{"id":71644,"date":"2023-08-18T07:43:30","date_gmt":"2023-08-18T05:43:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=71644"},"modified":"2023-08-18T07:43:30","modified_gmt":"2023-08-18T05:43:30","slug":"65-prozent-inflationsrate-fuer-aermere-alleinlebende-55-prozent-bei-sehr-wohlhabenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/65-prozent-inflationsrate-fuer-aermere-alleinlebende-55-prozent-bei-sehr-wohlhabenden\/","title":{"rendered":"6,5 Prozent Inflationsrate f\u00fcr \u00e4rmere Alleinlebende, 5,5 Prozent bei sehr Wohlhabenden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli leicht auf 6,2 Prozent gesunken. Die Teuerungsrate fiel f\u00fcr alle Haushaltstypen niedriger aus als im Juni. Alleinlebende mit niedrigen Einkommen sind aber mit einer Inflationsrate von 6,5 Prozent im Juli weiterhin etwas \u00fcberdurchschnittlich von der Preissteigerung belastet, w\u00e4hrend Singles mit sehr hohen Einkommen mit 5,5 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Wie schon seit Anfang 2022 verzeichnen sie die niedrigste haushaltsspezifische Belastung. Die Differenz betrug damit im Juli 1,0 Prozentpunkte, nachdem es im Juni 1,3 Prozentpunkte waren. Das ergibt der neue IMK Inflationsmonitor des Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Die Forschenden erwarten in den kommenden Monaten einen weiteren R\u00fcckgang der Inflation und empfehlen trotz der bisher nur z\u00f6gerlich sinkenden Kernrate, mit weiteren Leitzinserh\u00f6hungen abzuwarten. Denn ein dadurch ausgel\u00f6ster noch st\u00e4rkerer konjunktureller Einbruch und steigende Arbeitslosigkeit w\u00fcrden ebenfalls Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders hart treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die IMK-Inflationsexpertin Dr. Silke Tober und IMK-Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien analysieren mit dem Monitor seit Anfang 2022 jeden Monat die Trends der Inflation und berechnen spezifische Teuerungsraten f\u00fcr neun repr\u00e4sentative Haushaltstypen, die sich nach Personenzahl und Einkommen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4rmere Haushalte sind st\u00e4rker durch die Inflation belastet, weil sie einen gro\u00dfen Teil ihres schmalen Budgets f\u00fcr Nahrungsmittel und Haushaltsenergie ausgeben m\u00fcssen. Diese G\u00fcter des Grundbedarfs sind nach wie vor die st\u00e4rksten Preistreiber. Im Vergleich der letzten Monate hat die Preisdynamik dort aber nachgelassen, w\u00e4hrend Posten wie Pauschalreisen, Gastst\u00e4ttenbesuche oder Versicherungen die allgemeine Inflation etwas st\u00e4rker beeinflussen. Solche Ausgaben fallen in den Warenk\u00f6rben von Haushalten mit mittleren und h\u00f6heren Einkommen st\u00e4rker ins Gewicht. Deshalb sind die einkommensspezifischen Differenzen seit Monaten r\u00fcckl\u00e4ufig und deutlich niedriger als auf dem H\u00f6hepunkt im Oktober 2022, als es 3,1 Prozentpunkte waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstmals seit Beginn der Untersuchung lagen im Juli auch Familien mit niedrigen Einkommen bei der Inflation geringf\u00fcgig unter dem Durchschnitt aller Haushalte \u2013 mit 6,1 Prozent. Dagegen hatten zwischen Februar 2022 und Februar 2023 diese Familien durchgehend die h\u00f6chste Inflationsbelastung tragen m\u00fcssen, in den ersten beiden Monaten 2023 zusammen mit einkommensarmen Alleinlebenden. Dass die \u00e4rmeren Familien nun nicht mehr hervorstechen, beruht auf r\u00fcckl\u00e4ufigen Kraftstoffpreisen. Diese schlagen sich rechnerisch im Ausgabenportfolio von Familien sp\u00fcrbar nieder. Arme Alleinstehende besitzen hingegen selten ein Auto, weshalb ihre Inflationsrate davon weniger beeinflusst wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Teuerungsraten der \u00fcbrigen untersuchten Haushaltstypen lagen im Juli ebenfalls etwas unterhalb der allgemeinen Inflationsrate, wobei der Abstand zum Durchschnitt meist mit dem Einkommen steigt. So betrug die Inflation f\u00fcr Alleinerziehende, f\u00fcr Alleinlebende und f\u00fcr kinderlose Paare mit jeweils mittleren Einkommen je 6,0 Prozent. Bei Alleinlebenden mit h\u00f6heren Einkommen schlug die Inflation mit 5,9 Prozent zu Buche, bei Familien mit mittleren und mit hohen Einkommen waren es jeweils 5,8 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz des nachlassenden Drucks bei den Preisen f\u00fcr Haushaltsenergie und Lebensmitteln spielen diese Kostenfaktoren f\u00fcr Haushalte mit niedrigeren Einkommen weiterhin eine besonders gro\u00dfe Rolle, wie der Detailvergleich zeigt. Bei \u00e4rmeren Alleinlebenden trugen sie im Juli 3,8 Prozentpunkte zur haushaltsspezifischen Inflationsrate von 6,5 Prozent bei. Bei Familien mit zwei Kindern und niedrigeren Einkommen summierten sie sich auf 3,5 Prozentpunkte, bei Familien mit mittleren Einkommen immerhin noch auf 2,7 Prozentpunkte. Bei Alleinlebenden mit sehr hohen Einkommen trugen Nahrungsmittel und Haushaltsenergie hingegen lediglich 1,5 Prozentpunkte zur Inflationsrate von insgesamt 5,5 Prozent bei. Das Problem wird vor allem f\u00fcr Haushalte mit niedrigen Einkommen dadurch versch\u00e4rft, dass die Alltagsg\u00fcter, die sie vor allem kaufen, kaum zu ersetzen sind und viele nur geringe finanzielle R\u00fccklagen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die kommenden Monate erwarten Tober und Dullien einen st\u00e4rkeren R\u00fcckgang der Inflationsrate, vor allem ab September, wenn Sondereffekte durch den Tankrabatt oder das 9-Euro-Ticket wegfallen, die zwischen Juni und August 2022 die Preise d\u00e4mpften. Die Fachleute des IMK rechnen auch mit einer sp\u00fcrbar sinkenden Kerninflation, also bei der Teuerung ohne die besonders schwankungsanf\u00e4lligen Positionen Lebensmittel und Energie. Denn der Preisdruck lasse bei vielen Produkten und Dienstleistungen nach, weil die deutlich gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise mit einigem Zeitverzug \u00fcber die Produktionsketten hinweg auch bei den Endkund*innen ankommen werden. Zudem werden st\u00e4rkere Lohnsteigerungen nach Analyse des IMK kompensiert durch die Aufl\u00f6sung von Lieferengp\u00e4ssen und einen Abbau der aktuell noch zu beobachtenden \u00dcbergewinne von Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund und angesichts der wirtschaftlichen Schw\u00e4che im Euroraum und insbesondere in Deutschland sollte die Europ\u00e4ische Zentralbank die Wirkung der bisherigen Leitzinserh\u00f6hungen abwarten und vorerst eine Zinspause einlegen, schreiben die Forschenden. Das sei auch im Interesse von \u00e4rmeren Haushalten \u2013 trotz der sozialen Spreizung bei der Inflation. Denn eine weitere D\u00e4mpfung der Konjunktur durch hohe Zinsen k\u00f6nnte zu sp\u00fcrbar mehr Arbeitslosigkeit f\u00fchren. \u201eEinkommensschwache Haushalte von Arbeitnehmenden sind auch jene, die von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit am st\u00e4rksten getroffen werden\u201c, analysieren Tober und Dullien. \u201eSofern ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Eind\u00e4mmung der Inflation nicht erforderlich ist, sollte er daher vermieden werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 10.08.2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli leicht auf 6,2 Prozent gesunken. Die Teuerungsrate fiel f\u00fcr alle Haushaltstypen niedriger aus als im Juni. 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