{"id":71322,"date":"2023-06-17T13:58:57","date_gmt":"2023-06-17T11:58:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=71322"},"modified":"2023-06-17T13:58:57","modified_gmt":"2023-06-17T11:58:57","slug":"kein-gewerblicher-grundstueckshandel-bei-veraeusserungen-ca-6-monate-nach-ablauf-der-fuenfjahresfrist-und-nichtvorliegen-besonderer-umstaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-gewerblicher-grundstueckshandel-bei-veraeusserungen-ca-6-monate-nach-ablauf-der-fuenfjahresfrist-und-nichtvorliegen-besonderer-umstaende\/","title":{"rendered":"Kein gewerblicher Grundst\u00fcckshandel bei Ver\u00e4u\u00dferungen ca. 6 Monate nach Ablauf der F\u00fcnfjahresfrist und Nichtvorliegen besonderer Umst\u00e4nde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der 13. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat mit Urteil vom 26. April 2023 (Az. 13 K 3367\/20 G) entschieden, dass die Grenze zur Annahme eines gewerblichen Grundst\u00fcckshandels bei der Ver\u00e4u\u00dferung von 13 Objekten ca. 6 Monate nach Ablauf des F\u00fcnfjahreszeitraums nicht \u00fcberschritten ist, wenn keine besonderen Umst\u00e4nde f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung hinzutreten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin war die Rechtsnachfolgerin einer GmbH, welche mit einem notariellen Vertrag insgesamt 13 Objekte an eine einzige Erwerberin ver\u00e4u\u00dferte. Der F\u00fcnfjahreszeitraum zwischen Anschaffung und Verkauf war bei einem Objekt um 5 Monate, bei sieben Objekten um 6 Monate, bei vier Objekten um 6 \u00bd Monate und bei einem Objekt um 7 \u00bd Monate \u00fcberschritten. Das Finanzamt versagte die beantragte erweiterte K\u00fcrzung des Gewerbeertrags f\u00fcr Grundst\u00fccksunternehmen gem. \u00a7 9 Nr. 1 Satz 2 ff. GewStG mit der Begr\u00fcndung, dass die T\u00e4tigkeit der GmbH \u00fcber eine reine Verm\u00f6gensverwaltung hinausgegangen sei. Die Grenze zum gewerblichen Grundst\u00fcckshandel sei \u00fcberschritten worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen des Klageverfahrens berief sich die Kl\u00e4gerin darauf, dass urspr\u00fcnglich keine Ver\u00e4u\u00dferungsabsicht bestanden habe. Der Verkauf der Immobilien sei durch das \u00fcberraschende Ableben eines der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der GmbH, der zugleich mittelbar an dieser beteiligt war, veranlasst worden. Da die Alleinerbin Bankb\u00fcrgschaften des mit 55 Jahren verstorbenen Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers nicht habe \u00fcbernehmen wollen und eine Haftungsfreistellung von den Banken abgelehnt worden sei, seien die Immobilien zur Abl\u00f6sung der Darlehen ver\u00e4u\u00dfert worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 13. Senat hat der Klage vollumf\u00e4nglich stattgegeben. Die GmbH habe die Grenze der Verm\u00f6gensverwaltung nicht \u00fcberschritten. Von einem gewerblichen Grundst\u00fcckshandel k\u00f6nne im Regelfall ausgegangen werden, wenn innerhalb eines engen zeitlichen Zusammenhangs zwischen Anschaffung und Verkauf, d. h. von etwa f\u00fcnf Jahren, mindestens vier Objekte ver\u00e4u\u00dfert w\u00fcrden. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs komme dem F\u00fcnfjahreszeitraum nur eine indizielle Bedeutung zu, sodass sich dieser Zeitraum bei Hinzutreten besonderer Umst\u00e4nde verl\u00e4ngern k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Streitfall h\u00e4tten jedoch keine derartigen Umst\u00e4nde vorgelegen. So habe die GmbH mit dem Unternehmensgegenstand Vermietung und Verpachtung keinen \u201ebranchennahen\u201c Hauptberuf ausge\u00fcbt. Die (branchen\u00fcblichen) T\u00e4tigkeiten weiterer Gesellschaften, die derselben Unternehmensgruppe wie die GmbH angeh\u00f6ren w\u00fcrden, seien der GmbH aufgrund des k\u00f6rperschaftsteuerlichen Trennungsprinzips nicht zuzurechnen. Weder der Zeitraum, um den die F\u00fcnfjahresfrist \u00fcberschritten worden sei, sei mit ca. 6 Monaten als geringf\u00fcgig einzustufen, noch habe eine vollumf\u00e4ngliche Fremdfinanzierung vorgelegen. Als Indiz gegen eine im Erwerbszeitpunkt bereits bestehende Verkaufsabsicht spreche vielmehr, dass f\u00fcr 80 % der aufgenommenen Darlehensbetr\u00e4ge eine l\u00e4ngerfristige Laufzeit vereinbart worden und daher eine Vorf\u00e4lligkeitsentsch\u00e4digung angefallen w\u00e4re. Die hohe Anzahl der Verk\u00e4ufe rechtfertige ebenfalls nicht die Annahme einer im Erwerbszeitpunkt bestehenden bedingten Ver\u00e4u\u00dferungsabsicht, da die Ver\u00e4u\u00dferung auf das \u00fcberraschende Versterben des Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers und somit auf ein unvorhersehbares Ereignis zur\u00fcckzuf\u00fchren sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Senat hat wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung die Revision zugelassen. Diese ist beim Bundesfinanzhof unter dem Az. III R 14\/23 anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 15.06.2023 zum Urteil 13 K 3367\/20 G vom 26.04.2023 (nrkr &#8211; BFH-Az.: III R 14\/23)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 13. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster hat mit Urteil vom 26. 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