{"id":71560,"date":"2023-07-22T10:33:12","date_gmt":"2023-07-22T08:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=71560"},"modified":"2023-07-22T10:33:12","modified_gmt":"2023-07-22T08:33:12","slug":"mithaftung-fuer-den-autokredit-des-ex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/mithaftung-fuer-den-autokredit-des-ex\/","title":{"rendered":"Mithaftung f\u00fcr den Autokredit des \u201eEx\u201c?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oberlandesgericht Oldenburg entscheidet \u00fcber Wirksamkeit eines Darlehensvertrages<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In guten Zeiten macht man sich h\u00e4ufig wenig Gedanken \u00fcber die Konsequenzen einer Unterschrift. Wird man dann beim Wort genommen, kann es existenzbedrohend werden. So auch im Fall einer jungen Frau aus dem Kreis Osnabr\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anfang 20-J\u00e4hrige verdiente als Verk\u00e4uferin in einer B\u00e4ckerei monatlich ca. 1.300 Euro netto. Sie unterschrieb neben ihrem Freund einen Darlehensvertrag \u00fcber rund 90.000 Euro mit einer monatlichen Rate von knapp \u00fcber 1.000 Euro. Der Freund wollte mit dem Geld alte Kredite umschichten und ein Auto kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Jahre sp\u00e4ter k\u00fcndigte die Bank den Kreditvertrag, weil der Freund die Raten nicht mehr bediente. Sie stellte die Restforderung von rund 50.000 Euro f\u00e4llig. Weil sie von dem (inzwischen Ex-)Freund der jungen Frau das Geld nicht erhielt, verklagte die Bank die Frau vor dem Landgericht Osnabr\u00fcck. Die Frau wurde zur Zahlung des Betrages verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hiergegen wandte sie sich an das Oberlandesgericht Oldenburg. Der Senat gab der Frau Recht und wies die Klage der Bank ab: Die Frau sei keine echte Darlehensnehmerin, sondern habe lediglich eine Mithaftung \u00fcbernommen. Es handele sich daher um eine einseitig belastende Vertragsabrede. Eine solche Abrede sei zwar m\u00f6glich, im konkreten Falle aber wegen der Gesamtkonstellation und der offensichtlichen, krassen finanziellen \u00dcberforderung der Frau sittenwidrig und damit nichtig. Der Bank sei bei Vertragsschluss die emotionale Verbundenheit der Frau zu ihrem Freund bekannt gewesen, ebenso deren beengte finanzielle Verh\u00e4ltnisse, also die Tatsache, dass die Haftung die Frau finanziell ruinieren k\u00f6nne. Es widerspreche dem Anstandsgef\u00fchl aller billig und gerecht Denkenden, wenn Banken ein solche Situation ausnutzten. Die klagende Bank habe die sich daraus im konkreten Einzelfall ergebende Vermutung der Sittenwidrigkeit nicht widerlegen k\u00f6nnen. Insbesondere spreche es nicht gegen eine Sittenwidrigkeit, dass die junge Frau bei Vertragsschluss nichts von ihrer prek\u00e4ren Situation ahnte, weil sie irrt\u00fcmlich glaubte, es gehe nur um 7.500 Euro f\u00fcr das Auto.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: OLG Oldenburg, Pressemitteilung vom 20.07.2023 zum Urteil 8 U 172\/22 vom 29.06.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oberlandesgericht Oldenburg entscheidet \u00fcber Wirksamkeit eines Darlehensvertrages In guten Zeiten macht man sich h\u00e4ufig wenig Gedanken \u00fcber die Konsequenzen einer Unterschrift. Wird man dann beim Wort genommen, kann es existenzbedrohend werden. So auch im Fall einer jungen Frau aus dem Kreis Osnabr\u00fcck. 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