{"id":67156,"date":"2022-05-26T10:36:02","date_gmt":"2022-05-26T08:36:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=67156"},"modified":"2022-05-26T10:36:02","modified_gmt":"2022-05-26T08:36:02","slug":"franchisenehmer-einer-nachhilfeeinrichtung-rentenversicherungspflichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/franchisenehmer-einer-nachhilfeeinrichtung-rentenversicherungspflichtig\/","title":{"rendered":"Franchisenehmer einer Nachhilfeeinrichtung rentenversicherungspflichtig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die soziale Schutzbed\u00fcrftigkeit von Ein-Mann-Franchisenehmern beruht nicht auf dem vertriebenen (materiellen oder immateriellen) Produkt, sondern auf der Macht- und Interessenkonstellation des Franchisevertrags. Dies hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) im Urteil vom 09.02.2022 entschieden (Az. L 3 R 662\/21).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der klagende Lehrer teilte dem beklagten Rentenversicherungstr\u00e4ger mit, dass er eine Nachhilfeeinrichtung betreibe und dort selbst unterrichte. Der Schwerpunkt liege nicht im Unterricht, sondern in der Organisation und Verwaltung. Der Beklagte stellte die Versicherungspflicht des Kl\u00e4gers in der gesetzlichen Rentenversicherung fest. Das SG K\u00f6ln wies seine Klage ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LSG hat nun die Berufung des Kl\u00e4gers zur\u00fcckgewiesen. In der Gesamtschau sei er genau der Franchisenehmer (FN), der als sog. kleiner Selbstst\u00e4ndiger \u00fcber die Regelung des \u00a7 2 S. 1 Nr. 9 SGB VI gegen drohende Altersarmut abgesichert werden solle. Ma\u00dfstab sei das nach den Regelungen des Franchisevertrags (FV) verbleibende Ausma\u00df der wirtschaftlichen Unabh\u00e4ngigkeit und des unternehmerischen Gestaltungsspielraums. Nach dem Inhalt des (auch von den Vertragsparteien so gelebten) FV habe der Kl\u00e4ger als FN weder rechtlich noch faktisch in nennenswertem Umfang unternehmerisch t\u00e4tig werden k\u00f6nnen. Die Anmietung der Unterrichtsr\u00e4ume sei von der Zustimmung des Franchisegebers (FG) ebenso abh\u00e4ngig wie eine Verlagerung des Standorts innerhalb des Vertragsgebiets. Die Einrichtung und Ausgestaltung der R\u00e4ume richte sich nach den Vorgaben des FG. Es sei dem FN untersagt, die R\u00e4ume zu anderen (z. B. unternehmerischen) Zwecken zu nutzen. Die Erbringung konkurrierender Dienstleistungen sei ihm nicht erlaubt. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung seines Angebots sei der FN verpflichtet, die Kurse auf der Grundlage des vom FG \u00fcberlassenen Knowhows anzubieten, durchzuf\u00fchren und dabei dessen Konzept zu \u00fcbernehmen. Der FG sei zu Kontrollbesuchen und Einsicht in die Betriebsunterlagen berechtigt. Der Kl\u00e4ger m\u00fcsse schlie\u00dflich weit mehr als 40 Prozent seiner Einnahmen abf\u00fchren und sei an diese Vereinbarung f\u00fcr die Vertragslaufzeit von 10 Jahren gebunden, was seine wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit unterstreiche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LSG hat die Revision zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: LSG Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 24.05.2022 zum Urteil L 3 R 662\/21 vom 09.02.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die soziale Schutzbed\u00fcrftigkeit von Ein-Mann-Franchisenehmern beruht nicht auf dem vertriebenen (materiellen oder immateriellen) Produkt, sondern auf der Macht- und Interessenkonstellation des Franchisevertrags. Dies hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) im Urteil vom 09.02.2022 entschieden (Az. L 3 R 662\/21). 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