{"id":66230,"date":"2022-03-19T17:33:23","date_gmt":"2022-03-19T15:33:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=66230"},"modified":"2022-03-19T17:33:23","modified_gmt":"2022-03-19T15:33:23","slug":"kuerzere-restnutzungsdauer-eines-gebaeudes-kann-durch-wertgutachten-nachgewiesen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kuerzere-restnutzungsdauer-eines-gebaeudes-kann-durch-wertgutachten-nachgewiesen-werden\/","title":{"rendered":"K\u00fcrzere Restnutzungsdauer eines Geb\u00e4udes kann durch Wertgutachten nachgewiesen werden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wird im Rahmen eines Wertgutachtens die Restnutzungsdauer eines Geb\u00e4udes nach der Wertermittlungsverordnung bestimmt, kann diese der Berechnung des AfA-Satzes zugrunde gelegt werden. Dies hat der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster mit Urteil vom 27. Januar 2022 (Az. 1 K 1741\/18 E) entschieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger erwarb im Jahr 2011 im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahrens ein Grundst\u00fcck mit einem im Jahr 1955 errichteten Geb\u00e4ude, das er seitdem zur Erzielung von Mieteink\u00fcnften nutzte. Das Amtsgericht hatte im Zwangsversteigerungsverfahren ein Sachverst\u00e4ndigengutachten zur Ermittlung des Grundst\u00fcckswerts auf den Stichtag 17. Mai 2010 in Auftrag gegeben. Der \u00f6ffentlich bestellte und vereidigte Sachverst\u00e4ndige machte in seinem Gutachten u. a. Angaben zum Modernisierungsstand und zu erforderlichen Instandsetzungsarbeiten und kam danach zu einem fiktiven Baujahr von 1960 und zu einer Restnutzungsdauer des Geb\u00e4udes von 30 Jahren. Dem Gutachten legte er die Regelungen der zum Stichtag g\u00fcltigen Wertermittlungsverordnung (WertV) zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger machte in seinen Einkommensteuererkl\u00e4rungen f\u00fcr die Streitjahre 2012 bis 2016 eine j\u00e4hrliche AfA des Geb\u00e4udes von 3,33 % als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung geltend. Das Finanzamt ber\u00fccksichtigte demgegen\u00fcber lediglich einen AfA-Satz von 2 %, da das Gutachten weder eine k\u00fcrzere technische Nutzungsdauer durch Darlegung eines materiellen Verschlei\u00dfes der Rohbauelemente noch eine k\u00fcrzere wirtschaftliche Nutzungsdauer im steuerrechtlichen Sinne belege. Die Ermittlung der Restnutzungsdauer im Sinne der WertV sei auf die steuerrechtliche Restnutzungsdauer nicht \u00fcbertragbar, da sie nicht im Zusammenhang mit der gesetzlichen Typisierung der AfA-Regelung stehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat der Klage in Bezug auf den AfA-Satz stattgegeben. Grunds\u00e4tzlich sei ein Geb\u00e4ude zwar nach festen AfA-S\u00e4tzen (im Streitfall 2 % pro Jahr) abzuschreiben. Bei einer tats\u00e4chlich k\u00fcrzeren Nutzungsdauer des Geb\u00e4udes als 50 Jahre k\u00f6nne aber nach Wahl des Steuerpflichtigen von entsprechend h\u00f6heren S\u00e4tzen ausgegangen werden. Nach der BFH-Rechtsprechung (Urteil vom 28. Juli 2021 IX R 25\/19) k\u00f6nne sich der Steuerpflichtige jeder Darlegungsmethode bedienen, die im Einzelfall zur F\u00fchrung des erforderlichen Nachweises geeignet erscheine. Entgegen der Auffassung des Finanzamts sei hierf\u00fcr kein Bausubstanzgutachten erforderlich. Da f\u00fcr die Sch\u00e4tzung einer k\u00fcrzeren Restnutzungsdauer keine Gewissheit, sondern allenfalls eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wahrscheinlichkeit erforderlich sei, k\u00f6nne die Sch\u00e4tzung des Steuerpflichtigen vielmehr nur dann verworfen werden, wenn sie eindeutig au\u00dferhalb eines angemessenen Sch\u00e4tzungsrahmens liege.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des Senats habe der Sachverst\u00e4ndige aufgrund sachlicher Kriterien eine von der gesetzlichen Typisierung abweichende geringere Restnutzungsdauer von 30 Jahren ermittelt. Er habe fundierte Ausf\u00fchrungen zu den erforderlichen Instandsetzungsarbeiten und zum Zustand des Geb\u00e4udes gemacht. Die modellhafte Ermittlung der Restnutzungsdauer von 30 Jahren anhand der WertV sei f\u00fcr das Gericht nachvollziehbar und liege jedenfalls nicht (erheblich) au\u00dferhalb des zul\u00e4ssigen Sch\u00e4tzungsrahmens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 15.03.2022 zum Urteil 1 K 1741\/18 E vom 27.01.2022 (rkr)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird im Rahmen eines Wertgutachtens die Restnutzungsdauer eines Geb\u00e4udes nach der Wertermittlungsverordnung bestimmt, kann diese der Berechnung des AfA-Satzes zugrunde gelegt werden. Dies hat der 1. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster mit Urteil vom 27. Januar 2022 (Az. 1 K 1741\/18 E) entschieden. 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