{"id":70475,"date":"2023-02-19T18:21:20","date_gmt":"2023-02-19T16:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=70475"},"modified":"2023-02-19T18:21:20","modified_gmt":"2023-02-19T16:21:20","slug":"rechtswidrige-ermessensentscheidung-aufgrund-erstmals-im-klageverfahren-vorgetragener-umstaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/rechtswidrige-ermessensentscheidung-aufgrund-erstmals-im-klageverfahren-vorgetragener-umstaende\/","title":{"rendered":"Rechtswidrige Ermessensentscheidung aufgrund erstmals im Klageverfahren vorgetragener Umst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der 4. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat mit Urteil vom 19. Dezember 2022 (Az. 4 K 1158\/20 L) entschieden, dass im Klageverfahren gegen einen Haftungsbescheid vom Haftungsschuldner erstmals vorgetragene Umst\u00e4nde dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass sich die vom Finanzamt getroffene Ermessensentscheidung als rechtswidrig erweist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger wurde vom Finanzamt als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer GmbH f\u00fcr deren Steuerr\u00fcckst\u00e4nde nach \u00a7 69 AO in Haftung genommen. Nachdem er im Einspruchsverfahren gegen\u00fcber dem Finanzamt nicht den vollst\u00e4ndigen Sachverhalt dargelegt hatte, gab er im Klageverfahren erstmals wahrheitsgem\u00e4\u00df an, dass er lediglich als sog. Strohmann fungiert habe und tats\u00e4chlich von einem faktischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ausgeschlossen gewesen sei. Ferner stellte sich im Klageverfahren heraus, dass der Kl\u00e4ger seine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerstellung bereits vor Beginn des Haftungszeitraums aufgrund rechtskr\u00e4ftiger Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung kraft Gesetzes verloren hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 4. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat der Klage stattgegeben. Er hat bei seiner Entscheidung offen gelassen, ob bereits die Tatbestandsvoraussetzungen einer Haftungsinanspruchnahme des Kl\u00e4gers wegen des Wegfalls seiner nominellen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerstellung entfallen sind. Jedenfalls habe sich die Ermessensentscheidung des Finanzamts nachtr\u00e4glich als fehlerhaft erwiesen. Dem Finanzamt sei zwar keine Ermittlungspflichtverletzung vorzuwerfen, weil vielmehr der Kl\u00e4ger vers\u00e4umt habe, den Sachverhalt im Einspruchsverfahren vollst\u00e4ndig und zutreffend darzulegen. Dies f\u00fchre jedoch nicht dazu, dass nachtr\u00e4glich bekannt gewordene Umst\u00e4nde nicht mehr ber\u00fccksichtigt werden d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielmehr sei der im Haftungsbescheid getroffenen Ermessensentscheidung im Klageverfahren in zweifacher Hinsicht der Boden entzogen worden. Durch die rechtskr\u00e4ftige Verurteilung des Kl\u00e4gers wegen Insolvenzverschleppung habe er sein Amt als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer kraft Gesetzes verloren. Der Rechtsschein des Handelsregisters, in dem er weiterhin als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eingetragen war, reiche f\u00fcr eine Haftung nach \u00a7 69 AO nicht aus. Ferner habe das Finanzamt sein ihm wegen der Existenz eines faktischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers zustehendes Auswahlermessen nicht erkannt. Diese neu bekannt gewordenen Umst\u00e4nde seien geeignet, eine f\u00fcr den Kl\u00e4ger g\u00fcnstigere Ermessensentscheidung zumindest zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vom Senat zugelassene Revision ist beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VII R 4\/23 anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 15.02.2023 zum Urteil 4 K 1158\/20 L vom 19.12.2022 (nrkr &#8211; BFH-Az.: VII R 4\/23)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 4. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat mit Urteil vom 19. Dezember 2022 (Az. 4 K 1158\/20 L) entschieden, dass im Klageverfahren gegen einen Haftungsbescheid vom Haftungsschuldner erstmals vorgetragene Umst\u00e4nde dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass sich die vom Finanzamt getroffene Ermessensentscheidung als rechtswidrig erweist. 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