{"id":67695,"date":"2022-07-07T17:41:38","date_gmt":"2022-07-07T15:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=67695"},"modified":"2022-07-07T17:41:38","modified_gmt":"2022-07-07T15:41:38","slug":"kein-rueckgang-der-gesamtwirtschaftlichen-arbeitsproduktivitaet-durch-corona-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-rueckgang-der-gesamtwirtschaftlichen-arbeitsproduktivitaet-durch-corona-pandemie\/","title":{"rendered":"Kein R\u00fcckgang der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivit\u00e4t durch Corona-Pandemie"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Arbeitsproduktivit\u00e4t hat sich in den Branchen unterschiedlich entwickelt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivit\u00e4t, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbst\u00e4tigenstunde, ist nach vorl\u00e4ufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im 1. Quartal 2022 um 0,7 % gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Auch in den Jahren 2020 und 2021, die stark von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gepr\u00e4gt waren, lag die Arbeitsproduktivit\u00e4t je Stunde h\u00f6her als im jeweiligen Vorjahr, mit Zuw\u00e4chsen von +0,4 % (2020) und +1,1 % (2021). Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 ergibt sich ein Anstieg um 1,5 %. Bei der Arbeitsproduktivit\u00e4t gab es jedoch gro\u00dfe Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen, da sich die zugrundeliegende preisbereinigte Bruttowertsch\u00f6pfung (Output) und die geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbst\u00e4tigen (Input) in den Branchen unterschiedlich entwickelten.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"deutlicher-r%c3%bcckgang-der-arbeitsproduktivit%c3%a4t-im-verarbeitenden-gewerbe-im-jahr-2020-gegenbewegung-im-folgejahr\">Deutlicher R\u00fcckgang der Arbeitsproduktivit\u00e4t im Verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2020, Gegenbewegung im Folgejahr<\/h2>\n\n\n\n<p>Produktionseinbr\u00fcche durch die Corona-Pandemie und in deren Folge auch Materialengp\u00e4sse haben in vielen Bereichen zu einer sinkenden Zahl der Arbeitsstunden gef\u00fchrt. So hat sich im Jahr 2020 im Verarbeitenden Gewerbe der Arbeitsinput um 6,2 % reduziert. Der Anteil an Kurzarbeitenden erreichte im Mai 2020 seinen historischen H\u00f6chststand von 29,2 %. Im Fahrzeugbau war sogar mehr als die H\u00e4lfte der Belegschaft in Kurzarbeit. Der R\u00fcckgang der Bruttowertsch\u00f6pfung im Verarbeitenden Gewerbe war mit -10,0 % jedoch noch st\u00e4rker. Dadurch sank die Arbeitsproduktivit\u00e4t im Jahr 2020 um 4,1 %. Ursache hierf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass der Arbeitsinput nicht unmittelbar und in vollem Umfang an den Produktionsumfang angepasst wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2021 blieb die konjunkturelle Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe trotz starker Nachfrage gebremst. Dies lag vor allem an der eingeschr\u00e4nkten Versorgung mit wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und an St\u00f6rungen der internationalen Lieferketten. In der Folge konnte nur ein Teil des Produktionseinbruchs wieder wettgemacht werden, die Bruttowertsch\u00f6pfung stieg um 4,6 %. Gleichzeitig stieg die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden der Erwerbst\u00e4tigen jedoch nur um 1,3 %. So verharrte die Kurzarbeiterquote in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2021 bei etwa 5 % und war damit rund doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Da die Produktion deutlich st\u00e4rker wuchs als die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, nahm die Arbeitsproduktivit\u00e4t um 3,3 % zu. Gegen\u00fcber dem Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, war die Produktivit\u00e4t 2021 noch um 0,8 % niedriger.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe war das Baugewerbe zun\u00e4chst kaum von der Corona-Pandemie betroffen. So stieg die preisbereinigte Bruttowertsch\u00f6pfung im Jahr 2020 um 3,8 % an. Gleichzeitig lag die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden 2,2 % unter dem Vorjahreswert, sodass die Arbeitsproduktivit\u00e4t je Erwerbst\u00e4tigenstunde 2020 deutlich um 6,1 % zunahm. Im Folgejahr war mit -4,6 % jedoch ein \u00e4hnlich starker Verlust an Produktivit\u00e4t zu verzeichnen. Der Grund hierf\u00fcr ist, dass einerseits die preisbereinigte Bruttowertsch\u00f6pfung um 1,7 % zur\u00fcckging. Preisanstiege und Lieferprobleme bei Vormaterialien d\u00fcrften hierzu beigetragen haben. Andererseits nahm die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 3,1 % zu, unter anderem durch vermehrte \u00dcberstunden und verringerte Kurzarbeit. Die Arbeitsproduktivit\u00e4t im Baugewerbe lag damit um 1,2 % \u00fcber dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"dienstleistungsbereiche-unter-dem-strich-keine-produktivit%c3%a4tsverluste\">Dienstleistungsbereiche: Unter dem Strich keine Produktivit\u00e4tsverluste<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie im Verarbeitenden Gewerbe ging die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in den Dienstleistungsbereichen im ersten Corona-Jahr 2020 stark zur\u00fcck, und zwar um 4,9 %. Grund hierf\u00fcr waren vor allem die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie, die zu einer zeitweisen Einstellung vieler wirtschaftlicher T\u00e4tigkeiten f\u00fchrten, gerade in den besonders kontaktintensiven Branchen: So brach der Arbeitsinput im Gastgewerbe und bei den sonstigen Dienstleistern, zu denen auch die Kreativwirtschaft z\u00e4hlt, noch erheblich st\u00e4rker ein. Die Kurzarbeiterquote stieg in einigen Branchen zeitweise auf rund zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten. Zugleich ging die Wirtschaftsleistung in den meisten Branchen deutlich zur\u00fcck. Wirtschaftszweige wie der Onlinehandel oder die Post-, Kurier- und Expressdienste konnten hingegen im Jahr 2020 ihre Wertsch\u00f6pfung steigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Wirtschaftsleistung \u00fcber alle Dienstleistungsbereiche hinweg mit -4,0 % etwas schw\u00e4cher zur\u00fcckging als das Arbeitsvolumen, ergab sich im Jahr 2020 ein rechnerischer Anstieg der Arbeitsproduktivit\u00e4t um 1,0 %. Im Jahr 2021 ging die konjunkturelle Erholung des Dienstleistungsbereichs (+2,8 %) mit einem etwas schw\u00e4cheren Anstieg des Arbeitsinputs einher (+1,9 %). Die Arbeitsproduktivit\u00e4t erh\u00f6hte sich nochmal um 0,9 %. Allerdings k\u00f6nnen diese Durchschnittswerte die sehr unterschiedliche Situation in den einzelnen Branchen nicht widerspiegeln: So konnten sich etwa die Erziehungs- und Gesundheitsdienstleister im Jahr 2021 ihrem Vorkrisenniveau wieder ann\u00e4hern, der Bereich Verkehr und Lagerei dieses sogar leicht \u00fcberschreiten. Dagegen blieben Arbeitsinput und Produktion im Reise- und Gastgewerbe, in Teilen der Unternehmensdienstleister und bei den sonstigen Dienstleistern im Jahr 2021 im Vorkrisenvergleich noch erheblich eingeschr\u00e4nkt. Insgesamt betrachtet lag die Arbeitsproduktivit\u00e4t in den Dienstleistungsbereichen 2,0 % \u00fcber dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 07.07.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsproduktivit\u00e4t hat sich in den Branchen unterschiedlich entwickelt Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivit\u00e4t, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbst\u00e4tigenstunde, ist nach vorl\u00e4ufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im 1. Quartal 2022 um 0,7 % gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. 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