{"id":65805,"date":"2022-01-30T18:22:49","date_gmt":"2022-01-30T16:22:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=65805"},"modified":"2022-01-30T18:23:10","modified_gmt":"2022-01-30T16:23:10","slug":"familien-und-paare-mit-mittlerem-einkommen-derzeit-am-staerksten-betroffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/familien-und-paare-mit-mittlerem-einkommen-derzeit-am-staerksten-betroffen\/","title":{"rendered":"Inflation: Familien und Paare mit mittlerem Einkommen derzeit am st\u00e4rksten betroffen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Familien mit Kindern und mittlerem Einkommen sowie kinderlose Paare mit mittlerem Einkommen tragen aktuell die h\u00f6chste Inflationsbelastung: Gemessen an einem f\u00fcr diese Haushaltstypen repr\u00e4sentativen Warenkorb sind die Preise im Dezember 2021 um 5,5 Prozent gestiegen. Dagegen wiesen Alleinstehende mit niedrigem Einkommen die im Vergleich geringste haushaltsspezifische Teuerungsrate mit 4,4 Prozent auf. Auch f\u00fcr Singles mit hohen und mittleren Einkommen lagen die Raten mit 4,7 bzw. 5,0 Prozent im Dezember etwas unter der allgemeinen Preissteigerung von 5,3 Prozent. Bei Familienhaushalten mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen waren es 5,3, bei Familien mit h\u00f6herem Einkommen 5,4 Prozent. Schaut man auf die Inflationsraten f\u00fcr das gesamte Jahr 2021, zeigt sich ein \u00e4hnliches Muster auf deutlich niedrigerem Niveau: W\u00e4hrend im deutschen Durchschnitt der Verbraucherpreisindex um 3,1 Prozent stieg, reichten die haushaltsspezifischen Raten von 2,6 Prozent bei Singles mit niedrigem Einkommen bis zu jeweils 3,3 Prozent bei Familien mit zwei Kindern und niedrigem beziehungsweise mittlerem Einkommen. Das ergibt der IMK Inflationsmonitor des Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Die neue Auswertung liefert k\u00fcnftig monatlich die spezifischen Teuerungsraten f\u00fcr acht repr\u00e4sentative Haushaltstypen, die sich nach Personenzahl und Einkommen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn den vergangenen Monaten ist die Inflation hochgeschnellt. Viele aktuell preistreibende Faktoren beruhen dabei auf Corona-bedingten Sondereffekten, wie auch die Preisentwicklung f\u00fcr das Jahr 2021 insgesamt zeigt, die mit 3,1 Prozent deutlich niedriger ist als die Monatszahlen zum Jahresende. Wir rechnen damit, dass sich die Inflation im laufenden Jahr wieder sp\u00fcrbar abschw\u00e4cht. Trotzdem belastet die Teuerung die Haushalte in Deutschland. Und grunds\u00e4tzlich haben Haushalte mit niedrigem Einkommen ein besonderes Problem, weil sie vor allem unverzichtbare Alltagsg\u00fcter kaufen und kaum Spielr\u00e4ume besitzen, ihr Konsumniveau durch R\u00fcckgriff auf Erspartes aufrecht zu erhalten\u201c, sagt Dr. Silke Tober. Die IMK-Expertin f\u00fcr Geldpolitik hat den monatlichen Monitor konzipiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts ermittelt Tober die f\u00fcr unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster. So l\u00e4sst sich gewichten, wer f\u00fcr zahlreiche verschiedene G\u00fcter und Dienstleistungen \u2013 von Lebensmitteln \u00fcber Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen \u2013 wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im neuen IMK Inflationsmonitor werden acht repr\u00e4sentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2.000-2.600 Euro), mittlerem (3.600-5.000 Euro), h\u00f6herem (mehr als 5.000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1.500-2.000 Euro), h\u00f6herem (2.000-2.600 Euro) und hohem (mehr als 5.000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3.600 und 5.000 Euro monatlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGrob zusammengefasst l\u00e4sst sich schlussfolgern, dass die Inflation gegenw\u00e4rtig nicht \u00fcberproportional Haushalte mit geringeren Einkommen trifft\u201c, fasst Tober das aktuell beobachtete Muster zusammen. Allerdings erweist sich etwa die vergleichsweise niedrigere Inflationsrate bei Alleinstehenden mit geringem Einkommen als zweischneidig \u2013 auch \u00fcber das Problem fehlender R\u00fccklagen hinaus. Denn diese Haushalte sind stark von den erheblichen Preisanstiegen bei Lebensmitteln und insbesondere Haushaltsenergie betroffen \u2013 G\u00fcter des Grundbedarfs, deren Konsum sie kaum reduzieren k\u00f6nnen. Dass ihre haushaltsspezifische Inflation derzeit unterdurchschnittlich ausf\u00e4llt, liegt vor allem schlicht daran, dass sie sich andere Waren und Dienstleistungen, deren Preise ebenfalls stark zugelegt haben, ohnehin nicht leisten k\u00f6nnen. Das gilt vor allem f\u00fcr Benzin und andere Ausgaben f\u00fcrs Auto sowie beispielsweise f\u00fcr Reisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Familien mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen, die mit 5,3 Prozent im Dezember eine durchschnittliche Monatsrate aufweisen, spielen die deutlich gestiegenen Preise f\u00fcr Lebensmittel, Heizung und Strom ebenfalls eine wichtige Rolle f\u00fcr die haushaltsspezifische Preisentwicklung. Zudem schlagen in ihrem Fall auch die im Vorjahresvergleich stark erh\u00f6hten Kraftstoffpreise zu Buche. Das gilt in noch etwas h\u00f6herem Ma\u00dfe f\u00fcr Haushalte mit Kindern und mittlerem sowie f\u00fcr Paare mit mittlerem Einkommen, weshalb die beiden letztgenannten Gruppen aktuell mit jeweils 5,5, Prozent die h\u00f6chste Inflationsbelastung tragen. Dagegen spielen solche allt\u00e4glichen G\u00fcter im Gesamt-Warenkorb von Alleinstehenden mit sehr hohen Einkommen eine etwas kleinere Rolle. Daher ist ihre haushaltsspezifische Inflationsrate mit 4,7 Prozent im Dezember unterdurchschnittlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche hohe Bedeutung aktuell insbesondere die Preise f\u00fcr Heiz\u00f6l und Auto-Kraftstoffe haben, verdeutlicht Tober am Beispiel dreier Paarhaushalte mit mittlerem Einkommen. Heizt eines dieser Paare mit \u00d6l und f\u00e4hrt ein Auto mit Verbrennermotor, liegt seine Inflationsrate bei 5,9 statt 5,5 Prozent. Dagegen hat Paar 2 eine Haushalts-Teuerungsrate von 5,2 Prozent, weil es mit Gas heizt. F\u00fcr Paar 3, das Gasheizung hat und auch noch statt des Autos \u00f6ffentliche Verkehrsmittel nutzt, stiegen die Preise im Dezember um 3,8 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn das IMK in diesem Jahr einen weiteren deutlichen Anstieg der Energiepreise eher f\u00fcr unwahrscheinlich h\u00e4lt, r\u00e4t Inflationsexpertin Tober der Politik, die Entwicklung genau im Blick zu behalten und \u00fcber Hilfen f\u00fcr Haushalte mit niedrigen Einkommen nachzudenken: \u201eGerade f\u00fcr Menschen mit geringem Einkommen stellen die aktuell hohen Energiepreise eine gro\u00dfe Belastung dar. Das gilt selbst f\u00fcr Menschen in der Hartz-IV-Grundsicherung, da hier zwar die \u00fcblichen Heizkosten, nicht aber die Stromkosten vom Staat \u00fcbernommen werden\u201c, sagt die \u00d6konomin. \u201eEin Zuschuss f\u00fcr Geringverdienende, insbesondere jene mit Kindern, ist daher in der aktuellen Situation eine sinnvolle verteilungspolitische Ma\u00dfnahme.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 21.01.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Familien mit Kindern und mittlerem Einkommen sowie kinderlose Paare mit mittlerem Einkommen tragen aktuell die h\u00f6chste Inflationsbelastung: Gemessen an einem f\u00fcr diese Haushaltstypen repr\u00e4sentativen Warenkorb sind die Preise im Dezember 2021 um 5,5 Prozent gestiegen. Dagegen wiesen Alleinstehende mit niedrigem Einkommen die im Vergleich geringste haushaltsspezifische Teuerungsrate mit 4,4 Prozent auf. 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