{"id":68720,"date":"2022-09-23T12:18:41","date_gmt":"2022-09-23T10:18:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=68720"},"modified":"2022-09-23T12:18:41","modified_gmt":"2022-09-23T10:18:41","slug":"bverfg-mehrstoeckige-anwaltsgesellschaften-sind-zulaessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bverfg-mehrstoeckige-anwaltsgesellschaften-sind-zulaessig\/","title":{"rendered":"BVerfG: Mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften sind zul\u00e4ssig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsbeschwerde einer Partnerschaftsgesellschaft und einer Rechtsanwalts-GmbH nicht zur Entscheidung angenommen, die gemeinsam eine doppelst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaft gr\u00fcnden wollten. Es h\u00e4lt jedoch ausdr\u00fccklich fest, dass nach der gro\u00dfen BRAO-Reform mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften zul\u00e4ssig sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat in einem j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Beschluss (Az. 1 BvR 1072\/17) entschieden, die Verfassungsbeschwerde einer Rechtsanwalts-Partnerschaftsgesellschaft mit beschr\u00e4nkter Berufshaftung (PartmbB) und einer Rechtsanwalts-GmbH nicht zur Entscheidung anzunehmen. Diese wollten eine doppelst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaft bilden, indem die drei Gesellschafter der GmbH s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsanteile an die PartmbB \u00fcbertrugen. Die zust\u00e4ndige Rechtsanwaltskammer entzog daraufhin der GmbH die Zulassung, weil eine PartmbB als einzige Gesellschafterin nicht mit den gesetzlichen Bestimmungen \u00fcber m\u00f6gliche Gesellschafter einer Rechtsanwaltsgesellschaft (\u00a7 59e I 1 und 2 BRAO a. F.) vereinbar sei. Die dagegen gerichtete Klage hatte vor dem Anwaltsgerichtshof Baden-W\u00fcrttemberg keinen Erfolg, die Berufung wies der Anwaltssenat des BGH zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen wandten sich die beiden Anwaltsgesellschaften mit ihrer Verfassungsbeschwerde. Diese bezog sich noch auf die vor Inkrafttreten der \u201egro\u00dfen BRAO-Reform\u201c zum 01.08.2022 geltende Rechtslage. In ihrer urspr\u00fcnglichen Stellungnahme hatte die BRAK den beabsichtigten Zusammenschluss \u2013 ausgehend vom damals geltenden Recht \u2013 f\u00fcr unzul\u00e4ssig gehalten. Die Beschr\u00e4nkung des Gesellschafterkreises einer Rechtsanwalts-GmbH in \u00a7 59e I 1 BRAO a. F. auf nat\u00fcrliche Personen h\u00e4lt sie f\u00fcr verfassungsrechtlich gerechtfertigt. Der Gesetzgeber habe intendiert, mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Anfrage des BVerfG nahm die BRAK zudem zu der Frage Stellung, wie sich die \u201egro\u00dfe BRAO-Reform\u201c auf die Verfassungsbeschwerde auswirkt. Die Reform, die zum 01.08.2022 in Kraft getreten ist, bringt u. a. umfassende \u00c4nderungen des Gesellschaftsrechts der rechts- und steuerberatenden Berufe mit sich. \u00a7 59i BRAO n. F. l\u00e4sst nunmehr auch Beteiligungen von Rechtsanwaltsgesellschaften an anderen Rechtsanwaltsgesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen zu. Aus Sicht der BRAK l\u00e4sst die Neuregelung des anwaltlichen Gesellschaftsrechts die Zul\u00e4ssigkeit der Verfassungsbeschwerde nicht entfallen. Auch nach der Neuregelung ist das von den Beteiligten angestrebte Beteiligungsverh\u00e4ltnis nicht erlaubt; die von der Verfassungsbeschwerde aufgeworfenen Fragen w\u00fcrden sich also bei einem neuerlichen Antrag auf Zulassung der mehrst\u00f6ckigen Gesellschaft identisch stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat es im Ergebnis auch das BVerfG gesehen. Die \u2013 mittelbar \u2013 angegriffene Bestimmung des \u00a7 59e I 1 BRAO a.F. h\u00e4lt das Gericht f\u00fcr verfassungsgem\u00e4\u00df. Eine Verletzung der Grundrechte der Beschwerdef\u00fchrerinnen aus Art. 12 I und 3 I GG i. V. m. Art. 19 III GG ergebe sich daraus nicht. Der Kreis der zul\u00e4ssigen Gesellschafter sei nach \u00a7 59a I BRAO a.F. im Grundsatz auf nat\u00fcrliche Personen beschr\u00e4nkt und die Rechtsanwaltsgesellschaft gem. \u00a7 59e Abs. 1 Satz 2 BRAO a. F. als eine Berufsaus\u00fcbungsgesellschaft gestaltet gewesen, sodass eine \u201emehrst\u00f6ckige Gesellschaft\u201c nicht zulassungsf\u00e4hig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das BVerfG h\u00e4lt jedoch ausdr\u00fccklich fest, dass der neue \u00a7 59i I 1 BRAO die Beteiligung von zugelassenen Berufsaus\u00fcbungsgesellschaften an anderen Berufsaus\u00fcbungsgesellschaften gestatte. Weder der Wortlaut der Norm noch die Gesetzesbegr\u00fcndung spr\u00e4chen dagegen. Damit sendet das BVerfG das klare Signal, dass mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften nunmehr zul\u00e4ssig sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: BRAK, Mitteilung vom 21.09.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsbeschwerde einer Partnerschaftsgesellschaft und einer Rechtsanwalts-GmbH nicht zur Entscheidung angenommen, die gemeinsam eine doppelst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaft gr\u00fcnden wollten. Es h\u00e4lt jedoch ausdr\u00fccklich fest, dass nach der gro\u00dfen BRAO-Reform mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften zul\u00e4ssig sind. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat in einem j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Beschluss (Az. 1 BvR 1072\/17) entschieden, die Verfassungsbeschwerde einer Rechtsanwalts-Partnerschaftsgesellschaft mit beschr\u00e4nkter &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bverfg-mehrstoeckige-anwaltsgesellschaften-sind-zulaessig\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BVerfG: Mehrst\u00f6ckige Anwaltsgesellschaften sind zul\u00e4ssig<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-68720","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68720"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68720\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}