigten positive oder negative Erfahrungen im Homeoffice machen, h\u00e4ngt Lott und Abendroth zufolge eng zusammen mit den Arbeitsbeziehungen im Unternehmen. Sind diese von Fairness gepr\u00e4gt, haben Besch\u00e4ftigte seltener das Gef\u00fchl von Entgrenzung. Ein Mangel an Fairness bewirkt das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen m\u00fcssten die Interessen der Besch\u00e4ftigten in Bezug auf Homeoffice st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen, so die Wissenschaftlerinnen. Au\u00dferdem m\u00fcsse ein vertrauensw\u00fcrdiges und faires Verh\u00e4ltnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern gef\u00f6rdert werden. Entscheidend sei, dass beide Seiten von der gewonnenen Flexibilit\u00e4t profitieren. Dies sei auch wichtig, um Arbeitskr\u00e4fte zu halten. Denn: Sinkt die Identifikation mit dem Arbeitgeber, steigt das Risiko einer K\u00fcndigung. \u201eAngesichts der zunehmenden Forderungen der Arbeitnehmer nach Vereinbarkeit, ist zu erwarten, dass mitarbeiterorientierte Flexibilit\u00e4t eine noch wichtigere Rolle spielen wird\u201c, analysiert Lott.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreich f\u00fcr die n\u00f6tige Balance sei es, wenn es im Betrieb einen Betriebs- oder Personalrat gibt, sagt die Forscherin. Das zeigen etwa WSI-Umfragedaten aus den ersten Phasen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr: Befragte, die in mitbestimmten Unternehmen arbeiteten, berichteten deutlich h\u00e4ufiger von klaren Regeln f\u00fcrs Homeoffice. Und Personen mit solchen Regelungen empfanden die Arbeit zu Hause seltener als belastend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 13.10.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Besch\u00e4ftigte die M\u00f6glichkeit haben, im Homeoffice zu arbeiten, identifizieren sie sich st\u00e4rker mit ihrem Unternehmen. Das gilt besonders f\u00fcr diejenigen, die Arbeit und Freizeit gut auseinanderhalten k\u00f6nnen. Damit das gelingt, ist Fairness im Verh\u00e4ltnis zum Vorgesetzten wichtig. 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