{"id":70754,"date":"2023-03-26T12:52:11","date_gmt":"2023-03-26T10:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=70754"},"modified":"2023-03-26T12:52:11","modified_gmt":"2023-03-26T10:52:11","slug":"nutzungspflicht-des-besonderen-elektronischen-steuerberaterpostfachs-best-ab-dem-1-januar-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/nutzungspflicht-des-besonderen-elektronischen-steuerberaterpostfachs-best-ab-dem-1-januar-2023\/","title":{"rendered":"Nutzungspflicht des besonderen elektronischen Steuerberaterpostfachs (beSt) ab dem 1. Januar 2023"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der 7. Senat des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts hat durch Gerichtsbescheid vom 10. Februar 2023 entschieden, dass ein durch einen Steuerberater nach dem 1. Januar 2023 lediglich per Fax eingereichter bestimmender Schriftsatz, im Streitfall die Bezeichnung des Klagebegehrens, nicht rechtswirksam ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Steuerberater war nach \u00a7 52d Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verpflichtet, den Schriftsatz als elektronisches Dokument zu \u00fcbermitteln, da ihm sp\u00e4testens seit dem 1. Januar 2023 ein sicherer \u00dcbermittlungsweg gem\u00e4\u00df \u00a7 52 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 FGO \u201ezur Verf\u00fcgung steht\u201c. Die Verpflichtung betrifft s\u00e4mtliche bestimmende Schrifts\u00e4tze. Hierzu geh\u00f6ren insbesondere die Klageschrift und andere Schrifts\u00e4tze, mit denen eine f\u00fcr das Verfahren wesentliche Prozesshandlung vollzogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Senat st\u00fctzt dieses Ergebnis darauf, dass die Bundessteuerberaterkammer durch \u00a7 86d Abs. 1 des Steuerberatungsgesetzes (StBerG) verpflichtet gewesen sei, \u00fcber die Steuerberaterplattform f\u00fcr Steuerberaterinnen, Steuerberater und Steuerbevollm\u00e4chtigte ein besonderes elektronisches Steuerberaterpostfach (beSt) einzurichten. Die Inhaberinnen und Inhaber des beSt seien wiederum nach \u00a7 86d Abs. 6 StBerG verpflichtet, die f\u00fcr dessen Nutzung erforderlichen technischen Einrichtungen vorzuhalten sowie Zustellungen und den Zugang von Mitteilungen \u00fcber dieses zur Kenntnis zu nehmen (passive Nutzungspflicht). Nach \u00a7 157e StBerG sei diese Regelung am 1. August 2022 in Kraft getreten und erstmals ab dem 1. Januar 2023 anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verpflichtung zur Nutzung des beSt kn\u00fcpfe an diesen Einrichtungszeitpunkt an. Nach der Gesetzesbegr\u00fcndung sei dieser \u201eauf Grund der noch erforderlichen technischen Umsetzung\u201c auf den 1. Januar 2023 bestimmt worden. Nach dem ausdr\u00fccklichen Willen des Gesetzgebers sollte mit diesem Zeitpunkt die passive, und gleichzeitig die aktive Nutzungspflicht beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gesetzgeber habe sich mit guten Gr\u00fcnden dagegen entschieden, die Nutzungspflicht an ein anderes (unbestimmtes) Ereignis, wie z. B. die Erstanmeldung des Postfachinhabers oder den Erhalt des Registrierungsbriefes zu kn\u00fcpfen. Eine Nutzungspflicht f\u00fcr jede Steuerberaterin und jeden Steuerberater zum 1. Januar 2023 sei zwingend erforderlich gewesen, um deren elektronische Erreichbarkeit sicherzustellen. Anderenfalls m\u00fcssten die Gerichte gesonderte Listen \u00fcber die jeweilige Erreichbarkeit f\u00fchren, und u. U. in jedem Einzelfall den Erhalt des Registrierungsbriefs oder den Zeitpunkt der Erstregistrierung ermitteln. Dadurch w\u00fcrde die Wirkung des gesamten vorgesehenen Systems gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gesetzgeber habe ausreichend Zeit zur Vorbereitung auf die Einrichtung des beSt einger\u00e4umt. Etwaige Organisationsm\u00e4ngel der Bundessteuerberaterkammer rechtfertigten keine Suspendierung des gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine die Ersatzeinrichtung in Papierform berechtigende, vor\u00fcbergehende technische St\u00f6rung i. S. des \u00a7 52d S\u00e4tze 3 und 4 FGO liege nicht vor, wenn ein zugelassener elektronischer \u00dcbermittlungsweg noch gar nicht eingerichtet worden sei. Es handele sich also nicht um ein technisches Problem bei der Verwendung des vollst\u00e4ndig eingerichteten beSt, sondern um einen strukturellen Mangel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich liege auch keine (absolute) Unm\u00f6glichkeit vor, das beSt zu nutzen, weil f\u00fcr Steuerberaterinnen und Steuerberater, die aktiv mit den Finanzgerichten kommunizierten, bereits vor dem 1. Januar 2023 die M\u00f6glichkeit bestanden habe, \u00fcber die sog. Fast Lane eine schnellere Einrichtung des beSt zu erreichen.<audio src=\"https:\/\/www.datev-magazin.de\/wp-content\/uploads\/datev_vm_aktuelle_news_2023-03-24.mp3\"><\/audio>Diese Nachricht anh\u00f6ren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG Niedersachsen, Mitteilung vom 22.03.2023 zum Gerichtsbescheid 7 K 183\/22 vom 10.02.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 7. Senat des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts hat durch Gerichtsbescheid vom 10. 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