{"id":65487,"date":"2021-12-18T12:43:26","date_gmt":"2021-12-18T10:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=65487"},"modified":"2021-12-18T12:43:26","modified_gmt":"2021-12-18T10:43:26","slug":"bfh-kein-verfassungswidriges-vollzugsdefizit-bei-der-besteuerung-von-bargeldintensiven-betrieben-im-jahr-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-kein-verfassungswidriges-vollzugsdefizit-bei-der-besteuerung-von-bargeldintensiven-betrieben-im-jahr-2015\/","title":{"rendered":"BFH: Kein verfassungswidriges Vollzugsdefizit bei der Besteuerung von bargeldintensiven Betrieben im Jahr 2015"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mit Urteil vom 16.09.2021 \u2013 IV R 34\/18 \u2013 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass im Jahr 2015 hinsichtlich der Erfassung von Bareinnahmen auch bei sog. bargeldintensiven Betrieben mit offener Ladenkasse kein dem Gesetzgeber zuzurechnendes strukturelles Vollzugsdefizit bestand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geklagt hatte ein Gastronom, der zur Ermittlung der zutreffenden Besteuerungsgrundlagen in seinen Gastst\u00e4tten elektronische Registrierkassen einsetzt. Mit seiner Klage begehrte er die Feststellung, dass die fehlende gesetzliche Verpflichtung zur F\u00fchrung einer elektronischen Kasse ein strukturelles, dem Gesetzgeber zuzurechnendes Vollzugsdefizit verursache und deshalb verfassungswidrig sei. Bei offenen Ladenkassen, wie sie gerade im Bereich der Gastronomie h\u00e4ufig eingesetzt w\u00fcrden, habe die Finanzbeh\u00f6rde keine nennenswerten M\u00f6glichkeiten, den angegebenen Umsatz auf seinen Wahrheitsgehalt zu \u00fcberpr\u00fcfen. Jedenfalls blieben die Pr\u00fcfungsm\u00f6glichkeiten weit hinter dem zur\u00fcck, was bei Registrierkassen m\u00f6glich sei. Dadurch werde eine gleichm\u00e4\u00dfige Steuerfestsetzung bei allen Marktteilnehmern ausgeschlossen und er, der bereits elektronische Registrierkassen einsetze, werde in seinem Recht auf Gleichbehandlung verletzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Klage und Revision blieben erfolglos. Nach Auffassung des BFH bestanden im Jahr 2015 zwar offensichtliche Probleme bei der Erhebung und Verifikation von Besteuerungsgrundlagen im Bereich der bargeldintensiven Gesch\u00e4ftsbetriebe wie z. B. der Gastronomie. Diese f\u00fchrten aber nicht zu einem strukturellen, dem Gesetzgeber zuzurechnenden Erhebungsmangel, der zur Verfassungswidrigkeit der Besteuerung f\u00fchren k\u00f6nnte. Vielmehr bestand auch f\u00fcr solche Betriebe im Jahr 2015 eine Rechtslage, die auf die Durchsetzung der geltenden Steuergesetze abzielte. Auch f\u00fcr Betreiber einer offenen Ladenkasse bestand ein Entdeckungsrisiko bei Manipulationen. Die geltenden Erhebungsregeln waren jedenfalls nicht derart ineffektiv, dass ein Unterlassen weiterer Regelungen bez\u00fcglich der Besteuerung von Betrieben mit offener Ladenkasse im Bereich der Gastronomie dem Gesetzgeber als strukturelles Vollzugsdefizit angelastet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 43\/21 vom 16.12.2021 zum Urteil IV R 34\/18 vom 16.09.2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 16.09.2021 \u2013 IV R 34\/18 \u2013 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass im Jahr 2015 hinsichtlich der Erfassung von Bareinnahmen auch bei sog. bargeldintensiven Betrieben mit offener Ladenkasse kein dem Gesetzgeber zuzurechnendes strukturelles Vollzugsdefizit bestand. Geklagt hatte ein Gastronom, der zur Ermittlung der zutreffenden Besteuerungsgrundlagen in seinen Gastst\u00e4tten elektronische Registrierkassen einsetzt. 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