{"id":65287,"date":"2021-12-01T12:01:43","date_gmt":"2021-12-01T10:01:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=65287"},"modified":"2021-12-01T12:01:43","modified_gmt":"2021-12-01T10:01:43","slug":"lkw-maut-verstoesst-teilweise-gegen-unionsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/lkw-maut-verstoesst-teilweise-gegen-unionsrecht\/","title":{"rendered":"Lkw-Maut verst\u00f6\u00dft teilweise gegen Unionsrecht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Erhebung der Lkw-Maut war in den Jahren 2010 und 2011 teilweise unionsrechtswidrig, weil bei der Berechnung der Mauts\u00e4tze die Kapitalkosten der Autobahngrundst\u00fccke fehlerhaft kalkuliert worden sind. Das hat das Oberverwaltungsgericht am 30. November 2021 entschieden und die Bundesrepublik Deutschland zu einer teilweisen R\u00fcckerstattung von Mautgeb\u00fchren an die Kl\u00e4ger verpflichtet (Az. 9 A 118\/16).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4ger, die ein Speditionsunternehmen mit Sitz in Polen betrieben, verlangten die R\u00fcckerstattung der im Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 18. Juli 2011 gezahlten Lkw-Maut in H\u00f6he von rund 12.000 Euro. Das Verwaltungsgericht K\u00f6ln hatte die Klage ab\u00adgewiesen. Auf Vorlage des Oberverwaltungsgerichts (vgl. <a href=\"https:\/\/www.ovg.nrw.de\/behoerde\/presse\/pressemitteilungen\/01_archiv\/2019\/12_190328\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pressemitteilung vom 28. M\u00e4rz 2019<\/a>) hatte der EuGH am 28. Oktober 2020 entschieden, dass nach der EU-Wege\u00adkostenrichtlinie die Kosten f\u00fcr die Verkehrspolizei bei der Kalkulation der Lkw-Maut nicht ber\u00fccksichtigt werden d\u00fcrfen. Dies war nicht mehr Gegenstand des heutigen Urteils, nachdem die Bundesrepublik den Kl\u00e4gern insoweit die Mautgeb\u00fchren (rund 424 Euro) zwischenzeitlich erstattet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Oberverwaltungsgericht hat die Bundesrepublik verpflichtet, den Kl\u00e4gern weitere 565 Euro an Mautgeb\u00fchren zu erstatten. Au\u00dferdem m\u00fcssen beide R\u00fcckerstattungsbetr\u00e4ge f\u00fcr die Zeit ab Zahlung der Maut bis zum Tag der Erstattung verzinst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Begr\u00fcndung des Urteils hat die Vorsitzende des 9. Senats ausgef\u00fchrt: Die Mautgeb\u00fchren d\u00fcrfen nach den Vorgaben der EU-Wegekostenrichtlinie die Infrastrukturkosten nicht \u00fcberschreiten. Damit ist es nicht vereinbar, wenn bei den Kapitalkosten der Autobahngrundst\u00fccke statt mit ihrem Anschaffungswert mit ihrem aktuellen Wiederbeschaffungswert kalkuliert wird. Anders als andere Anlageg\u00fcter erleiden Grundst\u00fccke keinen Substanzverlust und m\u00fcssen nicht nach einer gewissen Zeit erneut beschafft werden. Die per Gesetz festgelegten Mauts\u00e4tze beruhen damit insoweit auf einer fehlerhaften Kalkulation, mit der den Mautzahlern Kosten angelastet werden, die \u00fcber die Infrastrukturkosten hinausgehen. Den weiteren unionsrechtlichen und verfassungsrechtlichen R\u00fcgen der Kl\u00e4ger in dem als Musterklage geltenden Mauterstattungsverfahren ist der Senat hingegen nicht gefolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Senat hat die Revision nicht zugelassen. Dagegen ist Nichtzulassungsbeschwerde m\u00f6glich, \u00fcber die das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: OVG Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 30.11.2021 zum Urteil 9 A 118\/16 vom 30.11.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erhebung der Lkw-Maut war in den Jahren 2010 und 2011 teilweise unionsrechtswidrig, weil bei der Berechnung der Mauts\u00e4tze die Kapitalkosten der Autobahngrundst\u00fccke fehlerhaft kalkuliert worden sind. Das hat das Oberverwaltungsgericht am 30. November 2021 entschieden und die Bundesrepublik Deutschland zu einer teilweisen R\u00fcckerstattung von Mautgeb\u00fchren an die Kl\u00e4ger verpflichtet (Az. 9 A 118\/16). 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