{"id":68131,"date":"2022-08-15T11:35:45","date_gmt":"2022-08-15T09:35:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=68131"},"modified":"2022-08-15T11:35:45","modified_gmt":"2022-08-15T09:35:45","slug":"die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022\/","title":{"rendered":"Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im August 2022"},"content":{"rendered":"\n<ul><li>Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr als widerstandsf\u00e4hig erwiesen. Trotz des Krieges in der Ukraine und der in dessen Folge drastisch gestiegenen Energiepreise blieb die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegen\u00fcber dem Vorquartal unver\u00e4ndert.<\/li><li>Insgesamt hat sich die deutsche Volkswirtschaft im ersten Halbjahr besser entwickelt als von vielen Beobachtern erwartet. Allerdings sorgen die seit Mitte Juni reduzierten Gaslieferungen, die nochmals gestiegenen Energiepreise, die fortwirkenden Lieferengp\u00e4sse sowie die allgemein erh\u00f6hte Unsicherheit f\u00fcr deutlich schlechtere Aussichten f\u00fcr das zweite Halbjahr.<\/li><li>Die deutsche Industrie erholte sich auch im Berichtsmonat Juni weiter von dem externen Schock, den sie durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlitten hatte. Die Produktion und der Export von Waren legten zu. Die Nachfrage allerdings verlief bei abgek\u00fchltem Gesch\u00e4ftsklima schwach. Der Ausblick f\u00fcr die Industriekonjunktur im zweiten Halbjahr bleibt angesichts der gro\u00dfen Unsicherheit zur\u00fcckhaltend.<\/li><li>Die Ums\u00e4tze im Einzelhandel verzeichneten binnen Jahresfrist aufgrund hoher Preissteigerungen in realer Rechnung den gr\u00f6\u00dften R\u00fcckgang seit dem Jahr 1994. Vor dem Hintergrund kr\u00e4ftiger Preisniveausteigerungen im Einzelhandel setzte das Konsumklima seine Talfahrt weiter fort.<\/li><li>Die Inflationsrate ging von Juni auf Juli zum zweiten Mal hintereinander leicht auf 7,5 % zur\u00fcck. Das entspricht einer Abnahme um 0,1 Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Vormonat (Juni: +7,6 %). Die Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, das Neun-Euro-Ticket und seit Juli auch die Abschaffung der EEG-Umlage haben den Preisauftrieb leicht ged\u00e4mpft. Die Energietr\u00e4ger verteuerten sich etwas schw\u00e4cher aber erneut kr\u00e4ftig. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln verzeichnete ein neues Allzeithoch seit der Wiedervereinigung.<\/li><li>Der Arbeitsmarkt zeigte sich weiterhin vergleichsweise robust, auch wenn die Fluchtmigration aus der Ukraine sich erneut deutlich auf die Arbeitslosigkeit auswirkte. Die Gefl\u00fcchteten d\u00fcrften auch in den kommenden Monaten zu weiteren Anstiegen bei der registrierten Arbeitslosigkeit f\u00fchren. Gleichzeitig stieg die Zahl der offenen Stellen im zweiten Quartal auf ein Allzeithoch. Der steigende Personalbedarf erfasst fast alle Branchen. Auch f\u00fcr den Arbeitsmarkt ist das gr\u00f6\u00dfte Risiko ein Gaslieferstopp aus Russland, der zu einem R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit f\u00fchren d\u00fcrfte.<\/li><li>F\u00fcr Mai 2022 meldeten die deutschen Amtsgerichte mit 1.242 beantragten Unternehmensinsolvenzen in etwa genauso viele Insolvenzen wie im Vormonat April 2022. Insgesamt lagen die beantragten Unternehmensinsolvenzen in den ersten f\u00fcnf Monaten des Jahres 2022 um 4 % unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Aktuelle Fr\u00fchindikatoren und Umfragen deuten \u2013 trotz der gestiegenen Risken \u2013 auf keinen signifikanten Anstieg in naher Zukunft hin.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 id=\"die-deutsche-wirtschaft-hat-sich-im-ersten-halbjahr-widerstandsf%c3%a4hig-gezeigt-%e2%80%93-ausblick-weiter-von-unsicherheit-gepr%c3%a4gt\">Die Deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr widerstandsf\u00e4hig gezeigt \u2013 Ausblick weiter von Unsicherheit gepr\u00e4gt<\/h2>\n\n\n\n<p>Die konjunkturelle Stimmung in Deutschland ist weiterhin zweigeteilt. Einerseits haben sich wichtige Kennzahlen f\u00fcr die deutsche Wirtschaft im Juni positiv entwickelt. So stiegen die Industrieproduktion und die Warenexporte an und die Warenimporte liegen weiter auf hohem Niveau. Andererseits deuten vorausschauende Indikatoren und Stimmungsdaten wie die Auftragseing\u00e4nge und das ifo Gesch\u00e4ftsklima auf eine Verschlechterung der Wirtschaftsleistung im zweiten Halbjahr hin. Vor allem die reduzierten Gaslieferungen aus Russland dr\u00fccken die Stimmung und eine weitere Drosselung stellt das Hauptrisiko f\u00fcr die weitere wirtschaftliche Entwicklung dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lage bei den weltweiten Lieferketten bleibt ebenfalls angespannt, auch wenn sich das aus China stammende Frachtvolumen zuletzt wieder erholte. Die Engp\u00e4sse d\u00fcrften jedoch im zweiten Halbjahr anhalten, sodass die Aussichten f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel verhalten ausfallen. Die Unsicherheit und die hohe Inflation wirkten belastend auf das Konsumklima: Die Einzelhandelsums\u00e4tze waren zuletzt wieder r\u00fcckl\u00e4ufig. Die Inflationsrate sank im Juli zwar erneut leicht auf +7,5 %, liegt damit aber immer noch auf einem Niveau wie w\u00e4hrend der ersten \u00d6lkrise im Winter 1973\/74 im fr\u00fcheren Bundesgebiet. Nach wie vor sind es vor allem die Preise f\u00fcr Energie und Nahrungsmittel, die die allgemeine Teuerung treiben. Der eingef\u00fchrte Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket sorgten allerdings f\u00fcr eine gewisse Entlastung. Die weitere Entwicklung des Preisniveaus h\u00e4ngt vor allem am Fortgang der Energielieferungen aus Russland sowie an der Reaktion der EZB auf die hohen Inflationsraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt zeigt sich aber ein solides erstes Halbjahr, in dem die deutsche Wirtschaft einige Widerstandskraft bewies: Das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal nach neuen Berechnungen vom Statistischen Bundesamt merklich aufw\u00e4rts korrigiert worden und robust gewachsen. Im zweiten Quartal wurde dieses Niveau gehalten. Mancher Beobachter hatten in diesem Zeitraum eine r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung erwartet. Die bisherige Entwicklung war also besser als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"weltwirtschaft-erholt-sich-langsam-%e2%80%93-ausblick-bleibt-aber-verhalten\">Weltwirtschaft erholt sich langsam \u2013 Ausblick bleibt aber verhalten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Weltwirtschaft ist dabei, den externen Schock durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu verkraften. Die weltweite Industrieproduktion wurde im Mai um lediglich 0,4 % gegen\u00fcber dem Vormonat erh\u00f6ht, nachdem sie im M\u00e4rz sowie im April gedrosselt worden war (-1,0 % bzw. -2,3 %). Der Welthandel indes konnte im Mai (+2,5 %) die Abnahme aus dem M\u00e4rz (-1,2 %) nach zwischenzeitlicher Stagnation im April (+0,0 %) wieder gut machen. Dennoch wird der Welthandel von der St\u00f6rung der Lieferketten ged\u00e4mpft. Es stauen sich derzeit vermehrt Schiffe in der Nordsee vor den H\u00e4fen Deutschlands, der Niederlande und Belgiens. Hier stecken gegenw\u00e4rtig knapp 2 % der globalen Frachtkapazit\u00e4t fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stimmungsindikator von S&amp;P Global (ehemals IHS Markit) deutet auf eine leichte Erholung in den kommenden Monaten hin. Er fiel zwar im Juli von 53,5 recht deutlich auf 50,8 Punkte, lag damit aber weiterhin etwas \u00fcber der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die ifo-Exporterwartungen haben sich gegen\u00fcber dem Vormonat ebenfalls wieder eingetr\u00fcbt (-0,5 nach +3,4 Saldopunkten). Erstmals seit M\u00e4rz \u00fcberwog damit der Anteil pessimistischer Unternehmen jene Fraktion, die mit einer Verbesserung in den n\u00e4chsten Monaten rechnet.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"deutscher-au%c3%9fenhandel-ausfuhren-steigen-kr%c3%a4ftig-%e2%80%93-einfuhren-nehmen-leicht-zu\">Deutscher Au\u00dfenhandel: Ausfuhren steigen kr\u00e4ftig \u2013 Einfuhren nehmen leicht zu<\/h2>\n\n\n\n<p>Das erh\u00f6hte Preisniveau der Energietr\u00e4ger macht sich auch im deutschen Au\u00dfenhandel bemerkbar. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen im Juni saisonbereinigt um kr\u00e4ftige 4,3 % gegen\u00fcber dem Vormonat. Im Mai hatten sie um moderatere 2,5 % zugelegt. F\u00fcr das zweite Quartal 2022 ergibt sich damit ein deutliches Plus von 8,8 %. Die Exportpreise sind im Juni um saisonbereinigt 1,0 % gestiegen (2. Quartal: +4,3 %) und d\u00fcrften den Anstieg der Ausfuhren in realer Rechnung damit (merklich) d\u00e4mpfen. Nach Bestimmungsl\u00e4ndern stiegen die Waren-Ausfuhren sowohl in die EU-Mitgliedstaaten (+3,9 %) als auch in Drittstaaten wie den Vereinigten Staaten (+6,2 %) und China (+2,4 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber nahmen die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat saisonbereinigt leicht zu (+0,6 %). Im Mai waren sie um 2,8 % gestiegen. Im Quartalsvergleich steht ein kr\u00e4ftiger Zuwachs von 8,3 %. Bei nochmals gestiegenen Importpreisen im Juni (+1,2 %; 2. Quartal: +6,2 %) d\u00fcrfte die reale Entwicklung der Einfuhren zuletzt negativ ausgefallen sein. Die nominalen Waren-Einfuhren aus den Vereinigten Staaten sowie China fielen geringer aus als im Vormonat (-6,6 % bzw. -3,9 %), w\u00e4hrend die Einfuhren aus der EU leicht zunahmen (+0,3 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der au\u00dferordentlichen Preisdynamik im Bereich der Energietr\u00e4ger belief sich der monatliche Leistungsbilanz\u00fcberschuss Deutschlands im Juni auf au\u00dfergew\u00f6hnlich niedrige 16,2 Mrd. Euro. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren monatliche Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse von \u00fcber 20 Mrd. Euro \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Waren-Ausfuhren nach Russland stiegen im Juni gegen\u00fcber Mai saisonbereinigt um 14,5 % (Mai: +29,4 %). Gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat sanken die Waren-Ausfuhren gem\u00e4\u00df Ursprungswerten jedoch um 40,3 %. Ein Grund f\u00fcr die Steigerungsraten im Vormonatsvergleich k\u00f6nnte eine Reaktion im Bereich nicht-sanktionierter G\u00fcter wie z. B. Pharmazeutische Erzeugnisse sein. In den Monaten M\u00e4rz und April gab es m\u00f6glicherweise noch Unsicherheit zur Anwendbarkeit der Sanktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Lockdown- und Hafenstreik-bedingten Einbruch vor zwei Wochen erholt sich das aus China stammende Frachtvolumen wieder. Dennoch bleibt der weltweite Seeverkehr aufgrund von Lieferkettenst\u00f6rungen und Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen angespannt. Auch vor diesem Hintergrund haben sich die ifo Exporterwartungen im Juli erneut eingetr\u00fcbt und liegen nun erstmals seit M\u00e4rz wieder im negativen Bereich (von +3,4 auf -0,5 Saldenpunkte). Derzeit rechnen nur rund 12 % der Unternehmen mit einer Verbesserung in den n\u00e4chsten drei Monaten. Der Ausblick f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel in den kommenden Monaten f\u00e4llt zusammengenommen eher verhalten aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"die-industrie-erholt-sich-im-juni-weiter-der-ausblick-bleibt-aber-ged%c3%a4mpft\">Die Industrie erholt sich im Juni weiter; der Ausblick bleibt aber ged\u00e4mpft<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juni um 0,4 % gegen\u00fcber dem Vormonat gestiegen. Die Industrie und konnten ihren Aussto\u00df um 0,7 % erh\u00f6hen, w\u00e4hrend die Produktion im Baugewerbe um 0,8 % zur\u00fcckging. Im Bereich Energie gab es keine Ver\u00e4nderung (0,0 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb der Industrie gab es im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile ein kr\u00e4ftiges Plus von 5,5 %. Hier wurde der kriegsbedingte Einbruch im M\u00e4rz mittlerweile wieder wettgemacht, die Produktion liegt nun wieder \u00fcber ihrem Niveau zu Jahresanfang. In den anderen Bereichen der Industrie waren unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen: Im Maschinenbau steigerte sich der Aussto\u00df leicht um 0,4 %. Auch die Bereiche Papier und Pappe (+2,2 %) sowie Nahrungs- und Futtermittel (+2,0 %), die im Vormonat teils merkliche R\u00fcckg\u00e4nge gemeldet hatten, steigerten ihre Produktion. Die Herstellung von Metallerzeugnissen (-2,1 %) und chemischen Erzeugnisse (-0,7 %) ging hingegen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auftragseing\u00e4nge sind im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat um 0,4 % zur\u00fcckgegangen. In den vier Monaten zuvor waren sie bereits infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stetig gesunken. Zuletzt gab es unterdurchschnittlich wenig Gro\u00dfauftr\u00e4ge. Ohne Ber\u00fccksichtigung von Gro\u00dfauftr\u00e4gen haben sich die Ordereing\u00e4nge um 0,4 % gegen\u00fcber dem Vormonat erh\u00f6ht. Insgesamt lagen die Auftragseing\u00e4nge damit zuletzt in arbeitst\u00e4glich bereinigter Rechnung 9,0 % unter ihrem Niveau vor Vorjahresfrist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr die Abnahme im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat war eine sp\u00fcrbar gesunkene Nachfrage nach Investitionsg\u00fctern (-1,8 %). Die Produzenten von Vorleistungs- und Konsumg\u00fctern meldeten hingegen Zuw\u00e4chse um 1,2 % bzw. 1,7 %. Aus dem Inland gingen 1,1 % mehr Bestellungen ein. Die Auslandsnachfrage gab um 1,4 % nach, wobei ein kr\u00e4ftiges Orderminus aus dem Nicht-Euroraum von 4,3 % zu Buche schl\u00e4gt (Euroraum: +3,4 %). Die gewichtigen Bereiche Kfz\/Kfz-Teile und Maschinenbau verzeichneten leichte Abnahmen der Auftragseing\u00e4nge um 0,1 % bzw. 0,4 %. Der sonstige Fahrzeugbau meldete einen kr\u00e4ftigen R\u00fcckgang um 25,6 %. Zu Zuw\u00e4chsen kam es indes in den Bereichen pharmazeutische Erzeugnisse (+9,2 %), chemische Erzeugnisse (+1,1 %) und elektrische Ausr\u00fcstungen (+0,6 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Industrie als Ganzes erholte sich auch im Berichtsmonat Juni weiter von dem externen Schock, den sie durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlitten hatte. Angesichts hoher Energiepreise und der teilweise gest\u00f6rten Lieferketten zeigte sie damit ihre Widerstandskraft. Aufgrund ihrer Exportorientierung ist die deutsche Industrie \u00fcberproportional von den Handelssanktionen gegen Russland betroffen. Die Nachfrage verl\u00e4uft schwach bei abgek\u00fchltem Gesch\u00e4ftsklima. Angesichts der erh\u00f6hten Unsicherheit durch den Krieg und einer drohenden Gasknappheit bleibt der Ausblick f\u00fcr die Industriekonjunktur im zweiten Halbjahr zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"einzelhandelsumsatz-hat-im-vorjahresvergleich-kr%c3%a4ftig-abgenommen\">Einzelhandelsumsatz hat im Vorjahresvergleich kr\u00e4ftig abgenommen<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Einzelhandel ohne Kfz haben sich die Ums\u00e4tze im Juni gegen\u00fcber dem Vormonat um 1,6 % verringert, nachdem sie im Mai um 1,2 % gestiegen waren. Die Ums\u00e4tze lagen damit zuletzt um 8,8 % unter ihrem Niveau von einem Jahr zuvor; dies ist die st\u00e4rkste Abnahme binnen Jahresfrist seit dem Jahr 1994, als die Erhebung der Zeitreihe begonnen wurde. Hauptgrund daf\u00fcr sind die hohen Preisniveausteigerungen im Einzelhandel. So kam es in nominaler Rechnung, also ohne Preisbereinigung, binnen Jahresfrist lediglich zu einem Umsatzr\u00fcckgang von 0,8 %. Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnete im Juni im Vergleich zum Vormonat einen realen Umsatzr\u00fcckgang von 0,6 % (gg\u00fc. Vorjahresmonat -7,2 %) und damit das tiefste Niveau seit Juni 2016. Neben stark gestiegenen Preisen k\u00f6nnte auch das kr\u00e4ftige Umsatzplus in der Gastronomie von 8,6 % den Lebensmittelhandel negativ beeinflusst haben. Beim Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren setzte sich die im bisherigen Jahresverlauf zu beobachtende aufw\u00e4rtsgerichtete Tendenz nicht fort. Er meldete ein deutliches Minus von 5,4 % (gg\u00fc. Vorjahresmonat -10,1 %). Auch im Internet- und Versandhandel verlief die Entwicklung schwach. Er hatte im Juni den st\u00e4rksten R\u00fcckgang gegen\u00fcber dem Vormonat seit 1994 von 3,8 % zu verbuchen (gg\u00fc. Vorjahresmonat -15,1 %). An den Tankstellen kam es im Zuge der Einf\u00fchrung des Tankrabatts im Juni zu einem Umsatzplus von 6,4 % (gg\u00fc. Vorjahr -8,0 %) Bei den Neuzulassungen von Pkw durch private Halter ergab sich im Juli erneut eine Zunahme um 1,4 %, nachdem sie bereits in den beiden Vormonaten merklich zugelegt hatten (Juni: +2,6 %; Mai: +5,9 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konsumklima setzte gem\u00e4\u00df der beiden g\u00e4ngigen Fr\u00fchindikatoren seine Talfahrt aufgrund der sehr kr\u00e4ftigen Steigerungen bei den Preisen f\u00fcr Energie- und Lebensmittel weiter fort: F\u00fcr das GfK Konsumklima wird f\u00fcr August wieder ein neuer historischer Tiefststand prognostiziert. Auch die ifo Gesch\u00e4ftserwartungen im Einzelhandel tr\u00fcbten sich im Juli weiter merklich ein. Der Saldo der Meldungen erreicht nunmehr ein sehr niedriges Niveau.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"inflationsrate-erneut-leicht-r%c3%bcckl%c3%a4ufig\">Inflationsrate erneut leicht r\u00fcckl\u00e4ufig<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Niveau der Verbraucherpreise ist im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat um 0,9 % gestiegen, was vor allem auf einen deutlichen Preisanstieg bei Pauschalreisen (+15,2 %) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich wieder sp\u00fcrbar (+2,3 %). Die Preise f\u00fcr Energie gingen indes leicht zur\u00fcck (-0,3 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inflationsrate, also die Entwicklung des Preisniveaus binnen Jahresfrist, ging im Juli zum zweiten Mal hintereinander auf 7,5 % leicht zur\u00fcck. Dies entspricht einer Abnahme um 0,1 Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Vormonat (Juni: +7,6 %). Im Mai hat die Rate mit +7,9 % ihren bisherigen H\u00f6chstwert seit dem Winter 1973\/74 zu Zeiten der ersten \u00d6lkrise erreicht. Zu Beginn des Jahres hatte sie allerdings noch unter 5 % gelegen. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr das hohe Niveau der Inflationsrate ist nach wie vor die sehr starke Teuerung bei den Energieprodukten (+35,5 %, Juni: 38,0 %). Das Neun-Euro-Ticket und der Tankrabatt wirken seit Juni leicht d\u00e4mpfend auf die Inflation. Im Juli wurde zudem die EEG-Umlage abgeschafft. Der Anstieg der Preise f\u00fcr Nahrungsmittel verzeichnete jedoch mit +14,8 % ein neues Allzeithoch seit der Wiedervereinigung (Juni: +12,7 %). Auch von den Preisen f\u00fcr Pauschalreisen ging erneut ein sp\u00fcrbarer Impuls auf die Inflationsrate aus (+10,1 %). Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im Juli unver\u00e4ndert bei +3,2 %. Im Vergleich zur Inflation insgesamt ist das eine eher geringe Rate, zu Beginn des Jahres hatte sie jedoch noch unter 3 % gelegen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit bei den russischen Gaslieferungen ist in den kommenden Monaten weiterhin mit einem starken Preisdruck bei Energie und deshalb auf absehbare Zeit mit hohen Inflationsraten zu rechnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"arbeitsmarkt-vorerst-stabil-fluchtmigration-erh%c3%b6ht-arbeitslosigkeit\">Arbeitsmarkt vorerst stabil, Fluchtmigration erh\u00f6ht Arbeitslosigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin vergleichsweise robust, auch wenn die Fluchtmigration aus der Ukraine sich erneut deutlich auf die Arbeitslosigkeit auswirkt. Die registrierte Arbeitslosigkeit erh\u00f6hte sich im Juli saisonbereinigt nochmal kr\u00e4ftig um 48.000 Personen. Der Anstieg ist auf ukrainische Gefl\u00fcchtete zur\u00fcckzuf\u00fchren, die seit Juni in der Grundsicherung erfasst werden. In Ursprungswerten nahm die registrierte Arbeitslosigkeit um 107.000 auf 2,47 Mio. Personen zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren aber immer noch 120.000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Bei Erwerbst\u00e4tigkeit und sozialversicherungspflichtiger Besch\u00e4ftigung setzte sich der bisherige positive Verlauf weiter fort. Die Erwerbst\u00e4tigkeit erh\u00f6hte sich im Juni saisonbereinigt um 24.000 Personen. In Ursprungswerten waren damit 45,6 Millionen Menschen erwerbst\u00e4tig, 610.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Bei der sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigung gab es im Mai ein deutliches Plus von 45.000 Personen. Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit lag im Mai bei rund 0,33 Mio. Personen und damit nochmals merklich niedriger als im Vormonat. Auch die Anzeigen gingen weiter zur\u00fcck. Die Zahl der offenen Stellen stieg f\u00fcr das gesamten zweiten Quartal auf ein Allzeithoch. Nahezu alle Branchen meldeten steigenden Personalbedarf. Die Fr\u00fchindikatoren fallen am aktuellen Rand verhalten aus. Laut Umfragen sind die Unternehmen zur\u00fcckhaltender bei der Schaffung neuer Stellen, dennoch liegt die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften weiter auf sehr hohem Niveau. Die Fluchtmigration d\u00fcrfte auch in den kommenden Monaten zu weiteren Anstiegen bei der Arbeitslosigkeit f\u00fchren, ihre Intensit\u00e4t aber abnehmen. Das gr\u00f6\u00dfte Risiko f\u00fcr den Arbeitsmarkt ist ein Gaslieferstopp aus Russland, der zu einem R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit f\u00fchren d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"weiterhin-kein-signifikanter-anstieg-der-insolvenzen\">Weiterhin kein signifikanter Anstieg der Insolvenzen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen der vergangenen beiden Jahre h\u00e4lt weiterhin an und die Zahlen bleiben auch im Jahr 2022 bisher weiter unter Vorjahresniveau. In den ersten f\u00fcnf Monaten des Jahres 2022 lagen die beantragten Unternehmensinsolvenzen um etwa 4 % unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen als Fr\u00fchindikator f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Insolvenzentwicklung ist nach vorl\u00e4ufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli 2022 um -4,2 % gegen\u00fcber dem Vormonat gesunken. Damit setzte sich der bereits im Juni 2022 beobachtete R\u00fcckgang (-7,6 % gg\u00fc. Mai 2022) weiter fort. Ein signifikanter Anstieg der Insolvenzen ist derzeit nicht in Sicht, allerdings stellen die Folgen des Kriegs in der Ukraine ein zus\u00e4tzliches Risiko f\u00fcr die Unternehmen dar, dessen Auswirkungen auf das Insolvenzgeschehen im weiteren Jahresverlauf nur schwer abzusch\u00e4tzen sind. Experten des IW Halle rechnen aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds f\u00fcr das Gesamtjahr 2022 mit einem etwas h\u00f6heren Insolvenzaufkommen als im Vorjahr.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><object class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-bc03ce4f-349a-4b69-947f-1315ef63ba16\" href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022.pdf\">wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022<\/a><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-august-2022.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-bc03ce4f-349a-4b69-947f-1315ef63ba16\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><em>Quelle: BMWK, Pressemitteilung vom 12.08.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr als widerstandsf\u00e4hig erwiesen. 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