{"id":70969,"date":"2023-04-29T15:17:15","date_gmt":"2023-04-29T13:17:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=70969"},"modified":"2023-04-29T15:17:15","modified_gmt":"2023-04-29T13:17:15","slug":"inflationsrate-sinkt-doch-soziale-spreizung-weiter-gross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/inflationsrate-sinkt-doch-soziale-spreizung-weiter-gross\/","title":{"rendered":"Inflationsrate sinkt, doch soziale Spreizung weiter gro\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Inflationsrate in Deutschland ist im M\u00e4rz zwar sp\u00fcrbar gesunken, mit 7,4 Prozent war sie aber weiterhin sehr hoch, und die sozialen Unterschiede bei der Teuerung nach wie vor gro\u00df. Alleinlebende mit niedrigen Einkommen hatten im M\u00e4rz mit 8,7 Prozent die h\u00f6chste Inflationsbelastung zu tragen, Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen mit 6,3 Prozent die mit Abstand niedrigste. Die soziale Spreizung bei der haushaltsspezifischen Inflation ist somit gegen\u00fcber Februar nur geringf\u00fcgig zur\u00fcckgegangen \u2013 von 2,5 auf 2,4 Prozentpunkte. Das ergibt der neue IMK Inflationsmonitor des Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Das IMK berechnet darin seit Anfang 2022 jeden Monat die spezifischen Teuerungsraten f\u00fcr neun repr\u00e4sentative Haushaltstypen. In der aktuellen Auswertung werfen IMK-Inflationsexpertin Dr. Silke Tober und der wissenschaftliche Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien erstmals den Blick etwas weiter zur\u00fcck und analysieren auch die haushaltsspezifische Teuerung zwischen Anfang 2019 und Ende 2021. Dabei zeigt sich, dass die Raten f\u00fcr die einzelnen Haushaltstypen zuletzt im Januar 2021 nahe beieinander lagen. Seitdem hat sich die Schere ge\u00f6ffnet, weil die gr\u00f6\u00dften Treiber des starken Inflationsschubs, Energie und Nahrungsmittel, als G\u00fcter des Grundbedarfs in den Warenk\u00f6rben von einkommensschw\u00e4cheren Haushalten ein besonders hohes Gewicht haben. Am gr\u00f6\u00dften war die Differenz im Oktober 2022 mit 3,1 Prozentpunkten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich hohe Teuerungsrate mussten im M\u00e4rz Familien mit niedrigen Einkommen schultern (7,8 Prozent). Sie hatten zuvor seit Februar 2022 durchgehend die h\u00f6chste Inflationsbelastung unter allen Haushaltstypen aufgewiesen, zuletzt gleichauf mit \u00e4rmeren Singles. Dass die \u00e4rmeren Familien im M\u00e4rz nicht mehr ganz so stark hervorstachen, liegt an zuletzt r\u00fcckl\u00e4ufigen Kraftstoffpreisen. Diese schlagen sich rechnerisch im Ausgabenportfolio von Familien sp\u00fcrbar nieder, w\u00e4hrend arme Alleinstehende selten ein Auto besitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcbrigen untersuchten Haushaltstypen lagen im M\u00e4rz relativ nahe an der allgemeinen Inflationsrate. Das gilt f\u00fcr Alleinlebende und Alleinerziehende mit jeweils mittleren Einkommen, die je 7,3 Prozent Teuerungsrate verzeichneten. Bei Familien und kinderlosen Paare mit jeweils mittleren Einkommen schlug die Inflation mit je 7,2 Prozent zu Buche. Alleinlebende und Familien mit jeweils hohen Einkommen hatten Inflationsraten von 7,1 bzw. 7,0 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die G\u00fctergruppen, die die Teuerung stark antreiben, hat sich im M\u00e4rz ein Trend fortgesetzt, der schon im Vormonat zu beobachten war: Haushaltsenergie hat etwas an Einfluss auf die Inflation verloren, daf\u00fcr spielten h\u00f6here Preise f\u00fcr Nahrungsmittel eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Das \u00e4ndert nichts am Grundmuster, dass die weiterhin wichtigsten Preistreiber Haushalte mit niedrigeren bis mittleren Einkommen \u00fcberproportional belasten. Bei \u00e4rmeren Alleinstehenden machten sie 6,2 Prozentpunkte von 8,7 Prozent haushaltsspezifischer Inflationsrate aus. Bei Familien mit niedrigeren Einkommen summierten sie sich auf 5,9 Prozentpunkte, bei Familien mit mittleren Einkommen immerhin noch auf 4,5 Prozentpunkte. Das Problem wird vor allem f\u00fcr Haushalte mit niedrigen Einkommen dadurch versch\u00e4rft, dass die Alltagsg\u00fcter, die sie vor allem kaufen, kaum zu ersetzen sind und viele nur geringe finanzielle R\u00fccklagen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Alleinlebenden mit hohen Einkommen trugen Nahrungsmittel und Haushaltsenergie hingegen lediglich 2,5 Prozentpunkte zur Inflationsrate von 6,3 Prozent bei. Bei ihnen wie den Haushalten mit h\u00f6heren Einkommen waren dagegen beispielsweise die deutlich gestiegenen Preise f\u00fcr Pauschalreisen ein sp\u00fcrbarer Faktor bei der spezifischen Teuerung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die kommenden Monate erwarten die Fachleute des IMK eine weitere leichte Entspannung bei der Preisentwicklung. Bislang sei die sogenannte Kernrate der Inflation \u2013 die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel \u2013 zwar noch aufw\u00e4rtsgerichtet. Das liege daran, dass die Preisschocks bei der Energie die Produktions- und Transportkosten nahezu aller G\u00fcter und Dienstleistungen verteuern, was zeitversetzt geschieht. Dieser Prozess k\u00f6nnte aber weitgehend abgeschlossen sein, sch\u00e4tzen Tober und Dullien: Mittlerweile d\u00fcrften die Preisschocks \u201eweitgehend in der Kernrate enthalten sein, sodass bei hinreichendem Wettbewerb in den kommenden Monaten Entspannung und teilweise auch Preisr\u00fcckg\u00e4nge zu erwarten w\u00e4ren\u201c, schreiben die Forschenden.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-informationen-zum-inflationsmonitor\">Informationen zum Inflationsmonitor<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die f\u00fcr unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So l\u00e4sst sich gewichten, wer f\u00fcr zahlreiche verschiedene G\u00fcter und Dienstleistungen \u2013 von Lebensmitteln \u00fcber Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen \u2013 wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repr\u00e4sentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2.000-2.600 Euro), mittlerem (3.600-5.000 Euro), h\u00f6herem (mehr als 5.000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2.000-2.600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1.500-2.000 Euro), h\u00f6herem (2.000-2.600 Euro) und hohem (mehr als 5.000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3.600 und 5.000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 20.04.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Inflationsrate in Deutschland ist im M\u00e4rz zwar sp\u00fcrbar gesunken, mit 7,4 Prozent war sie aber weiterhin sehr hoch, und die sozialen Unterschiede bei der Teuerung nach wie vor gro\u00df. 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