{"id":67612,"date":"2022-07-01T11:55:34","date_gmt":"2022-07-01T09:55:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=67612"},"modified":"2022-07-01T11:55:34","modified_gmt":"2022-07-01T09:55:34","slug":"%c2%a7-12-abs-2-satz-1-und-2-umwstg-i-v-m-%c2%a7-8b-abs-2-satz-1-und-2-kstg-sowie-%c2%a7-12-abs-2-satz-1-und-2-umwstg-i-v-m-%c2%a7-8b-abs-3-satz-1-kstg-sind-mit-dem-unionsrecht-vereinbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/%c2%a7-12-abs-2-satz-1-und-2-umwstg-i-v-m-%c2%a7-8b-abs-2-satz-1-und-2-kstg-sowie-%c2%a7-12-abs-2-satz-1-und-2-umwstg-i-v-m-%c2%a7-8b-abs-3-satz-1-kstg-sind-mit-dem-unionsrecht-vereinbar\/","title":{"rendered":"\u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 und 2 UmwStG i. V. m. \u00a7 8b Abs. 2 Satz 1 und 2 KStG sowie \u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 und 2 UmwStG i. V. m. \u00a7 8b Abs. 3 Satz 1 KStG sind mit dem Unionsrecht vereinbar"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mit Urteil vom 24. April 2022 (Az. 1 K 181\/19) hat der 1. Senat des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts entschieden, dass es bei grenz\u00fcberschreitenden innergemeinschaftlichen Aufw\u00e4rtsverschmelzungen von Tochter-Kapitalgesellschaften auf ihre 100 %-ige inl\u00e4ndische Mutter-Kapitalgesellschaft mit den unionsrechtlichen Vorgaben in Art. 7 Abs. 1 der EU-Richtlinie 2009\/133\/EG vom 19. Oktober 2009 (Fusionsrichtlinie) vereinbar ist, dass nach nationalem deutschen Umwandlungssteuerrecht die tats\u00e4chlich angefallenen Kosten der Verm\u00f6gens\u00fcberg\u00e4nge nach \u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 und 2 UmwStG i. V. m. \u00a7 8b Abs. 2 Satz 1 und 2 KStG den steuerfrei zu stellenden \u00dcbernahmegewinn mindern und dass gem\u00e4\u00df \u00a7 12 Abs. 2 Satz 1 und 2 UmwStG i. V. m. \u00a7 8b Abs. 3 Satz 1 KStG vom \u00dcbernahmegewinn 5 % als nichtabziehbare Betriebsausgaben dem Steuerbilanzgewinn der Mutter-Kapitalgesellschaft au\u00dferbilanziell wieder hinzuzurechnen sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Kl\u00e4gerin handelt es sich um eine inl\u00e4ndische Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH. Diese verschmolz mehrere ihrer in unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten ans\u00e4ssigen Tochter-Kapitalgesellschaften auf sich selbst und f\u00fchrte deren Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde und Schulden auf Grundlage der Aus\u00fcbung eines entsprechenden Wahlrechts mit ihren Buchwerten in ihrer Handelsbilanz fort. Auch steuerlich \u00fcbte die Kl\u00e4gerin ein entsprechendes Wahlrecht zur Buchwertfortf\u00fchrung aus. Hieraus ergaben sich positive \u00dcbernahmeergebnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt bezog die im Rahmen der Verschmelzungen entstandenen Transaktionskosten in die Ermittlung des \u00dcbernahmegewinnes ein und behandelte von diesem pauschal 5 % als nichtabziehbare Betriebsausgaben, welche es dem Steuerbilanzgewinn der Kl\u00e4gerin au\u00dferbilanziell wieder hinzurechnete und damit deren steuerliche Bemessungsgrundlage erh\u00f6hte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin berief sich demgegen\u00fcber auf Stimmen in der steuerrechtlichen Literatur, welche diese nach dem deutschen Umwandlungssteuerrecht vorgesehenen Rechtsfolgen als mit den Vorgaben der Fusionsrichtlinie als nicht vereinbar ansehen. Die aufgeworfene Rechtsfrage wurde bislang gerichtlich nicht entschieden, sodass sich der 1. Senat dieser erstmals annahm. Er erkannte, dass die im Streitfall betroffenen Vorschriften des deutschen Umwandlungssteuerrechts mit den Vorgaben des Unionsrechts vereinbar sind. Der Richtliniengeber verfolge nach seinen amtlichen Erw\u00e4gungsgr\u00fcnden mit der Fusionsrichtlinie in erster Linie das Ziel, wettbewerbsneutrale steuerliche Regelungen zu schaffen und die zum Zeitpunkt des Erlasses der Fusionsrichtlinie in einzelnen Mitgliedstaaten bestehenden Benachteiligungen von grenz\u00fcberschreitenden Fusionen gegen\u00fcber rein inl\u00e4ndischen Vorg\u00e4ngen dieser Art zu beseitigen. Nach den Vorstellungen des Richtliniengebers seien \u00dcbernahmegewinne durch Fusionen dabei wertungsm\u00e4\u00dfig mit Gewinnaussch\u00fcttungen der \u00fcbernommenen Gesellschaft an die \u00fcbernehmende Gesellschaft vergleichbar. \u00dcbernahmegewinne im Sinne der Fusionsrichtlinie sollten daher nach deren Regelungsziel grunds\u00e4tzlich im gleichen Umfang steuerbefreit werden wie Gewinnaussch\u00fcttungen im Sinne der EU-Richtlinie 2003\/123\/EG vom 22. Dezember 2003 (Mutter-Tochter-Richtlinie). Ein solches Ziel der Gleichbehandlung von Gewinnaussch\u00fcttungen mit \u00dcbernahmegewinnen anl\u00e4sslich grenz\u00fcberschreitender Fusionen sei nicht zu erreichen, wenn eine Pauschalierung nichtabziehbarer Kosten lediglich f\u00fcr Gewinnaussch\u00fcttungen m\u00f6glich w\u00e4re. Denn in diesem Falle w\u00fcrden \u00dcbernahmegewinne im Falle grenz\u00fcberschreitender Fusionen im Verh\u00e4ltnis zu reinen Gewinnaussch\u00fcttungen steuerlich privilegiert werden. Um dies zu vermeiden, legte der 1. Senat die Regelungen der Fusionsrichtlinie in der Weise aus, dass die Vorschriften des nationalen Umwandlungssteuerrechts, welche in diesem Zusammenhang mit den nationalen Vorschriften zur Besteuerung von Gewinnaussch\u00fcttungen korrespondieren, vereinbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 1. Senat hat die Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung zugelassen. Das Revisionsverfahren ist beim BFH unter dem Az. I R 17\/22 anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: FG Schleswig-Holstein, Mitteilung vom 30.06.2022 zum Urteil 1 K 181\/19 vom 24.04.2022 (nrkr &#8211; BFH-Az.: I R 17\/22)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 24. April 2022 (Az. 1 K 181\/19) hat der 1. Senat des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts entschieden, dass es bei grenz\u00fcberschreitenden innergemeinschaftlichen Aufw\u00e4rtsverschmelzungen von Tochter-Kapitalgesellschaften auf ihre 100 %-ige inl\u00e4ndische Mutter-Kapitalgesellschaft mit den unionsrechtlichen Vorgaben in Art. 7 Abs. 1 der EU-Richtlinie 2009\/133\/EG vom 19. 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