{"id":66312,"date":"2022-03-19T18:28:24","date_gmt":"2022-03-19T16:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=66312"},"modified":"2022-03-19T18:28:24","modified_gmt":"2022-03-19T16:28:24","slug":"auf-dem-weg-aus-der-corona-krise-deutsche-und-europaeische-wirtschaft-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/auf-dem-weg-aus-der-corona-krise-deutsche-und-europaeische-wirtschaft-im-vergleich\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg aus der Corona-Krise: Deutsche und europ\u00e4ische Wirtschaft im Vergleich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland bei Privaten Konsumausgaben, Bruttowertsch\u00f6pfung im Verarbeitenden Gewerbe und Erwerbst\u00e4tigkeit noch deutlicher unter Vorkrisenniveau als EU-Durchschnitt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die andauernde Corona-Pandemie und die damit verbundenen Liefer- und Materialengp\u00e4sse haben sich auf die deutsche Wirtschaft st\u00e4rker ausgewirkt als auf die wirtschaftliche Entwicklung der meisten anderen Mitgliedstaaten in der Europ\u00e4ischen Union (EU). Das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) f\u00fcr Deutschland war im 4. Quartal 2021 noch 1,1 % niedriger als im 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise. Dagegen hatte die Wirtschaftsleistung in 20 anderen Mitgliedstaaten der EU zum Jahresende 2021 bereits ihr jeweiliges Vorkrisenniveau erreicht oder \u00fcbertroffen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine bilden die Daten nicht ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie vierte Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft zum Jahresende vergleichsweise deutlich ausgebremst\u201c, sagt Dr. Georg Thiel, Pr\u00e4sident des Statistischen Bundesamtes, \u201edas zeigt der Vorkrisenvergleich im europ\u00e4ischen Kontext vor allem bei den privaten Konsumausgaben und in der Bruttowertsch\u00f6pfung im Verarbeitenden Gewerbe, aber auch bei der Erwerbst\u00e4tigkeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutlicher als in Deutschland (-1,1 %) blieb das BIP lediglich in Spanien (-4,0 %), Tschechien (-1,9 %), Portugal (-1,4 %) und der Slowakei (-1,2 %) hinter dem jeweiligen Vorkrisenniveau zur\u00fcck. Die EU-L\u00e4nder mit dem st\u00e4rksten Wirtschaftswachstum im Vorkrisenvergleich innerhalb der EU waren laut dem europ\u00e4ischen Statistikamt Eurostat Irland (+15,3 %), Estland (+7,2 %) und Slowenien (+6,6 %). Die Vereinigten Staaten kamen mit einem Wirtschaftswachstum von 3,2 % im Vorkrisenvergleich deutlich besser durch die Corona-Pandemie als die EU (+0,6 %).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen erreichte in Deutschland im 4. Quartal 2021 noch nicht wieder das Niveau vom 4. Quartal 2019. Zum Jahresende 2021 waren in Deutschland saison- und kalenderbereinigt 0,4 % weniger Personen erwerbst\u00e4tig als vor der Corona-Pandemie. Dieser R\u00fcckgang ist vorwiegend auf Einbr\u00fcche bei den geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten zur\u00fcckzuf\u00fchren, w\u00e4hrend die Zahl sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigter das Vorkrisenniveau bereits \u00fcbertroffen hat. In der EU insgesamt legte die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen zu (+0,6 %). Merkliche Besch\u00e4ftigungszuw\u00e4chse gab es unter anderem in Irland (+5.4 %), den Niederlanden (+2,2 %) und Frankreich (+1,6 %). Anders als diese Volkswirtschaften war Deutschland allerdings auch aus einer Situation der Vollbesch\u00e4ftigung in die Pandemie gestartet. Diese konnte noch nicht wieder erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"privater-konsum-erholt-sich-in-vielen-l%c3%a4ndern-nur-langsam\">Privater Konsum erholt sich in vielen L\u00e4ndern nur langsam<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die preis-, saison- und kalenderbereinigten privaten Konsumausgaben haben sich bisher in vielen L\u00e4ndern der EU noch nicht von den Einbr\u00fcchen im Zusammenhang mit den Corona-Schutzma\u00dfnahmen der letzten beiden Jahre erholt. St\u00e4rker als in Deutschland (-3,8 %) blieben die privaten Konsumausgaben allerdings nur in Spanien (-7,9 %) hinter ihrem Vorkrisenniveau zur\u00fcck. W\u00e4hrend in einigen EU-Mitgliedstaaten im 4. Quartal 2021 bereits wieder mehr konsumiert wurde als vor Beginn der Pandemie (z.B. Litauen, +6,8 %), wurde das Vorkrisenniveau in anderen Volkswirtschaften gerade erst (z.B. Frankreich, +0,1 %) oder noch nicht wieder (z.B. Italien -3,3 %) erreicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"staatskonsum-in-deutschland-vergleichsweise-stark-gestiegen\">Staatskonsum in Deutschland vergleichsweise stark gestiegen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die staatlichen Konsumausgaben wurden w\u00e4hrend der Corona-Pandemie in fast allen Mitgliedstaaten der EU deutlich ausgeweitet. Dabei nahm der Staatskonsum in Deutschland (+6,3 %) im Vorkrisenvergleich st\u00e4rker zu als in anderen gro\u00dfen Volkswirtschaften wie Spanien (+6,0 %), Frankreich (+4,1 %) und Italien (+2,6 %). Noch st\u00e4rkere Anstiege der staatlichen Konsumausgaben gab es allerdings in kleineren EU-L\u00e4ndern wie Irland (+17,2 %) oder Kroatien (+16,9 %).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"weniger-investitionen-in-maschinen-ger%c3%a4te-und-fahrzeuge-in-deutschland\">Weniger Investitionen in Maschinen, Ger\u00e4te und Fahrzeuge in Deutschland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Bruttoanlageinvestitionen zeigt sich im internationalen Vergleich ein zweigeteiltes Bild. W\u00e4hrend sich die R\u00fcckg\u00e4nge der Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland oder den Niederlanden vor allem auf merklich niedrigere Investitionen in Ausr\u00fcstungen \u2013 also vor allem in Maschinen, Ger\u00e4te und Fahrzeuge \u2013 zur\u00fcckf\u00fchren lassen, waren in einigen Mitgliedstaaten der EU wie zum Beispiel Italien und Rum\u00e4nien deutlich h\u00f6here Bauinvestitionen Haupttreiber der Zuw\u00e4chse bei den Bruttoanlageinvestitionen im Vorkrisenvergleich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"internationaler-handel-in-fast-allen-eu-l%c3%a4ndern-wieder-%c3%bcber-vorkrisenniveau\">Internationaler Handel in fast allen EU-L\u00e4ndern wieder \u00fcber Vorkrisenniveau<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Corona-Pandemie den internationalen Handel deutlich ged\u00e4mpft hatte, wurde in der EU insgesamt sowie den meisten Mitgliedstaaten im 4. Quartal 2021 teilweise wieder deutlich mehr exportiert und importiert als vor Beginn der Corona-Krise. Dabei lag der Zuwachs im Vorkrisenvergleich in Deutschland bei den Exporten mit +2,3 % unter dem EU-Durchschnitt, bei den Importen mit +2,9 % dar\u00fcber. Insbesondere Frankreich blieb bei Exporten (\u20113,2 %) und Importen (-0,7 %) noch unter seinem Vorkrisenniveau.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"verarbeitendes-gewerbe-erholt-sich-in-den-meisten-gro%c3%9fen-eu-l%c3%a4ndern-nur-langsam\">Verarbeitendes Gewerbe erholt sich in den meisten gro\u00dfen EU-L\u00e4ndern nur langsam<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die verschiedenen Wirtschaftsbereiche konnten sich europaweit bisher nur teilweise von den Folgen der anhaltenden Corona-Pandemie erholen. Das Verarbeitende Gewerbe hatte zum Jahresende 2021 vor allem in den gro\u00dfen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Spanien die Einbu\u00dfen der letzten zwei Jahre noch nicht vollst\u00e4ndig aufgeholt. In einigen kleinen L\u00e4ndern wie Irland (+35,8 %), Litauen (+17,1 %) oder Griechenland (+16,7 %) lag die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertsch\u00f6pfung im Verarbeitenden Gewerbe im 4. Quartal 2021 hingegen deutlich \u00fcber ihrem Niveau vom 4. Quartal 2019. In diesen L\u00e4ndern war die Wirtschaftsleistung des Verarbeitenden Gewerbes im Verlauf der Corona-Krise aber auch kaum oder gar nicht zur\u00fcckgegangen. Hintergrund ist der in diesen L\u00e4ndern vergleichsweise kleinere Anteil der stark von den Liefer- und Materialengp\u00e4ssen betroffenen Automobilindustrie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"l%c3%a4nderspezifische-entwicklungen-im-baugewerbe\">L\u00e4nderspezifische Entwicklungen im Baugewerbe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Baugewerbe sind die l\u00e4nderspezifischen unterschiedlichen Entwicklungen noch deutlicher ausgepr\u00e4gt. W\u00e4hrend die Bruttowertsch\u00f6pfung in diesem Bereich in Deutschland bei +2,7 % lag, erreichte sie in Ungarn (+19,5 %) und Italien (+19,1 %) zweistellige Zuwachsraten im Vorkrisenvergleich. In Spanien (-14,1 %) und Bulgarien (-13,0 %) hingegen blieb sie im 4. Quartal 2021 noch weit unter dem jeweiligen Vorkrisenniveau.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"dienstleistungsbereiche-eu-weit-stark-von-pandemie-betroffen\">Dienstleistungsbereiche EU-weit stark von Pandemie betroffen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Dienstleistungsbereiche waren in Europa stark von den Corona-Schutzma\u00dfnahmen betroffen. In mehr als der H\u00e4lfte der EU-L\u00e4nder erreichte die Bruttowertsch\u00f6pfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe zum Jahresende 2021 noch nicht wieder ihre Vorkrisenwerte. Auch die sonstigen Dienstleister, zu denen unter anderem die Bereiche Unterhaltung und Erholung z\u00e4hlen, blieben in ihrer Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2021 in fast allen Volkswirtschaften weit unter ihrem jeweiligen Niveau vom 4. Quartal 2019. Spanien war hier am st\u00e4rksten betroffen (-26,0 %), gefolgt von Lettland (-25,4 %) und der Slowakei (-23,0 %). In Deutschland blieben die Sonstigen Dienstleister mit -11,7 % \u00e4hnlich stark hinter dem Vorkrisenquartal zur\u00fcck wie im EU-Durchschnitt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"deutlicher-zuwachs-im-bereich-information-und-kommunikation\">Deutlicher Zuwachs im Bereich Information und Kommunikation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bereich Information und Kommunikation konnte seine Bruttowertsch\u00f6pfung in nahezu allen EU-L\u00e4ndern im Verlauf der Corona-Krise steigern. Der Anstieg in Deutschland (+3,6 %) fiel international noch vergleichsweise gering aus. Die st\u00e4rksten Zuw\u00e4chse im Vorkrisenvergleich verzeichneten Irland (+36,6 %), Estland (+29,1 %) und Rum\u00e4nien (+25,0 %). Die gegen\u00fcber ihrem Vorkrisenniveau kaum gestiegene Wirtschaftsleistung in Spanien (+0,2 %) stellt hier im europ\u00e4ischen Vergleich eine Ausnahme dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17.03.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland bei Privaten Konsumausgaben, Bruttowertsch\u00f6pfung im Verarbeitenden Gewerbe und Erwerbst\u00e4tigkeit noch deutlicher unter Vorkrisenniveau als EU-Durchschnitt Die andauernde Corona-Pandemie und die damit verbundenen Liefer- und Materialengp\u00e4sse haben sich auf die deutsche Wirtschaft st\u00e4rker ausgewirkt als auf die wirtschaftliche Entwicklung der meisten anderen Mitgliedstaaten in der Europ\u00e4ischen Union (EU). 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