{"id":70641,"date":"2023-03-12T17:44:09","date_gmt":"2023-03-12T15:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=70641"},"modified":"2023-03-12T17:44:09","modified_gmt":"2023-03-12T15:44:09","slug":"niedrige-grunderwerbsteuer-foerdert-neubau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/niedrige-grunderwerbsteuer-foerdert-neubau\/","title":{"rendered":"Niedrige Grunderwerbsteuer f\u00f6rdert Neubau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine niedrige Grunderwerbsteuer macht sich bezahlt. Sie f\u00fchrt zu einem vermehrten Wohnungsbau der Privatwirtschaft, der die L\u00e4nder g\u00fcnstiger kommt, als \u00fcber h\u00f6here Grunderwerbsteuers\u00e4tze staatlichen Neubau in gleichem Umfang zu finanzieren. Dies zeigt eine Analyse des IfW Kiel anhand der beiden Bundesl\u00e4nder Bayern und Sachsen, die ihre Grundsteuer im Gegensatz zu allen anderen Bundesl\u00e4ndern bislang noch nie erh\u00f6ht haben. \u201eEine Reduktion der Grunderwerbsteuers\u00e4tze d\u00fcrfte die Wohnungsbaut\u00e4tigkeit anregen, die derzeit angesichts der Zinswende ins Stocken geraten ist\u201c, sagt Autor Jens Boysen-Hogrefe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut einem Kiel Policy Brief (\u201eZum Einfluss der Grunderwerbsteuer auf den Wohnungsneubau in Deutschland\u201c) werden in Bayern und Sachsen mit ihren niedrigen Grunderwerbsteuern deutlich mehr neue Wohnungen gebaut als in vergleichbaren L\u00e4ndern mit h\u00f6heren S\u00e4tzen. \u00dcber die Jahre 2011 bis 2020 lagen die Bauinvestitionen in Bayern durchschnittlich um 8 Prozent, in Sachsen um 11 Prozent h\u00f6her. Seit die L\u00e4nder seit 2007 selbst \u00fcber die H\u00f6he der Grundsteuer entscheiden k\u00f6nnen, haben Bayern und Sachsen als einzige ihre S\u00e4tze nicht angehoben, sondern auf 3,5 Prozent belassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus methodischen Gr\u00fcnden dient als Vergleich ein fiktives Bundesland, zusammengesetzt aus jeweils strukturell \u00e4hnlichen L\u00e4ndern mit h\u00f6heren Grunderwerbsteuers\u00e4tzen. Im Fall von Bayern sind dies Baden-W\u00fcrttemberg (Grunderwerbsteuer 5 %), Niedersachsen (5 %) und Nordrhein-Westfalen (6,5 %), im Fall von Sachsen sind es Brandenburg (6,5 %), Mecklenburg-Vorpommern (6 %), Sachsen-Anhalt (5 %) und Th\u00fcringen (6,5 %).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Differenz bei den Bauinvestitionen folgt mit etwas Verz\u00f6gerung der Differenz bei der Grunderwerbsteuer zwischen Bayern bzw. Sachsen und ihren Vergleichsl\u00e4ndern, die die S\u00e4tze im Lauf der Jahre immer weiter angehoben haben. Der h\u00f6here Abstand der s\u00e4chsischen Bauinvestitionen gegen\u00fcber Bayern korreliert mit den insgesamt h\u00f6heren Grunderwerbsteuers\u00e4tzen der s\u00e4chsischen Vergleichsl\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Baut\u00e4tigkeit war in den beiden L\u00e4ndern mit weiterhin niedriger Grunderwerbsteuer merklich h\u00f6her. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Anhebung der Grunderwerbsteuers\u00e4tze in den Vergleichsl\u00e4ndern die private Wohnungsbaut\u00e4tigkeit belastet hat\u201c, sagt Autor Jens Boysen-Hogrefe, stv. Direktor des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum am IfW Kiel.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-landerfinanzausgleich-setzt-anreiz-fur-hohe-grunderwerbsteuer\">L\u00e4nderfinanzausgleich setzt Anreiz f\u00fcr hohe Grunderwerbsteuer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Analyse zeigt au\u00dferdem, dass Mehreinnahmen durch eine Erh\u00f6hung der Grunderwerbsteuer in der Regel bei Weitem nicht ausreichen, um damit in dem Umfang staatlichen Wohnungsbau zu finanzieren, wie er durch die Erh\u00f6hung privatwirtschaftlich verloren geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4tten Bayern und Sachsen ihre Grunderwerbsteuers\u00e4tze im gleichen Ausma\u00df erh\u00f6ht wie die Vergleichsl\u00e4nder, um so den in diesen Jahren privat geschaffenen Wohnraum staatlich zu finanzieren, h\u00e4tten die Steuermehreinnahmen nur 2012 (Bayern, Sachsen) bzw. 2016 (Bayern) daf\u00fcr ausgereicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den \u00fcbrigen Jahren klafft eine teilweise erhebliche L\u00fccke zwischen Steuermehreinnahmen und n\u00f6tigen Bauinvestitionen. Bayern etwa h\u00e4tte 2020 0,7 Mrd. Euro mehr Steuermehreinnahmen gehabt, aber \u00fcber 10 Mrd. Euro Bauinvestitionen t\u00e4tigen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer positive Einfluss niedriger Steuern auf Immobilientransaktionen insgesamt ist bekannt, offenbar ist eine Reduktion der Grunderwerbsteuer aber auch ein effektives Mittel, um speziell den Wohnungsneubau voranzutreiben und k\u00f6nnte der Bauwirtschaft in Zeiten steigender Zinsen und Preise aus der Krise helfen\u201c, so Boysen-Hogrefe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn der Praxis wird dieses Instrument allerdings durch die Ausgestaltung des L\u00e4nderfinanzausgleichs konterkariert, weil darin die Einnahmen aus Immobilientransaktionen zu Durchschnittss\u00e4tzen aller Bundesl\u00e4nder abgerechnet werden, sodass Anreize bestehen, die eigenen Steuers\u00e4tze \u00fcber den Durchschnitt zu heben. Dieser Mechanismus bedarf daher dringend einer \u00dcberarbeitung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: IfW Kiel, Mitteilung vom 06.03.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine niedrige Grunderwerbsteuer macht sich bezahlt. Sie f\u00fchrt zu einem vermehrten Wohnungsbau der Privatwirtschaft, der die L\u00e4nder g\u00fcnstiger kommt, als \u00fcber h\u00f6here Grunderwerbsteuers\u00e4tze staatlichen Neubau in gleichem Umfang zu finanzieren. 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