{"id":69191,"date":"2022-11-04T16:55:12","date_gmt":"2022-11-04T14:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=69191"},"modified":"2022-11-04T16:55:12","modified_gmt":"2022-11-04T14:55:12","slug":"steuereinnahmen-wachsen-2023-trotz-erwarteter-rezession-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/steuereinnahmen-wachsen-2023-trotz-erwarteter-rezession-warum\/","title":{"rendered":"Steuereinnahmen wachsen 2023 trotz erwarteter Rezession \u2013 warum?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die deutsche Wirtschaft wird 2023 schrumpfen: Unternehmen machen weniger Gewinne, vor allem bedingt durch die hohen Energiekosten. Doch bei den Steuereinnahmen erwarten die Steuersch\u00e4tzer \u2013 anders als bei der Finanzkrise 2009 oder der Corona-Pandemie 2020 \u2013 f\u00fcr das kommende Jahr weiter ein Plus. Wie kann das sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie stark der f\u00fcr 2023 prognostizierte konjunkturelle Einbruch sein wird, dar\u00fcber gehen die Meinungen noch auseinander. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommt als Vorlage f\u00fcr den Arbeitskreis \u201eSteuersch\u00e4tzung\u201c die eher optimistische Annahme, dass das Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,4 Prozent sinken wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Steuersch\u00e4tzer haben am 27. Oktober ihre Prognosen zu den Auswirkungen vorgelegt. Demnach wird das Steueraufkommen des Staates in diesem Jahr mit 887,7 Milliarden Euro lediglich um 1,6 Milliarden Euro niedriger ausfallen als im Mai erwartet. Trotz der vorausgesagten Rezession soll das Steueraufkommen im kommenden Jahr sogar st\u00e4rker steigen als noch im Mai prognostiziert. Im Mai wurde ein Zuwachs von gut 39 Milliarden Euro von 2022 auf 2023 prophezeit, jetzt sagen die Steuersch\u00e4tzer ein Plus von sogar 49,6 auf 937,3 Milliarden Euro voraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch f\u00fcr die Jahre nach 2023 wird eine weitere Zunahme der gesamtstaatlichen Steuereinnahmen erwartet \u2013 auf den H\u00f6chstwert von 1.115 Milliarden Euro im Jahr 2027, dem letzten Jahr des von den Steuersch\u00e4tzern in den Blick genommenen Zeitraums.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"vor-allem-die-hohe-inflation-f%c3%bcllt-die-staatskassen\">Vor allem die hohe Inflation f\u00fcllt die Staatskassen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wieso steigen die Steuereinnahmen trotz der Rezession? Das liegt vor allem an den hohen Inflationsraten. Die auch f\u00fcr 2023 vorausgesagten hohen Inflationsraten sorgen f\u00fcr ein weiter steigendes Umsatzsteueraufkommen \u2013 die h\u00f6heren Preise belasten die Verbraucher, kommen aber dem Fiskus zugute \u2013 trotz der vorhergesagten Konsumzur\u00fcckhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das Aufkommen der Lohn- und Einkommensteuer steigt angesichts stabiler Besch\u00e4ftigung und nominaler Gehaltszuw\u00e4chse. Hier will die Bundesregierung zwar eine Anpassung des Steuertarifs vornehmen, um so die Effekte der sog. kalten Progression abzumildern. Weil das Gesetz aber noch nicht beschlossen ist, werden die daraus resultierenden gesamtstaatlichen Mindereinnahmen in der aktuellen Sch\u00e4tzung noch nicht ber\u00fccksichtigt. Laut Gesetzentwurf der Bundesregierung betragen die Mindereinnahmen aus der Anpassung des Einkommensteuertarifs bis 2027 immerhin jedes Jahr 17,8 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umsatz- und Einkommensteuer machen immerhin gut 60 Prozent des gesamtstaatlichen Steueraufkommens aus. Weil auch bei den Gewinnsteuern der Unternehmen (K\u00f6rperschaft- und Gewerbesteuer) ein leichtes Plus vorausgesagt wird, ergibt sich unter dem Strich trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage ein Plus bei den gesamten Steuereinnahmen des Staates.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"ende-des-immobilienbooms-zulasten-der-l%c3%a4nderkassen\">Ende des Immobilienbooms zulasten der L\u00e4nderkassen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weniger Einnahmen als zuletzt erwartet wird der Fiskus in diesem und den kommenden Jahren aus der Grunderwerbsteuer erzielen. Hohe Immobilienpreise, gestiegene Zinsen f\u00fcr Baufinanzierungen sowie der Fachkr\u00e4ftemangel f\u00fchren zunehmend zu Stornierungen von Bauprojekten, auch seitens gewerblicher Kunden. Das belastet die Haushalte der L\u00e4nder, denn sie sind die Empf\u00e4nger der Grunderwerbsteuer. Doch zugleich profitieren auch sie von dem st\u00e4rker steigenden Einkommens- und Umsatzsteueraufkommen. In der Summe wird die Einnahmesituation der L\u00e4nder in den n\u00e4chsten Jahren angespannter ausfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das d\u00fcrfte sich auch auf die Haushalte der Gemeinden auswirken, deren Mittelausstattung die L\u00e4nder sicherstellen m\u00fcssen. Das ist f\u00fcr die Wirtschaft wichtig, wird doch von den Gemeinden ein \u00fcberwiegender Teil der \u00f6ffentlichen Investitionen gestemmt. F\u00fcr die wichtigste eigene Einnahmequelle der Kommunen, die Gewerbesteuer, sagen die Steuersch\u00e4tzer zwar in den kommenden Jahren ein stetiges Plus voraus. Das wird aber auch nur dann so eintreten, wenn die Unternehmen gut durch die aktuelle Energiekrise kommen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"neue-priorit%c3%a4ten-stabilisieren-und-investieren\">Neue Priorit\u00e4ten: stabilisieren und investieren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00f6chste Priorit\u00e4t hat aktuell die Sicherung der Energieversorgung. Die Bundesregierung hat daf\u00fcr in Form des reaktivierten Wirtschafts- und Stabilisierungsfonds ein weiteres Sonderverm\u00f6gen in H\u00f6he von bis zu 200 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. F\u00fcr die entsprechenden Kredite m\u00fcssen zuk\u00fcnftig Tilgungs- und Zinsleistungen aufgebracht werden. Das gilt gleicherma\u00dfen f\u00fcr die im Zuge der Corona-Pandemie aufgenommenen Nettokredite des Bundes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umso wichtiger ist es, klare Priorit\u00e4ten auf der Ausgabenseite \u00f6ffentlicher Haushalte zu setzen. Schwerpunkte sollten dabei die Beschleunigung der Digitalisierung und des Transformationsprozesses der deutschen Wirtschaft sein. Auch die Stabilisierungshilfen f\u00fcr Unternehmen, die angesichts der stark gestiegenen Energiekosten um ihre Existenz k\u00e4mpfen, d\u00fcrfen keinesfalls aus dem Blick geraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: DIHK, Mitteilung vom 28.10.2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft wird 2023 schrumpfen: Unternehmen machen weniger Gewinne, vor allem bedingt durch die hohen Energiekosten. Doch bei den Steuereinnahmen erwarten die Steuersch\u00e4tzer \u2013 anders als bei der Finanzkrise 2009 oder der Corona-Pandemie 2020 \u2013 f\u00fcr das kommende Jahr weiter ein Plus. Wie kann das sein? 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