{"id":64712,"date":"2021-11-05T16:55:13","date_gmt":"2021-11-05T14:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=64712"},"modified":"2023-08-25T12:16:23","modified_gmt":"2023-08-25T10:16:23","slug":"pandora-papers-steuerberater-unter-generalverdacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/pandora-papers-steuerberater-unter-generalverdacht\/","title":{"rendered":"Pandora Papers: Steuerberater unter Generalverdacht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament zur Entschlie\u00dfung \u00fcber die Pandora Papers f\u00e4llt f\u00fcr den Berufstand ern\u00fcchternd aus. Anstelle eines ausgewogenen Ansatzes zur Verbesserung einer komplexen Gesetzesstruktur stellt die Mehrheit der Europaabgeordneten mit ihren Forderungen den Berufstand unter Generalverdacht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits nach der Debatte im EU-Parlament hatte der Deutsche Steuerberaterverband (DStV e.V.) die Bef\u00fcrchtung ge\u00e4u\u00dfert, dass die vorherrschende Emp\u00f6rung rund um die Enth\u00fcllungen in Zusammenhang mit den sog. Pandora Papers beim Europ\u00e4ischen Gesetzgeber zu \u00dcberreaktionen f\u00fchren k\u00f6nnte. Mit der Verabschiedung der Entschlie\u00dfung in der nachfolgenden Plenarsitzungswoche \u201ePandora Papers: Konsequenzen f\u00fcr die Bem\u00fchungen um die Bek\u00e4mpfung Geldw\u00e4sche, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung\u201c (2021\/2922(RSP) hat das EU-Parlament dann auch einen Forderungskatalog mit insgesamt 90 Punkten zur Geltung verholfen, der getrost als Rundumschlag bezeichnet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei stellen die Parlamentarier etwa \u201emit Bedauern\u201c fest, dass die geleakten \u201e14 professionellen Anbieter von Offshore-Unternehmensdienstleistungen, darunter Anwaltskanzleien, Steuerberater und Verm\u00f6gensverwalter, verm\u00f6genden Privatpersonen bei der Einrichtung von Unternehmensstrukturen unterst\u00fctzten, um ihr Verm\u00f6gen von der \u00d6ffentlichkeit abzuschirmen.\u201c Leider f\u00fchrt das EU-Parlament nicht auf, dass diese Anzahl nach den Ver\u00f6ffentlichungen des <a href=\"https:\/\/www.icij.org\/investigations\/pandora-papers\/global-investigation-tax-havens-offshore\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">International Consortiums of Investigative Journalists (ICIJ)<\/a> weltweit zu sehen und insbesondere Anbieter mit Sitz im Raum Karibik, persischer Golf und s\u00fcdchinesischem Meer umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich weisen die Pandora Papers ausdr\u00fccklich darauf hin, dass die meisten Inhaber der Offshore-Unternehmungen aus Russland, dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Argentinien und China kommen. Allein die Anwaltskanzlei Alcogan mit Sitz in Panama gr\u00fcndete nach den Ver\u00f6ffentlichungen des ICIJ 312 Offshore-Unternehmen auf den Virgin Islands. Mit der US-amerikanischen Anwaltskanzlei Baker McKenzie erw\u00e4hnen die Pandora Papers einen weiteren Global Player in Zusammenhang mit dem Verschieben von fragw\u00fcrdig erworbenem Verm\u00f6gen in \u201eSteuerparadiese\u201c. Der Wahrscheinlichkeitswert, liebe Leserin und lieber Leser, dass Sie dagegen heute schon eine Offshore-Unternehmung im Steuerparadies Ihrer Wahl gegr\u00fcndet haben, d\u00fcrfte dagegen exakt bei null liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem von Geldw\u00e4sche, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung ist global und muss deshalb auch auf globaler Ebene angegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist es nicht hilfreich, wenn der Europ\u00e4ische Gesetzgeber mit dem Finger auf den Berufstand zeigt und einer Entschlie\u00dfung zustimmt, die darauf hinweist, dass \u201edie Selbstverwaltung und \u00dcberwachung [des Berufstands] nicht zur Bek\u00e4mpfung von Geldw\u00e4sche und Steuerhinterziehung tauge\u201c. Genauso wenig ist es hilfreich, ein komplexes Aufsichtssystem einzuf\u00fchren, dessen Funktionsf\u00e4higkeit in konkreten F\u00e4llen schon heute kritisch hinterfragt werden kann. Zudem sollte auch das Berufsgeheimnis der (rechts-) beratenden und pr\u00fcfenden Berufe in Zusammenhang mit Geldw\u00e4sche und Steuerhinterziehung nicht leichtfertig diskreditiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich sorgen die Angeh\u00f6rigen des Berufstands nicht allein als Verpflichtete nach dem Geldw\u00e4schegesetz, sondern insbesondere aufgrund der berufsrechtlich verankerten Compliance-Funktion und einer hochwertigen, pr\u00e4ventiv wirkenden Beratungsleistung daf\u00fcr, dass Steuerhinterziehung und Geldw\u00e4sche unterbunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt gegen den Berufstand zu Felde zu ziehen, w\u00e4re es sinnvoller, wenn die Europ\u00e4ische Union endlich ihren Einfluss geltend macht, um Steueroasen, wie die Virgin Islands oder Panama, wirkungsvoll auszutrocknen. Vor allem sollten die Mitgliedstaaten ihre Beh\u00f6rden, insbesondere die sog. Financial Intelligence Units (FIU), die von den Verpflichteten mit einer enormen Datenf\u00fclle versorgt werden, endlich mit ausreichendem Personal und moderner Technik ausstatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Enth\u00fcllungen offenbarten, dass zahlreiche Politiker in die \u201eStruktur\u201c der Pandora Papers verwickelt waren. Es w\u00e4re jedoch vollkommen verfehlt, wegen weniger schwarzer Schafe eine pauschale Verurteilung von Politkern und Politikerinnen vorzunehmen. Damit w\u00fcrde den in aller Regel hart arbeitenden, ehrlichen und \u00fcberzeugten Mitgliedern der Gesetzgebungsgremien gro\u00dfes Unrecht zugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieselbe Differenzierung muss aber auch der Berufsstand f\u00fcr sich in Anspruch nehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Qu<em>elle: DStV, Mitteilung vom 02.11.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament zur Entschlie\u00dfung \u00fcber die Pandora Papers f\u00e4llt f\u00fcr den Berufstand ern\u00fcchternd aus. Anstelle eines ausgewogenen Ansatzes zur Verbesserung einer komplexen Gesetzesstruktur stellt die Mehrheit der Europaabgeordneten mit ihren Forderungen den Berufstand unter Generalverdacht. 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