{"id":67632,"date":"2022-07-01T12:00:48","date_gmt":"2022-07-01T10:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=67632"},"modified":"2022-07-01T12:00:48","modified_gmt":"2022-07-01T10:00:48","slug":"vorlaeufige-festsetzung-von-erstattungszinsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/vorlaeufige-festsetzung-von-erstattungszinsen\/","title":{"rendered":"Vorl\u00e4ufige Festsetzung von Erstattungszinsen"},"content":{"rendered":"\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die vorl\u00e4ufige Festsetzung von Erstattungszinsen f\u00fcr Zeitr\u00e4ume ab 2019 kann nicht ermessensfehlerfrei aufgehoben und die Entscheidung \u00fcber die Zinsfestsetzung ausgesetzt werden nach \u00a7 165 Abs. 1 Satz 4 AO i. V. m. \u00a7 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 AO.<\/li><li>Eine auf Aufhebung eines Vorl\u00e4ufigkeitsvermerks zur Festsetzung von Erstattungszinsen gerichtete Klage ist nicht deshalb wegen fehlender Klagebefugnis unzul\u00e4ssig, weil eine \u00c4nderung des Zinsbescheides zuungunsten der Kl\u00e4ger ohnehin nicht erfolgen kann (so aber FG M\u00fcnster, Urteil vom 14. September 2006, 3 K 4376\/04 Erb, EFG 2007, 83), denn der Kl\u00e4ger ist bereits durch die sich aus der Vorl\u00e4ufigkeit ergebende Rechtsunsicherheit beschwert.<\/li><li>Die Anordnung der Vorl\u00e4ufigkeit der Festsetzung von Erstattungszinsen hinsichtlich der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der H\u00f6he des Zinssatzes von 0,5 % pro Monat war ermessensfehlerhaft, weil bereits im Zeitpunkt der vorl\u00e4ufigen Festsetzung feststand, dass eine sp\u00e4tere \u00c4nderung der Steuerfestsetzung wegen \u00a7 176 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO ausschied.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen der Steuerfestsetzung f\u00fcr 2017 vom 20.09.2019 waren Erstattungszinsen festgesetzt worden, die mit einem Vorl\u00e4ufigkeitsvermerk bzgl. der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Zinssatzes von 0,5 Prozent pro Monat versehen waren. Gegen diesen Vorl\u00e4ufigkeitsvermerk richtete sich die Klage. W\u00e4hrend des Klageverfahren erging am 18.07.2021 der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts, mit dem der Zinssatz nach \u00a7 233a AO f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume ab 2014 f\u00fcr verfassungswidrig, aber erst ab 2019 eine Neuregelung eingefordert wurde mit Frist bis 31.07.2022. Daraufhin \u00e4nderte der Beklagte den angegriffenen Zinsbescheid in der Weise, dass er die Zinsfestsetzung aufhob und \u201eteilweise\u201c f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume ab 2019 nach \u00a7 165 Abs. 1 Satz 4 AO aussetzte; ausgenommen waren vor der Ver\u00f6ffentlichung der Entscheidung festgesetzte Nachzahlungs- und Erstattungszinsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht hat die Klage trotz der Aussetzung des Zinsbescheides als zul\u00e4ssig angesehen, weil sich dadurch das kl\u00e4gerische Begehren nicht erledigt, sondern sogar verschlechtert habe. Statt einer vorl\u00e4ufigen Zinsfestsetzung in bezifferter H\u00f6he, die eine Berufung auf Vertrauensschutzgesichtspunkte nach \u00a7 176 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO habe ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, w\u00fcrden die Kl\u00e4ger nun ohne jegliche Zinsfestsetzung auf eine k\u00fcnftige Neuregelung verwiesen. Auch in der Sache haben die Kl\u00e4ger in voller Linie Recht bekommen. Mit der Aufhebung des Zinsbescheides und der Aussetzung der Zinsfestsetzung habe der Beklagte seine Ermessengrenzen \u00fcberschritten und die Vorgaben des BMF-Schreibens vom 17.09.2021 zum Umgang mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts missachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus durfte die Festsetzung der Zinsen nicht mit einem Vorl\u00e4ufigkeitsvermerk versehen werden. Der diesbez\u00fcgliche Klageantrag sei \u2013 entgegen der abweichenden Annahme des FG M\u00fcnster (Urteil vom 14.09.2006, 3 K 4376\/04 Erb) \u2013 zul\u00e4ssig, weil von dem Vorl\u00e4ufigkeitsvermerk eine beschwerende Rechtsunsicherheit ausgehe, und habe auch in der Sache Erfolg. Bereits im Zeitpunkt der vorl\u00e4ufigen Festsetzung habe festgestanden, dass eine sp\u00e4tere \u00c4nderung wegen \u00a7 176 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO ausgeschieden sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Revision wurde zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zugelassen (Revision eingelegt, Az. des BFH VIII R 12\/22).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG Hamburg, Mitteilung vom 01.07.2022 zum Urteil 1 K 126\/20 vom 14.04.2022 (nrkr &#8211; BFH-Az.: VIII R 12\/22)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vorl\u00e4ufige Festsetzung von Erstattungszinsen f\u00fcr Zeitr\u00e4ume ab 2019 kann nicht ermessensfehlerfrei aufgehoben und die Entscheidung \u00fcber die Zinsfestsetzung ausgesetzt werden nach \u00a7 165 Abs. 1 Satz 4 AO i. V. m. \u00a7 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 AO. 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