{"id":72648,"date":"2023-09-18T12:31:09","date_gmt":"2023-09-18T10:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=72648"},"modified":"2023-09-18T12:31:09","modified_gmt":"2023-09-18T10:31:09","slug":"die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-september-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-september-2023\/","title":{"rendered":"Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2023"},"content":{"rendered":"\n<ul><li>Die wirtschaftliche Situation stellt sich aktuell zweigeteilt dar: Auf der einen Seite hat die binnenwirtschaftliche Dynamik im Zuge wieder leicht steigender Reall\u00f6hne und einer anhaltend positiven Investitionsentwicklung langsam an Fahrt aufgenommen. Auf der anderen Seite hat sich die Auslandsnachfrage im Zuge der noch schwachen welt\u00adwirtschaftlichen Entwicklung weiter eingetr\u00fcbt.<\/li><li>In der Industrie kam es erneut zu einem deutlichen R\u00fcckgang der Produktion in H\u00f6he von 1,8 %, im Baugewerbe hingegen erh\u00f6hte sich der Aussto\u00df um 2,6 %. Die besonders energieintensiven Industriezweige verzeichneten nach der Stabilisierung im Vormonat wieder ein Minus von 0,6 %. Die Auftragseing\u00e4nge waren im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat mit -11,7 % deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig, nachdem sie im Juni kr\u00e4ftig zugelegt hatten (+7,6 %). Der R\u00fcckgang ist allerdings zuvorderst auf Sondereffekte infolge von Gro\u00dfauftr\u00e4gen im Vormonat zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ohne Gro\u00dfauftr\u00e4ge nahmen die Bestellungen um 0,3 % zu.<\/li><li>Die realen Ums\u00e4tze im Einzelhandel ohne Kfz sind im Juli erneut leicht zur\u00fcckgegangen (-0,8 %). Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich ergab sich aber noch ein Plus von 1,8 %. Die Fr\u00fchindikatoren deuten aktuell noch eine verhaltene Entwicklung des privaten Konsums in den kommenden Monaten an.<\/li><li>Die Verbraucherpreisinflation setzte ihren Abw\u00e4rtstrend im August fort. Die Teuerungs\u00adrate lag bei 6,1 % (Juli: +6,2 %), die Kerninflation verharrte bei 5,5 %. Nahrungsmittel verteuerten sich gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat erneut \u00fcberproportional (+9,0 %), allerdings lie\u00df der Preisauftrieb weiter nach (Juli: +11,0 %).<\/li><li>Die konjunkturelle Schw\u00e4che macht sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit stieg im August saisonbereinigt (sb) merklich um 18.000 Personen. Die Fr\u00fchindikatoren von IAB und ifo deuten mit ihrer verhaltenen Entwicklung im August weiterhin auf eine verminderte Dynamik am Arbeitsmarkt hin. Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt aber trotz der schwachen konjunkturellen Lage weiter weitgehend stabil.<\/li><li>Aktuelle Fr\u00fchindikatoren, wie Auftragseing\u00e4nge und Gesch\u00e4ftsklima, aber auch die verhaltende Entwicklung der Weltkonjunktur, deuten auf ein erneut schwaches drittes Quartal hin; fr\u00fchestens zum Jahreswechsel 2023\/24 ist mit einer sp\u00fcrbaren konjunkturellen Belebung zu rechnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Gegenl\u00e4ufige binnen- und au\u00dfenwirtschaftliche Entwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der rezessiven Entwicklung im Winterhalbjahr 2022\/23 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im Fr\u00fchsommer. Die vom Statistischen Bundesamt ver\u00f6ffentlichten detaillierten Ergebnisse lassen am aktuellen Rand eine zweigeteilte Entwicklung erkennen. Dabei zeigen sich f\u00fcr eine binnenwirtschaftlich getragene Erholung erste Lichtblicke: So wiesen die Nominall\u00f6hne im zweiten Quartal infolge der Mindestlohnerh\u00f6hung, h\u00f6herer Tariflohnabschl\u00fcsse sowie der steuerfreien Inflationsausgleichspr\u00e4mien den h\u00f6chsten Anstieg seit Beginn der Zeitreihe 2008 aus. Im Vergleich zum Vorjahr waren die preisbereinigten Effektivl\u00f6hne erstmals seit zwei Jahren wieder leicht positiv. Hiervon haben insbesondere die unteren Einkommensgruppen profitiert, was zu einer Stabilisierung des privaten Konsums beigetragen hat. Dieser Trend d\u00fcrfte sich bei nachlassender Inflations\u00addynamik auch im weiteren Jahresverlauf fortsetzen und zu einer schrittweisen Erholung des privaten Konsums f\u00fchren. Als erfreulich ist auch zu werten, dass die Investitionen in Maschinen, Anlagen und beim Bau auch im zweiten Quartal expandierten und damit positive Wachstumsimpulse setzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber stellen sich die au\u00dfenwirtschaftlichen Perspektiven aktuell deutlich ung\u00fcnstiger dar: Die globale Wirtschaft hat zuletzt an Dynamik verloren, was sich im zweiten Quartal in einem sp\u00fcrbaren R\u00fcckgang der Exporte und einem negativen Wachstumsbeitrag seitens des Au\u00dfenhandels manifestiert hat. Vor allem die wirtschaftliche Abschw\u00e4chung des f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel wichtigen Handelspartners China hat dabei ihre Spuren hinterlassen. Die j\u00fcngsten R\u00fcckg\u00e4nge der Einkaufsmanager-Indizes, die geringeren Auftragseing\u00e4nge aus dem Ausland und die verschlechterten Exporterwartungen lassen f\u00fcr die kommenden Monate keine Trendwende erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt deuten die aktuellen Konjunkturindikatoren noch keine nachhaltige Belebung in den kommenden Monaten an; die konjunkturelle Entwicklung d\u00fcrfte damit auch im dritten Quartal nur sehr schwach bleiben und voraussichtlich erst um die Jahreswende an Fahrt gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Weltwirtschaftliches Umfeld weiter schwach<\/h2>\n\n\n\n<p>Die weltweite Industrieproduktion nahm im Berichtsmonat Juni im Vergleich zum Vormonat leicht zu (+0,4 %), der Welthandel ging allerdings wieder zur\u00fcck (-0,7 %). Die Fr\u00fchindikatoren zum Welthandel deuten auf eine uneinheitliche Entwicklung in den kommenden Monaten hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Der RWI\/ISL-Containerumschlag-Index ist im Berichtsmonat Juli (saisonbereinigt) von 123,3 auf 121,9 Punkte wieder etwas gefallen, da sich der Containerumschlag weltweit abgeschw\u00e4cht hat. Der Nordrange-Index ging dabei relativ gesehen deutlicher zur\u00fcck als der Umschlag in den chinesischen H\u00e4fen. Die Schiffbewegungsdaten des Kiel-Trade-Indikators senden f\u00fcr den Welthandel im August dagegen leicht positive Signale (+0,9 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stimmungsindikator von S&amp;P Global ist im August auf 50,6 Punkte gefallen und liegt im Bereich der \u201ewachstumsneutralen\u201c Schwelle. W\u00e4hrend die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe zuletzt wieder leicht auf 49,0 Punkte stieg, tr\u00fcbte sie sich bei den Dienstleistern weiter ein. Demnach bleiben die Aussichten f\u00fcr die Weltwirtschaft schwach.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem aktuellen Prognosedurchschnitt von Consensus Economics d\u00fcrfte sich die wirtschaftliche Aktivit\u00e4t in China mit 5,3 % in diesem Jahr schw\u00e4cher entwickeln als zuvor erwartet. Und auch im Euroraum ist zun\u00e4chst nur mit einem verhaltenen Wachstum von +0,6 % zu rechnen. Auch wenn sich die Aussichten in den USA zuletzt etwas aufgehellt haben (2023: +1,9 %), bleibt die weltwirtschaftliche Nachfrage zun\u00e4chst \u2013 auch laut den aktuellen Prognosen der f\u00fchrenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute \u2013 verhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2>Schwache Auslandsnachfrage d\u00e4mpft Exportentwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im Juli saison- und kalenderbereinigt um 1,8 % gg\u00fc. dem Vormonat zur\u00fcckgegangen, nachdem sie im Juni um 1,4 % zugenommen hatten. Im weniger schwankungsanf\u00e4lligen Dreimonatsvergleich liegen sie damit um 1,2 % niedriger. Die Warenausfuhren in die EU (+0,5 % gg\u00fc. Juni 2023) und vor allem in den Euroraum (+1,7 %) waren weiter aufw\u00e4rtsgerichtet, dagegen gingen die Lieferungen in die Nicht-EU-L\u00e4nder deutlich zur\u00fcck (-2,5 %). Die Nachfrage aus China lag im Juli aber trotz der eingetr\u00fcbten wirtschaftlichen Aussichten im Plus (+ 1,2 %) und auch die Exporte in die USA legten zu (+5,2 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im Juli erneut gegen\u00fcber dem Vormonat zur\u00fcckgegangen (Juli: -0,8 %, Juni: -1,3 %). Auch im Dreimonatsvergleich (-1,6 %) liegen sie deutlich im Minus. Die Lieferungen aus der EU expandierten dabei um 2,9 %. Aus den \u00fcbrigen L\u00e4ndern wurde dagegen etwas weniger als im Vormonat importiert (-0,2 %), auch weil die Einfuhren aus China deutlich zur\u00fcckgingen (-5,8 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge des st\u00e4rkeren R\u00fcckgangs der Exporte im Vergleich zu den Importen ist der monatliche Handelsbilanz\u00fcberschuss von 15,2 Mrd. \u20ac im Juni 13,3 Mrd. \u20ac im Juli gesunken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Au\u00dfenhandelspreisen wirken sich die sinkenden Energie- und Rohstoffpreise sowie der R\u00fcckgang der Lieferkettenprobleme weiter positiv aus. Die Terms of Trade verbesserten sich im Juli mit +0,1 % gg\u00fc. dem Vormonat nur leicht, denn die Einfuhrpreise gingen mit -0,5 % nur marginal st\u00e4rker zur\u00fcck als die Ausfuhrpreise (-0,3 %). In realer Betrachtung d\u00fcrfte der R\u00fcckgang der Exporte und Importe damit schw\u00e4cher ausgefallen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchindikatoren deuten auf eine zun\u00e4chst weiter schwache Exportentwicklung hin. Die ifo Exporterwartungen liegen seit Juni deutlich im Minus und haben sich im August weiter eingetr\u00fcbt (von -5,9 % auf -6,3 Punkte). F\u00fcr die (realen) deutschen Exporte deutet der Kiel Trade Indicator dagegen im Zuge leicht positiver Stimmungswerte aus den USA ein Plus an.<\/p>\n\n\n\n<h2>Wirtschaftliche Schw\u00e4chephase setzt sich im Herbst fort<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat erneut gesunken (-0,8 %). Dies ist der dritte R\u00fcckgang in Folge. In der Industrie kam es zu einem Minus von 1,8 %, im Baugewerbe hingegen erh\u00f6hte sich der Aussto\u00df um 2,6 %. Im Bereich Energie kam es im Juli zu einem merklichen Zuwachs (+2,2 %), nachdem hier seit Jahresbeginn teilweise kr\u00e4ftige Abnahmen verzeichnet worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gewichtigen Bereich Kfz und Kfz-Teile ging die Herstellung mit -9,4 % deutlich zur\u00fcck, und auch im bedeutsamen Maschinenbau nahm die Herstellung im Juli ab (-1,6 %). Die Produktion von pharmazeutischen Erzeugnissen (-1,1 %) sowie Datenverarbeitungs\u00adger\u00e4ten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (-4,4 %) war ebenfalls r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die besonders energieintensiven Industriezweige verzeichneten nach der Stabilisierung im Vormonat ein Minus von 0,6 %. Insbesondere die Herstellung chemischer Erzeugnisse war r\u00fcckl\u00e4ufig (-1,1 %), w\u00e4hrend der Bereich Metallerzeugung und -bearbeitung einen Zuwachs von 2,0 % verzeichnen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auftragseing\u00e4nge im Verarbeitenden Gewerbe sind im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat mit -11,7 % deutlich zur\u00fcckgegangen, nachdem sie im Juni noch kr\u00e4ftig zugelegt hatten (+7,6 %). Sowohl aus dem Ausland (-12,9 %) als auch aus dem Inland (-9,7 %) gingen deutlich weniger Bestellungen ein. Der kr\u00e4ftige R\u00fcckgang im Juli ist allerdings in erster Linie auf Sondereffekte infolge von Gro\u00dfauftr\u00e4gen im Vormonat zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ohne Gro\u00dfauftr\u00e4ge nahmen die Bestellungen um 0,3 % zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere die Bereiche Daten-, elektrische und optische Ger\u00e4te (-23,6 %), elektrische Ausr\u00fcstungen (-16,7 %) sowie im gewichtigen Maschinenbau (-8,7 %) lagen sie deutlich im Minus. Dagegen verzeichneten der bedeutsame Bereich Kfz und Kfz-Teile (+2,7 %) sowie die Bereiche Chemie (+0,5 %) und Metallerzeugung (+1,0 %) leichte Orderzuw\u00e4chse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Industriekonjunktur hat sich somit auch zum Beginn des dritten Quartals noch nicht von ihrer Schw\u00e4che erholt. Insgesamt schwankt die Nachfrage in der Industrie im Vormonatsvergleich weiterhin stark aufgrund von Gro\u00dfauftr\u00e4gen. Im aussagekr\u00e4ftigeren Zweimonatsvergleich entwickelten sich die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe im Juli mit +4,4 % positiv. Eine nachhaltige Belebung der Industriekonjunktur l\u00e4sst sich daraus angesichts des eingetr\u00fcbten Gesch\u00e4ftsklimas und der schwachen Weltkonjunktur aber noch nicht ableiten: Angesichts der stark eingetr\u00fcbten Gesch\u00e4fts- und Export\u00aderwartungen der Unternehmen sowie der insgesamt schwachen Entwicklung der Auftragseing\u00e4nge ist eine sp\u00fcrbare Erholung der Industrieproduktion noch nicht absehbar.<\/p>\n\n\n\n<h2>Einzelhandelsumsatz geht erneut zur\u00fcck, die Verbraucherstimmung bleibt ged\u00e4mpft<\/h2>\n\n\n\n<p>Die preisbereinigten Ums\u00e4tze im Einzelhandel ohne Kfz sind im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat um 0,8 % gefallen, nachdem sie bereits im Juni um 0,2 % leicht zur\u00fcckgegangen waren. Im Dreimonatsvergleich ergab sich ein Anstieg um 1,8 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzminus von 2,2 %, was vor allem die hohen Preissteigerungen widerspiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Handel mit Lebensmitteln verzeichnete im Juli im Vergleich zum Vormonat eine Erh\u00f6hung des realen Umsatzes um 2,0 %, gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat einen R\u00fcckgang von 1,7 %. Vor allem aufgrund der starken Verteuerung von Lebensmitteln verzeichnet diese Sparte des Einzelhandels seit 25 Monaten in Folge im Vorjahresvergleich r\u00fcckl\u00e4ufige Ums\u00e4tze. Nach wie vor sind die Nahrungsmittel ein starker Treiber der Verbraucherpreise, auch wenn sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat bis zuletzt weiter abgeschw\u00e4cht hat (August: +9,0 %, Juli: +11,0 %, Juni: +13,7 %). Der Umsatz im Internet- und Versandhandel erh\u00f6hte sich im Juli um 7,1 % (gegen\u00fcber Vorjahresmonat -2,1 %). Die Neuzulassungen von Pkw durch Privatpersonen sind im Juli um 8,1 % gestiegen. Dies war der dritte Anstieg in Folge (Juni: +0,7 %, Mai: +6,1 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchindikatoren f\u00fcr die Stimmung unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern senden zur\u00fcckhaltende Signale. Laut Prognose der GfK tr\u00fcbt sich die Stimmung unter den privaten Konsumenten im September wieder etwas ein, nachdem sie sich im August etwas erholt hatte. Sie stagniert damit bei leichten monatlichen Schwankungen auf einem niedrigen Niveau, vor allem aufgrund von eingetr\u00fcbten Einkommenserwartungen und Kaufzur\u00fcckhaltung. Das ifo Gesch\u00e4ftsklima im Einzelhandel hat sich im August zum vierten Mal verschlechtert und liegt unver\u00e4ndert tief im negativen Bereich, auch wenn sich die Gesch\u00e4ftserwartungen im August auf einem niedrigen Niveau etwas verbessert haben. Insgesamt sprechen die Fr\u00fchindikatoren am aktuellen Rand f\u00fcr eine zun\u00e4chst ged\u00e4mpfte Entwicklung der privaten Konsumausgaben.<\/p>\n\n\n\n<h2>Inflation weiter r\u00fcckl\u00e4ufig \u2013 Energiepreise ziehen wieder an<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Inflationsrate (Anstieg des Verbraucherpreisniveaus binnen Jahresfrist) lag im August bei 6,1 %. Damit setzte sie ihren Abw\u00e4rtstrend fort (Juli: +6,2 %). Die Kernrate (ohne Energie und Nahrung) blieb unver\u00e4ndert bei 5,5 %. Nahrungsmittel verteuerten sich erneut \u00fcberproportional (+9,0 %), allerdings lie\u00df der Preisauftrieb hier ebenfalls weiter nach (Juli: +11,0 %). Die Energiepreise legten mit +8,3 % wieder st\u00e4rker zu als der Gesamtindex und als in den drei Vormonaten (Juli: +5,7 %,). Verantwortlich hierf\u00fcr war auch ein Basiseffekt infolge des Wegfalls der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Preisdruck von Seiten der Energietr\u00e4ger hat zuletzt wieder zugenommen. An den Spotm\u00e4rkten steigen die Preise f\u00fcr Erdgas seit Mitte Juli wieder an. Aktuell liegt der TTF Base Load mit 35 \u20ac\/MWh aber noch 84 % unter dem Niveau des September 2022 und 7 % unter dem des August 2023. Die Markterwartungen deuten allerdings darauf hin, dass die Erdgaspreise bis zum Jahreswechsel wieder auf etwa 50 \u20ac\/MWh steigen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen signalisiert eine nachlassende Preisdynamik. Die Erzeugerpreise sind im Juli 2023 deutlich um 6,0 % gegen\u00fcber Juli 2022 gesunken (Juni: +0,1 %,). Gegen\u00fcber dem Vormonat nahmen die Erzeugerpreise ab (-1,1 %). Die Einfuhrpreise gingen im Juli mit -13,2 % gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat kr\u00e4ftig zur\u00fcck (-0,6 % gegen\u00fcber Vormonat). Auch die Verkaufspreise im Gro\u00dfhandel gaben im Juli sowohl im Vormonats- (-0,2 %) als auch im Vorjahresvergleich (-2,8 %) nach. Bei den Einfuhr- und Erzeugerpreisen kam es damit im Vergleich zum Vorjahresmonat zu einem R\u00fcckgang, wie er schon lange nicht mehr zu beobachten gewesen war (Erzeugerpreise: Okt. 2009; Importpreise: Jan. 1987). F\u00fcr die n\u00e4chsten Monate ist \u2013 auch mit Blick auf die Preiserwartungen der Unternehmen \u2013 von einer weiter hohen, aber langsam abflauenden Preisdynamik auszugehen. Der Preisdruck vergangener Kostensteigerungen und Lieferkettenst\u00f6rungen ist weitgehend \u00fcberw\u00e4lzt worden. Die Energiepreise liegen auf moderatem Niveau. Die geldpolitische Straffung wirkt d\u00e4mpfend auf die Nachfrageseite. W\u00e4hrend im Vorjahresvergleich erh\u00f6hende Sondereffekte (9-Euro-Ticket, \u201eTankrabatt\u201c) im September entfallen, ergeben sich steigernde Basiseffekte im Zeitraum Oktober 2023 bis M\u00e4rz 2024 infolge der befristeten Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Gas und Fernw\u00e4rme. Vor diesem Hintergrund liegt das aktuelle Prognosespektrum der Wirtschaftsforschungsinstitute f\u00fcr die Inflationsrate im Jahr 2023 bei 6,0 bis 6,1 % und im Jahr 2024 bei 2,1 bis 3,0 %.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-konjunkturschwache-schlagt-sich-zunehmend-auf-dem-arbeitsmarkt-nieder\">Konjunkturschw\u00e4che schl\u00e4gt sich zunehmend auf dem Arbeitsmarkt nieder<\/h2>\n\n\n\n<p>Die konjunkturelle Schw\u00e4che macht sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg im August saisonbereinigt (sb) deutlich um 18.000 Personen. Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen starken Anstieg liegen neben dem Ende der Ausbildungszeit, nach der sich Schulabg\u00e4nger und Ausbildungsabsolventen h\u00e4ufig zun\u00e4chst arbeitslos melden, auch darin, dass nach Abschluss der Integrationskurse f\u00fcr viele Gefl\u00fcchtete zun\u00e4chst die Arbeitslosigkeit folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erwerbst\u00e4tigkeit nahm im Juli gegen\u00fcber dem Vormonat um 15.000 Personen zu, nachdem sie im Juni in etwa stabil geblieben war. Auch die sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung blieb im Juni in etwa unver\u00e4ndert (sb \u00b10 Personen). Die Kurzarbeit erh\u00f6hte sich im Juni zwar leicht; die Anzeigen f\u00fcr August verringerten sich aber deutlich. Die Fr\u00fchindikatoren von IAB und ifo deuten mit ihrer verhaltenen Entwicklung im August weiterhin auf eine verminderte Dynamik am Arbeitsmarkt hin: W\u00e4hrend die Unternehmen weniger Neueinstellungen planen, sank die Zahl der gemeldeten Stellen und die Besch\u00e4ftigungskomponente des IAB-Barometers rutscht unterhalb ihr langfristiges Mittel. Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt aber trotz der schwachen konjunkturellen Lage weiter weitgehend stabil, weil die Unternehmen an ihren Fachkr\u00e4ften festhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: <\/em>BMWK, Pressemitteilung vom 13.09.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wirtschaftliche Situation stellt sich aktuell zweigeteilt dar: Auf der einen Seite hat die binnenwirtschaftliche Dynamik im Zuge wieder leicht steigender Reall\u00f6hne und einer anhaltend positiven Investitionsentwicklung langsam an Fahrt aufgenommen. 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