{"id":68057,"date":"2022-08-08T12:28:59","date_gmt":"2022-08-08T10:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=68057"},"modified":"2022-08-08T12:28:59","modified_gmt":"2022-08-08T10:28:59","slug":"mindestlohn-hatte-nur-geringe-auswirkungen-auf-die-wettbewerbsbedingungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/mindestlohn-hatte-nur-geringe-auswirkungen-auf-die-wettbewerbsbedingungen\/","title":{"rendered":"Mindestlohn hatte nur geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsbedingungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon im Juli dieses Jahres stieg der Mindestlohn auf 10,45 Euro brutto je Stunde. Im Oktober wird dann die Lohnuntergrenze auf 12 Euro angehoben. Eine Studie des ZEW Mannheim im Auftrag der Mindestlohnkommission zeigt nun, dass die Mindestlohn-Einf\u00fchrung 2015 sowie die erste Erh\u00f6hung im Januar 2017 kaum Marktaustritte von Unternehmen verursacht hat. Die Forscher\/innen stellen au\u00dferdem fest, dass manche Branchen durch die Lohnuntergrenze teils sogar produktiver wurden \u2013 und so den Wettbewerb insgesamt f\u00f6rderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern sich eine Lohnuntergrenze auf Wettbewerbsindikatoren wie Marktaustritte und die Arbeitsproduktivit\u00e4t auswirkt, hat das ZEW untersucht: \u201eHauptaspekt unserer Untersuchung waren die Lohnkostenerh\u00f6hungen, die durch den Mindestlohn verursacht werden und am Ende die Wettbewerbsbedingungen von Unternehmen beeinflussen.\u201c Das sagt Moritz Lubczyk, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich \u201eInnovations\u00f6konomik und Unternehmensdynamik\u201c am ZEW und Co-Autor der Studie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiges Ergebnis: Sowohl die Einf\u00fchrung 2015 als auch die erste Erh\u00f6hung des Mindestlohns 2017 hatten nicht zur Folge, dass sich die Wettbewerbsintensit\u00e4t f\u00fcr Unternehmen in Deutschland ver\u00e4ndert hat \u2013 zumindest nicht wesentlich. In Arbeitsmarktregionen, in denen mehr Arbeitnehmer\/innen vor der Mindestlohneinf\u00fchrung weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienten, verlie\u00dfen zwar Kleinstunternehmen, also Unternehmen mit vier oder weniger Mitarbeiter\/-innen, den Markt. Gezeigt hat sich das vor allem in den ehemaligen ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern, wo der Bruttodurchschnittslohn 2015, zum Untersuchungszeitpunkt, wesentlich niedriger war als im Westen. Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist das aber nicht zwingend ein Problem: \u201eOft sind es die unproduktiveren Unternehmen, die den Markt verlassen. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit konnte jedoch nicht beobachtet werden. Solange die Arbeitsnachfrage hoch ist, finden die betroffenen Arbeitnehmer\/innen bei anderen Unternehmen eine Folgebesch\u00e4ftigung\u201c, so Moritz Lubczyk.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h%c3%b6herer-mindestlohn-effizienteres-arbeiten\">H\u00f6herer Mindestlohn, effizienteres Arbeiten?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studie best\u00e4tigt aber nicht nur, dass der Mindestlohn kaum Auswirkungen auf Marktaustritte hatte. Auch hat sich gezeigt, dass in Branchen, die besonders von der Einf\u00fchrung des Mindestlohns betroffen waren (etwa die Spiel-, Wett- und Lotteriewesen, die Werbebranche oder das Verlagswesen) die Arbeitsproduktivit\u00e4t \u2013 also der Umsatz im Verh\u00e4ltnis zu den eingesetzten Arbeitskr\u00e4ften \u2013 angestiegen ist. Die Studie gibt mehrere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze: \u201eZum einen kann das damit zusammenh\u00e4ngen, dass Unternehmen verst\u00e4rkt in Kapital, also Maschinen oder Technologien, investieren und somit ihre Arbeitskr\u00e4fte produktiver einsetzen; andererseits ist denkbar, dass Unternehmen statt auf geringf\u00fcgige mehr auf sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse setzen und auch somit die Produktivit\u00e4t der Arbeitnehmer\/innen steigt\u201c, sagt Lubczyk. Ein weiterer Grund: \u201eWenn vor allem weniger produktive Unternehmen aus dem Markt austreten, dann steigt die durchschnittliche Produktivit\u00e4t der gesamten Branche.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als Datengrundlage diente den Forscher\/innen das Mannheimer Unternehmenspanel (MUP), die Verdienststrukturerhebung (VSE) sowie Datens\u00e4tze der integrierten Erwerbsbiografien (IEB) f\u00fcr Branchen und Regionen. Um die Bedeutsamkeit der Ver\u00e4nderungen beurteilen zu k\u00f6nnen, wurden die Daten von 2010, also deutlich vor Einf\u00fchrung des Mindestlohns, bis 2018 miteinander verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><object class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/AuswirkungenAufDieWettbewerbsbedingungen.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von AuswirkungenAufDieWettbewerbsbedingungen.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-d102bbcf-5a98-47d0-95b6-5f24466ba948\" href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/AuswirkungenAufDieWettbewerbsbedingungen.pdf\">AuswirkungenAufDieWettbewerbsbedingungen<\/a><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/AuswirkungenAufDieWettbewerbsbedingungen.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-d102bbcf-5a98-47d0-95b6-5f24466ba948\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><em>Quelle: ZEW, Pressemitteilung vom 05.08.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im Juli dieses Jahres stieg der Mindestlohn auf 10,45 Euro brutto je Stunde. Im Oktober wird dann die Lohnuntergrenze auf 12 Euro angehoben. Eine Studie des ZEW Mannheim im Auftrag der Mindestlohnkommission zeigt nun, dass die Mindestlohn-Einf\u00fchrung 2015 sowie die erste Erh\u00f6hung im Januar 2017 kaum Marktaustritte von Unternehmen verursacht hat. Die Forscher\/innen stellen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/mindestlohn-hatte-nur-geringe-auswirkungen-auf-die-wettbewerbsbedingungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Mindestlohn hatte nur geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsbedingungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68057"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68057"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68057\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}