{"id":67411,"date":"2022-06-20T12:41:23","date_gmt":"2022-06-20T10:41:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=67411"},"modified":"2022-06-20T12:41:23","modified_gmt":"2022-06-20T10:41:23","slug":"standardmaessige-erhebung-der-postanschrift-des-antragstellers-bei-ifg-antrag-ueber-fragdenstaat-de-unzulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/standardmaessige-erhebung-der-postanschrift-des-antragstellers-bei-ifg-antrag-ueber-fragdenstaat-de-unzulaessig\/","title":{"rendered":"Standardm\u00e4\u00dfige Erhebung der Postanschrift des Antragstellers bei IFG-Antrag \u00fcber \u201efragdenstaat.de\u201c unzul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Bundesministerium des Innern und f\u00fcr Heimat (BMI) darf nicht standardm\u00e4\u00dfig die Angabe der Postanschrift des Antragstellers verlangen, der \u00fcber die Internetplattform \u201efragdenstaat.de\u201c einen Antrag auf Informationszugang nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) stellt. Dies hat das Oberverwaltungsgericht NRW mit am 15.06.2022 verk\u00fcndetem Urteil entschieden und die vorangegangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln ge\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein B\u00fcrger stellte mittels einer von der Internetplattform \u201efragdenstaat.de\u201c generierten, nicht personalisierten E-Mail-Adresse beim BMI einen Auskunftsantrag nach dem IFG. Das Ministerium forderte ihn dazu auf, seine Postanschrift mitzuteilen, da andernfalls der verfahrensbeendende Verwaltungsakt nicht bekanntgegeben und das Verfahren nicht ordnungsgem\u00e4\u00df durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nne. Aufgrund dessen sprach der Bundesbeauftragte f\u00fcr den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) eine datenschutzrechtliche Verwarnung gegen\u00fcber dem BMI aus. Das Verwaltungsgericht K\u00f6ln gab der dagegen gerichteten Klage des BMI statt und hob die Verwarnung auf. Die Berufung des BfDI hatte nun Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Begr\u00fcndung hat der 16. Senat des Oberverwaltungsgerichts ausgef\u00fchrt: Die Verwarnung des Ministeriums durch den BfDI ist rechtm\u00e4\u00dfig. Die Erhebung der Postanschrift war im Zeitpunkt der Datenverarbeitung f\u00fcr die vom BMI verfolgten Zwecke nicht erforderlich. Weder aus den ma\u00dfgeblichen Vorschriften des IFG noch aus den Grunds\u00e4tzen des Allgemeinen Verwaltungsrechts geht hervor, dass ein Antrag nach dem IFG stets die Angabe einer Postanschrift erfordert. Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass eine Datenerhebung im vorliegenden Einzelfall erforderlich war, liegen ebenfalls nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Oberverwaltungsgericht hat wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung die Revision zum Bundesverwaltungsgericht zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem weiteren, auf einem vergleichbaren Sachverhalt beruhenden Verfahren hatten der BfDI und die beigeladene Open Knowledge Foundation, die die Internetplattform \u201efragdenstaat.de\u201c betreibt, mit ihren Berufungen hingegen keinen Erfolg. Der BfDI hatte dem BMI die datenschutzrechtliche Anweisung erteilt, in Verfahren nach dem IFG \u00fcber die vom Antragsteller \u00fcbermittelten Kontaktdaten hinaus nur noch dann zus\u00e4tzliche personenbezogene Daten zu verarbeiten, wenn ein Antrag ganz oder teilweise abzulehnen sein wird oder wenn Geb\u00fchren zu erheben sind. Wie schon das Verwaltungsgericht K\u00f6ln hielt auch das Oberverwaltungsgericht mit heute verk\u00fcndetem Urteil diese Anweisung f\u00fcr rechtswidrig \u2013 allerdings aus anderen Gr\u00fcnden: Der streitgegenst\u00e4ndliche Bescheid weist jedenfalls einen zu weitreichenden Regelungsgehalt auf, weil er eine Datenverarbeitung auch f\u00fcr die F\u00e4lle verbietet, in denen sie ausnahmsweise gerechtfertigt sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Verfahren hat das Oberverwaltungsgericht die Revision nicht zugelassen. Dagegen ist Beschwerde m\u00f6glich, \u00fcber die das Bundesverwaltungsgericht entscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: OVG Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 15.06.2022 zum Urteil 16 A 857\/21 vom 15.06.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesministerium des Innern und f\u00fcr Heimat (BMI) darf nicht standardm\u00e4\u00dfig die Angabe der Postanschrift des Antragstellers verlangen, der \u00fcber die Internetplattform \u201efragdenstaat.de\u201c einen Antrag auf Informationszugang nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) stellt. Dies hat das Oberverwaltungsgericht NRW mit am 15.06.2022 verk\u00fcndetem Urteil entschieden und die vorangegangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln ge\u00e4ndert. 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