{"id":66660,"date":"2022-04-21T15:44:56","date_gmt":"2022-04-21T13:44:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=66660"},"modified":"2022-04-21T15:44:56","modified_gmt":"2022-04-21T13:44:56","slug":"eine-einlage-in-die-kapitalruecklage-mit-anschliessender-tilgung-von-verbindlichkeiten-gegenueber-einer-alleingesellschafterin-anstelle-eines-forderungsverzichts-durch-die-alleingesellschafterin-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eine-einlage-in-die-kapitalruecklage-mit-anschliessender-tilgung-von-verbindlichkeiten-gegenueber-einer-alleingesellschafterin-anstelle-eines-forderungsverzichts-durch-die-alleingesellschafterin-kann\/","title":{"rendered":"Eine Einlage in die Kapitalr\u00fccklage mit anschlie\u00dfender Tilgung von Verbindlichkeiten gegen\u00fcber einer Alleingesellschafterin anstelle eines Forderungsverzichts durch die Alleingesellschafterin kann einen Gestaltungsmissbrauch darstellen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der 7. Senat des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf hatte \u00fcber die Frage eines steuerlichen Gestaltungsmissbrauchs zu entscheiden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kl\u00e4gerin des Verfahrens war eine Kapitalgesellschaft, die Verbindlichkeiten gegen\u00fcber ihrer Muttergesellschaft hatte (teils aus Darlehen, teils aus einem Verrechnungskonto aus einem konzerninternen Intercompany Accounting System). Im Jahr 2011 leistete die Muttergesellschaft \u00fcber das konzerninterne Intercompany Accounting System eine Einlage in die Kapitalr\u00fccklage der Kl\u00e4gerin. Taggleich wurden die Verbindlichkeiten der Kl\u00e4gerin gegen\u00fcber der Muttergesellschaft in H\u00f6he der Einzahlung in die Kapitalr\u00fccklage ausgebucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beklagte Finanzamt vertrat die Ansicht, dass die get\u00e4tigten Buchungen wirtschaftlich wie ein Forderungsverzicht anzusehen seien. Es liege eine Umgehung in Form eines steuerlichen Gestaltungsmissbrauchs nach \u00a7 42 Abs. 2 AO vor. Das Finanzamt behandelte daher die get\u00e4tigte Einlage \u2013 abz\u00fcglich eines Teils der Forderung, den das Finanzamt als werthaltig ansah \u2013 als Ertrag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin trug dagegen u. a. vor, dass die Ersetzung von Fremdkapital durch Eigenkapital durch die Finanzierungsfreiheit des Gesellschafters gedeckt sei. Dabei sei nicht entscheidend, dass aufgrund der konzerninternen Buchungen keine tats\u00e4chlichen Zahlungsfl\u00fcsse stattgefunden h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 7. Senat sah dagegen in seinem Urteil vom 22.12.2021 aufgrund der besonderen Umst\u00e4nde des Falls die Voraussetzungen eines Missbrauchs von rechtlichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten nach \u00a7 42 AO als erf\u00fcllt an. Die angemessene Gestaltung f\u00fcr das laut der Kl\u00e4gerin angestrebte Ziel einer Befreiung von ihrer \u00dcberschuldung w\u00e4re ein Forderungsverzicht gewesen. Denn gegen\u00fcber fremden Gl\u00e4ubigern h\u00e4tten nur unwesentliche Verbindlichkeiten bestanden. Die lediglich buchhalterisch vollzogene Einlage und anschlie\u00dfende Tilgung der Verbindlichkeiten habe lediglich der Vermeidung der steuerlichen Folgen eines Verzichts auf die unstreitig im Wesentlichen nicht werthaltigen Forderungen gedient. Au\u00dfersteuerliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Gestaltung seien nicht erkennbar. Insbesondere sei das Ziel einer Verbesserung des Bilanzbildes der Kl\u00e4gerin nicht \u00fcberzeugend, da die Kl\u00e4gerin im Jahr 2010 letztmalig aktiv am Wirtschaftsleben teilgenommen habe und sich seitdem in Abwicklung befinde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung ist nicht rechtskr\u00e4ftig. Die vom Gericht zugelassene Revision ist beim BFH unter dem Az. I R 11\/22 anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG D\u00fcsseldorf, Mitteilung vom 12.04.2022 zum Urteil 7 K 101\/18 K,G,F vom 22.12.2021 (nrkr &#8211; BFH-Az.: I R 11\/22)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 7. Senat des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf hatte \u00fcber die Frage eines steuerlichen Gestaltungsmissbrauchs zu entscheiden. Kl\u00e4gerin des Verfahrens war eine Kapitalgesellschaft, die Verbindlichkeiten gegen\u00fcber ihrer Muttergesellschaft hatte (teils aus Darlehen, teils aus einem Verrechnungskonto aus einem konzerninternen Intercompany Accounting System). 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