{"id":68531,"date":"2022-09-11T09:50:50","date_gmt":"2022-09-11T07:50:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=68531"},"modified":"2022-09-11T09:50:50","modified_gmt":"2022-09-11T07:50:50","slug":"vorsteuerberichtigung-nach-%c2%a7-15a-ustg-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/vorsteuerberichtigung-nach-%c2%a7-15a-ustg-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten\/","title":{"rendered":"Vorsteuerberichtigung nach \u00a7 15a UStG bei Aufgabe nur einer von mehreren T\u00e4tigkeiten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ver\u00f6ffentlichung des EuGH-Urteils vom 9. Juli 2020, C-374\/19, Finanzamt Bad Neuenahr-Ahrweiler, und des BFH-Urteils vom 27. Oktober 2020 \u2013 V R 20\/20 (V R 61\/17)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf ein Vorlageersuchen des BFH hat der EuGH mit Urteil vom 9. Juli 2020, C-374\/19, Finanzamt Bad Neuenahr-Ahrweiler, BStBl II 2022 S. xxx, entschieden, dass das Unionsrecht einer nationalen Regelung nicht entgegenstehe, nach der ein Steuerpflichtiger, der das Recht erworben hat, die auf die Errichtung einer zur Nutzung sowohl f\u00fcr besteuerte als auch f\u00fcr steuerbefreite Ums\u00e4tze bestimmten Cafeteria im Anbau eines von ihm umsatzsteuerfrei betriebenen Alten- und Pflegeheims entfallende Vorsteuer anteilig abzuziehen, zur Berichtigung des urspr\u00fcnglichen Vorsteuerabzugs verpflichtet ist, wenn er jeglichen besteuerten Umsatz in den R\u00e4umlichkeiten dieser Cafeteria eingestellt hat, sofern er weiterhin steuerbefreite Ums\u00e4tze in diesen R\u00e4umlichkeiten get\u00e4tigt und diese somit nunmehr ausschlie\u00dflich f\u00fcr diese Ums\u00e4tze genutzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinem Folgeurteil vom 27. Oktober 2020 \u2013 V R 20\/20 (V R 61\/17), BStBl II 2022 S. xxx, hat der BFH daraufhin entschieden, dass bei einem Gegenstand, den der Unternehmer zun\u00e4chst gemischt f\u00fcr steuerpflichtige und steuerfreie Ums\u00e4tze genutzt hatte und bei dem die Verwendung f\u00fcr die steuerpflichtigen Ums\u00e4tze entf\u00e4llt, w\u00e4hrend der Unternehmer die Verwendung f\u00fcr die steuerfreien Ums\u00e4tze fortsetzt, dies zu einer Vorsteuerberichtigung nach \u00a7 15a UStG f\u00fchren k\u00f6nne. Demgegen\u00fcber bewirke der blo\u00dfe Leerstand ohne Verwendungsabsicht keine \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unter Bezugnahme auf das Ergebnis der Er\u00f6rterungen mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder wird hierzu folgende Auffassung vertreten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der EuGH hat im Urteil C-374\/19 best\u00e4tigt, dass bei einer urspr\u00fcnglichen Nutzung der R\u00e4umlichkeiten einer Cafeteria sowohl f\u00fcr besteuerte T\u00e4tigkeiten als auch f\u00fcr steuerbefreite T\u00e4tigkeiten der Wegfall der besteuerten T\u00e4tigkeit bei ausschlie\u00dflicher Nutzung der R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die steuerbefreite T\u00e4tigkeit ein Anwendungsfall des \u00a7 15a UStG sein kann.<\/li><li>Auch der BFH ist im Folgeurteil V R 20\/20 (V R 61\/17) dieser Entscheidung im Grundsatz gefolgt. Lediglich aufgrund der besonderen Umst\u00e4nde des Einzelfalles ist er zu dem Ergebnis gekommen, dass bei dem streitigen Sachverhalt m\u00f6glicherweise ausnahmsweise doch keine Berichtigung des Vorsteuerabzuges nach \u00a7 15a UStG durchzuf\u00fchren war, weshalb er die Sache zur weiteren Sachverhaltsaufkl\u00e4rung an das Finanzgericht zur\u00fcckverwiesen hat.<\/li><li>Im Streitfall hing eine \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse demnach davon ab, ob die verfahrensgegenst\u00e4ndliche Cafeteria st\u00e4ndig verschlossen gewesen war und nur anl\u00e4sslich der (auch in den Vorjahren erfolgten) Nutzung f\u00fcr einzelne Veranstaltungen im Zusammenhang mit steuerfreien Ums\u00e4tzen ge\u00f6ffnet worden ist. In diesem Fall liegt keine Nutzungs\u00e4nderung der Cafeteria hinsichtlich der aufgegebenen T\u00e4tigkeit vor, sondern weiterhin eine zum Vorsteuerabzug berechtigende erfolglose Investition.<\/li><li>F\u00fcr den Fall jedoch, dass die Cafeteria jederzeit offenstand und damit potenziell h\u00e4tte genutzt werden k\u00f6nnen, liegt eine tats\u00e4chliche Nutzung nur noch f\u00fcr steuerfreie Ums\u00e4tze und damit eine \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse i. S. v. \u00a7 15a UStG vor. Eine derartige Entscheidung kann nur unter Beachtung aller Umst\u00e4nde des Einzelfalles getroffen werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im UStAE werden n in Abschnitt 15a.2 Abs. 8 folgende S\u00e4tze 4 bis 6 angef\u00fcgt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u201e4Bei einer urspr\u00fcnglich gemischten Verwendung im Sinne des \u00a7 15 Abs. 4 UStG, bei der eine T\u00e4tigkeit aufgegeben wird (z. B. die zum Vorsteuerabzug berechtigende) und das Wirtschaftsgut nunmehr ausschlie\u00dflich f\u00fcr Zwecke der beibehaltenen T\u00e4tigkeit (z. B. der nicht zum Vorsteuerabzug berechtigenden) genutzt wird, ist grunds\u00e4tzlich von einer \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse im Sinne von \u00a7 15a UStG auszugehen (vgl. EuGH-Urteil vom 9. 7. 2020, C-374\/19, Finanzamt Bad Neuenahr-Ahrweiler, BStBl II 2022 S. xxx). 5Es ist jedoch unter Beachtung aller Umst\u00e4nde des Einzelfalles zu pr\u00fcfen, ob im Anschluss ausnahmsweise eine nur punktuelle Verwendung des betroffenen Wirtschaftsgutes im Rahmen der beibehaltenen T\u00e4tigkeit und im \u00dcbrigen nunmehr ohne Zweifel eine Nichtnutzung (z. B. ein Leerstand) ohne Verwendungsabsicht vorliegt. 6Im Umfang einer derartigen Nichtnutzung liegt keine \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse im Sinne von \u00a7 15a UStG vor (vgl. BFH-Urteil vom 27. 10. 2020 \u2013 V R 20\/20 (V R 61\/17), BStBl II 2022 S. xxx).\u201c<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grunds\u00e4tze dieses Schreibens sind in allen offenen F\u00e4llen anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Schreiben wird im Bundessteuerblatt Teil I ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2022-09-01-vorsteuerberichtigung-nach-paragraf-15a-UStG-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Einbettung von 2022-09-01-vorsteuerberichtigung-nach-paragraf-15a-UStG-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten..\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-eab3fec4-3c5b-43a4-985f-2bdb7e39be9d\" href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2022-09-01-vorsteuerberichtigung-nach-paragraf-15a-UStG-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten.pdf\">2022-09-01-vorsteuerberichtigung-nach-paragraf-15a-UStG-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten<\/a><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/2022-09-01-vorsteuerberichtigung-nach-paragraf-15a-UStG-bei-aufgabe-nur-einer-von-mehreren-taetigkeiten.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-eab3fec4-3c5b-43a4-985f-2bdb7e39be9d\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: BMF, Schreiben (koordinierter L\u00e4ndererlass) III C 2 &#8211; S-7316 \/ 19 \/ 10002 :001 vom 01.09.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00f6ffentlichung des EuGH-Urteils vom 9. 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