{"id":72855,"date":"2023-10-15T12:59:56","date_gmt":"2023-10-15T10:59:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=72855"},"modified":"2023-10-15T12:59:56","modified_gmt":"2023-10-15T10:59:56","slug":"die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-oktober-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/die-wirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-oktober-2023\/","title":{"rendered":"Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2023"},"content":{"rendered":"\n<ul><li>Die deutsche Wirtschaft l\u00f6st sich nur langsam aus den Belastungen infolge des Energiepreisschocks, der geldpolitischen Straffungen und der weltwirtschaftlichen Abschw\u00e4chung. Dies verz\u00f6gert die allgemein erwartete wirtschaftliche Erholung. F\u00fcr das dritte Quartal ist erneut mit einem leichten R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen.<\/li><li>Die Produktion in der Industrie ist im August gegen\u00fcber dem Vormonat leicht gestiegen (+0,5 %), w\u00e4hrend sowohl im Baugewerbe (-2,4 %) als auch im Bereich Energie (-6,6 %) sp\u00fcrbare R\u00fcckg\u00e4nge verzeichnet wurden. Die Auftragseing\u00e4nge im Verarbeitenden Gewerbe erh\u00f6hten sich um 3,9 %. Die wieder anziehende Nachfrage und eine vorsichtige Stabilisierung einige Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass die Industrieproduktion an der Talsohle ankommt und zum Jahreswechsel wieder Fahrt aufnehmen k\u00f6nnte.<\/li><li>Die realen Ums\u00e4tze im Einzelhandel ohne Kfz haben sich im August im Vormonatsvergleich um 1,2 % verringert, aber gleichzeitig sind die Neuzulassungen von Kfz durch Privatpersonen deutlich um 12,1 %, gestiegen. Insgesamt d\u00fcrften damit die realen Einzelhandelsums\u00e4tze einschlie\u00dflich Kfz \u2013 eine wichtige Komponente der privaten Konsumausgaben \u2013 besser ausgefallen sein.<\/li><li>Die Inflationsrate hat sich im September deutlich auf 4,5 % verringert, was vor allem auf einen Basiseffekt durch den Wegfall des 9-Euro-Tickets und des sog. Tankrabatt im September 2022 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Mit Blick auf den nachlassenden Preisdruck auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist in den kommenden Monaten mit einer weiter langsam abflauenden Preisdynamik zu rechnen.<\/li><li>Die konjunkturelle Schw\u00e4che hat auf dem Arbeitsmarkt zu einer nur schwachen Herbstbelebung gef\u00fchrt. Die Arbeitslosigkeit erh\u00f6hte sich im September saisonbereinigt (sb) um 10.000 Personen. Die Fr\u00fchindikatoren von IAB und ifo tr\u00fcbten sich merklich ein. Eine Erholung am Arbeitsmarkt ist erst mit der wirtschaftlichen Belebung im kommenden Fr\u00fchjahr zu erwarten.<\/li><li>Stimmungsindikatoren (Gesch\u00e4ftserwartungen, Einkaufsmanagerindex) deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal die Talsohle erreicht haben k\u00f6nnte und voraussichtlich um die Jahreswende wieder an Fahrt aufnimmt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Konjunkturelle Talsohle durchschritten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die deutsche Wirtschaft befand sich auch im dritten Quartal 2023 in einer wirtschaftlichen Schw\u00e4chephase: Die Industrieproduktion war vor dem Hintergrund der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik und r\u00fcckl\u00e4ufiger Exporte abw\u00e4rtsgerichtet. Die Produktion im Baugewerbe ist nach der witterungsbedingt positiven Entwicklung zu Jahresbeginn im Zuge der drastisch gestiegenen Material- und Finanzierungskosten zuletzt deutlich eingebrochen. Binnenwirtschaftlich d\u00e4mpften zudem die anhaltenden, wenn auch deutlich nachlassenden Kaufkraftverluste sowie die zunehmende Wirkung der geldpolitischen Straffung den privaten Konsum. Aktuelle Fr\u00fchindikatoren lassen vor diesem Hintergrund einen erneuten, leichten R\u00fcckgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings deuten j\u00fcngste Stimmungsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex, die ifo Lagebeurteilungen und die ZEW-Konjunkturerwartungen \u2013 wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau \u2013 darauf hin, dass sich das Tempo der konjunkturellen Talfahrt verringert hat und zur Jahreswende 2023\/24 eine moderate Erholung einsetzen d\u00fcrfte. Diese Einsch\u00e4tzung, die sich in der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Herbstprojektion der Bundesregierung widerspiegelt, wird auch von den Wirtschaftsforschungsinstituten in ihrer j\u00fcngsten Gemeinschaftsdiagnose best\u00e4tigt. Wachstumsimpulse d\u00fcrften dabei vor allem vom privaten Verbrauch ausgehen: Die inflationsbedingten Kaufkraftverluste der privaten Haushalte werden zunehmend \u00fcberwunden und f\u00fchren in Verbindung mit deutlich anziehenden L\u00f6hnen und einer insgesamt robusten Besch\u00e4ftigungssituation zu einer Belebung des privaten Konsums. Die Ausr\u00fcstungsinvestitionen in Maschinen und Anlagen d\u00fcrften auch vor dem Hintergrund des hohen Investitionsbedarfs im Zuge der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft weiter zulegen, wohingegen die Bauinvestitionen angesichts des deutlich gestiegenen Zinsniveaus zun\u00e4chst noch weiter zur\u00fcckgehen d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der derzeitigen konjunkturellen Schw\u00e4che bleibt der Arbeitsmarkt bis zuletzt robust. Die Arbeitsnachfrage ist angesichts des Fachkr\u00e4fte- und allgemeinen Arbeitskr\u00e4ftemangels nach wie vor auf hohem Niveau. Aufgrund der schwachen Konjunktur hat die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen zuletzt zwar abgenommen, dies d\u00fcrfte sich mit der erwarteten konjunkturellen Belebung jedoch wieder umkehren.<\/p>\n\n\n\n<h2>Aussichten f\u00fcr Weltkonjunktur weiterhin ged\u00e4mpft<\/h2>\n\n\n\n<p>Die weltweite Industrieproduktion ging im Berichtsmonat Juli im Vergleich zum Vormonat etwas zur\u00fcck (-0,1 %) und auch der Welthandel lag erneut im Minus (-0,6 %). Die Fr\u00fchindikatoren deuten eine verhaltene Entwicklung des Welthandels an. Der RWI\/ISL-Containerumschlag-Index ist im Berichtsmonat August (saisonbereinigt) von 123,4 auf 124,7 Punkte etwas gestiegen, was insbesondere mit dem Containerumschlag in chinesischen H\u00e4fen begr\u00fcndet wird. Der Nordrange-Index, der die Handelsaktivit\u00e4t im n\u00f6rdlichen Euroraum widerspiegelt, ging dagegen deutlich zur\u00fcck (107,8 auf 103,1 Punkte). Laut Schiffsbewegungsdaten des Kiel Trade Indikators (KTI) d\u00fcrfte der Welthandel im September leicht expandiert haben. Auch f\u00fcr den Berichtsmonat Oktober zeigt der KTI aktuell ein kleines Plus an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussichten f\u00fcr die Weltwirtschaft bleiben aber laut dem Stimmungsindikator von S&amp;P Global noch schwach. Der Index ist im September erneut etwas gefallen (auf 50,5 Punkte), blieb damit aber weiter knapp \u00fcber der Wachstumsschwelle. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe stagnierte zuletzt in etwa und verharrte unter der 50-Punkte Marke. Bei den Dienstleistern tr\u00fcbte sie sich erneut leicht ein (von 51,1 auf 50,8).<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt d\u00fcrfte die weltwirtschaftliche Dynamik \u2013 und damit auch die Nachfrage nach Produkten aus Deutschland \u2013 in den kommenden Monaten nur verhalten expandieren, denn die weltweite Industriekonjunktur bleibt schwach und die restriktive Geldpolitik bremst die Nachfrage. Im kommenden Jahr erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute aber eine schrittweise Erholung in wichtigen Handelspartnerl\u00e4ndern Deutschlands, vor allem in der EU und in mittel- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, die in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel gewonnen haben. Von China sind geringere Impulse zu erwarten als bisher, w\u00e4hrend sich die US-Konjunktur robust zeigt und die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr ein \u201esoft landing\u201c im Zuge der fallenden Inflation erh\u00f6ht hat.<\/p>\n\n\n\n<h2>Schwache Weltwirtschaft bremst Au\u00dfenhandel<\/h2>\n\n\n\n<p>Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen sind im August gegen\u00fcber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt erneut gefallen (-2,6 %, Juli: -2,6%). Damit liegen sie um 4,5 % niedriger als im Durchschnitt des zweiten Quartals. Auch die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen setzten im August ihren Abw\u00e4rtstrend fort (-1,3 %, Juli: -1,9 %). Gegen\u00fcber dem zweiten Quartal liegen sie um 3,7 % im Minus. Durch die st\u00e4rker r\u00fcckl\u00e4ufigen Exporte im Vergleich zu den Importen ist der monatliche Handelsbilanz\u00fcberschuss von 13,6 Mrd. Euro im Juli auf 11,4 Mrd. Euro im August zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Au\u00dfenhandelspreisen wirken sich nach wie vor die hohen Preissteigerungen f\u00fcr Einfuhren im Vorjahr durch den Krieg in der Ukraine aus. Die Einfuhrpreise gingen gg\u00fc. August 2022 erheblich, um 16,4 %, zur\u00fcck. Im Vormonatsvergleich legten sie dagegen erstmals seit August 2022 etwas zu (+0,4%), vor allem aufgrund der Preissteigerungen bei importierter Energie. Dagegen stiegen die Ausfuhrpreise nur um 0,1 %, sodass sich die Terms of Trade mit -0,3 % gg\u00fc. dem Vormonat etwas verschlechterten. In realer Betrachtung d\u00fcrfte der R\u00fcckgang sowohl der Exporte als auch der Importe damit etwas st\u00e4rker ausgefallen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchindikatoren senden bislang kaum positive Signale f\u00fcr die Exportentwicklung: Die ifo Exporterwartungen liegen seit Juni deutlich im Minus und haben sich im September weiter eingetr\u00fcbt (von -6,6 auf -11,3 Punkte). F\u00fcr die (realen) deutschen Exporte deutet der Kiel Trade Indikator nach einem \u00fcberraschend hohen Plus im August f\u00fcr September einen R\u00fcckgang an. Die j\u00fcngsten Daten zur Au\u00dfenhandelsentwicklung und auch die aktuellen Indikatoren spiegeln die weltwirtschaftliche Schw\u00e4chephase wider und lassen keine sp\u00fcrbaren Impulse aus dem Au\u00dfenhandel in den kommenden Monaten erwarten.<\/p>\n\n\n\n<h2>Industrieproduktion weiterhin verhalten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im August gegen\u00fcber dem Vormonat zum vierten Mal in Folge verringert (-0,2 %). Dabei verzeichnet die Industrie einen leichten Zuwachs um 0,5 %, w\u00e4hrend es sowohl im Baugewerbe (-2,4 %) als auch im Bereich Energie (-6,6 %) zu sp\u00fcrbaren R\u00fcckg\u00e4ngen gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Wirtschaftszweigen der Industrie verlief die Entwicklung differenziert: Der gewichtige Bereich Kfz und Kfz-Teile meldete diesmal ein deutliches Plus von 7,6 %, allerdings nach sp\u00fcrbaren R\u00fcckg\u00e4ngen in den beiden Vormonaten. Im Vergleich zum Vormonat deutlich zulegen konnten auch die beiden kleineren Bereiche M\u00f6bel (+11,5 %) und Textilien (+6,4 %). Der Maschinenbau hingegen hat seinen Aussto\u00df im Vormonatsvergleich um 2,3 % zur\u00fcckgefahren. Die besonders energieintensiven Industriezweige verzeichneten insgesamt einen Zuwachs um 0,9 %. Die Herstellung von chemischen Erzeugnissen wurde hier ausgeweitet (+1,8 %), wie auch die Metallerzeugung und -bearbeitung (+1,8 %) sowie die Kokerei und die Mineral\u00f6lverarbeitung (+7,1 %). Der Aussto\u00df von Papier und Pappe ging dagegen um 0,7 % zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auftragseing\u00e4nge im Verarbeitenden Gewerbe erh\u00f6hten sich im August gegen\u00fcber dem Vormonat um 3,9 %, nachdem sie im Juli auch aufgrund eines Sondereffekts infolge von Gro\u00dfauftr\u00e4gen eingebrochen waren (-11,3 %). Die Bestellungen aus dem In- und Ausland nahmen zuletzt ann\u00e4hernd gleicherma\u00dfen zu (+4,0 % bzw. +3,9 %). Im Gegensatz zu den vorherigen Monaten, in denen Gro\u00dfauftr\u00e4ge zu erheblichen Schwankungen gef\u00fchrt haben, nahmen die Bestellungen ohne Gro\u00dfauftr\u00e4ge ebenfalls um 3,9 % zu. Eine Erholung der Auftragseing\u00e4nge war insbesondere im Bereich EDV und optische Ger\u00e4te (+37,9 %) zu beobachten. Die Bestellungen elektrischer Ausr\u00fcstungen (+8,7 %), pharmazeutischer Erzeugnisse (+4,0 %) sowie chemischer Erzeugnisse (+1,7 %) erh\u00f6hten sich ebenfalls. Allerdings mussten auch Orderr\u00fcckg\u00e4nge verzeichnet werden, etwa in gewichtigen Sektoren wie Kfz und Kfz-Teile (-0,7 %) und Metallerzeugung (-2,0 %). Die Nachfrage im Maschinenbau stagnierte unterdessen (\u00b10,0 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Die konjunkturelle Lage in der Industrie hat sich zuletzt etwas gefestigt. Die Industrieproduktion ist im August wieder leicht gestiegen, im aussagekr\u00e4ftigeren Zweimonatsvergleich ergab sich aber immer noch weiterhin ein Minus von 1,7 %. Die wieder anziehenden Auftragseing\u00e4nge und die Stabilisierung einzelner Stimmungsindikatoren deuten jedoch darauf hin, dass die Industrieproduktion an der Talsohle angekommen sein k\u00f6nnte und zum Jahreswechsel wieder Fahrt aufnehmen sollte.<\/p>\n\n\n\n<h2>Einzelhandelsumsatz erneut schwach; aber Pkw-Neuzulassungen legen deutlich zu<\/h2>\n\n\n\n<p>Die realen Ums\u00e4tze im Einzelhandel ohne Kfz sind im August gegen\u00fcber dem Vormonat um 1,2 % gefallen, nachdem sie im Juli unver\u00e4ndert geblieben waren. In den Mehrmonatsvergleichen sind die Ums\u00e4tze ebenfalls r\u00fcckl\u00e4ufig. Im Vergleich zum Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzminus von 2,3 %, vor allem aufgrund der hohen Preissteigerungen. Der Handel mit Lebensmitteln ging im August im Vergleich zum Vormonat real um 1,2 % zur\u00fcck (+1,5 % gg\u00fc. Vj.). Vor allem aufgrund der starken Verteuerung von Lebensmitteln waren in dieser Sparte des Einzelhandels seit gut zwei Jahren im Vorjahresvergleich Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge zu verzeichnen, die sich zuletzt aber verringert haben. Nach wie vor sind die Nahrungsmittel ein starker Treiber der Verbraucherpreise, auch wenn sich ihr Preisauftrieb gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat weiter abgeschw\u00e4cht hat (September: +7,5 %, August: +9,0 %). Der Umsatz im Internet- und Versandhandel reduzierte sich im August um 8,7 % (-1,9 % gg\u00fc. Vj.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Neuzulassungen von Pkw durch Privatpersonen sind im September leicht gefallen (-0,4 %), im August waren sie mit +12,1 % kr\u00e4ftig gestiegen. Damit k\u00f6nnte der reale Umsatz im Einzelhandel (inkl. Kfz) damit im August besser ausgefallen sein als in enger Abgrenzung. Bei den Pkw-Neuzulassungen insgesamt waren der Anstieg (August: +23,7 %) und R\u00fcckgang (September: -20,2 %) noch st\u00e4rker. Ein Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte u. a. ein Vorzieheffekt im Zusammenhang mit dem Auslaufen der E-Auto-F\u00f6rderung f\u00fcr gewerbliche Zulassungen Ende August sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchindikatoren f\u00fcr die Stimmung unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern senden weiterhin ged\u00e4mpfte Signale: Laut Prognose der GfK tr\u00fcbt sich die Konsumstimmung im Oktober erneut etwas ein. Zwar verbesserten sich die Konjunktur- und Einkommenserwartungen im September, die Sparneigung nahm aber auch deutlich zu. Alles in allem hat sich das Konsumklima nach einer Erholungsphase im Winterhalbjahr 2022\/2023 seit dem Fr\u00fchjahr bei leichten monatlichen Schwankungen auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Das ifo Gesch\u00e4ftsklima im Einzelhandel hat sich im September zum f\u00fcnften Mal verschlechtert und liegt unver\u00e4ndert im negativen Bereich, auch wenn sich die Gesch\u00e4ftserwartungen im September den zweiten Monat in Folge auf einem niedrigen Niveau etwas verbessert haben. Insgesamt sprechen die Fr\u00fchindikatoren am aktuellen Rand f\u00fcr eine zun\u00e4chst verhaltene Entwicklung der privaten Konsumausgaben. Bei steigenden L\u00f6hnen und r\u00fcckl\u00e4ufigen Inflationsraten ist im weiteren Verlauf aber mit einer Erholung des privaten Konsums zu rechnen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Inflationsrate verringert sich sp\u00fcrbar<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) belief sich im September voraussichtlich auf 4,5 %. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2022, vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine, was vor allem auf einen Basiseffekt (9-Euro-Ticket und Tankrabatt) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Im August hatte die Rate noch bei 6,1 % gelegen. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrung) lag im September bei 4,6 % (Aug.: +5,5 %) und damit diesmal h\u00f6her als die Inflationsrate. Nahrungsmittel verteuerten sich im September gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat erneut \u00fcberproportional (+7,5 %), allerdings lie\u00df der Preisauftrieb hier ebenfalls weiter nach (Aug.: +9,0 %). Der Anstieg der Energiepreise lag dagegen im September mit +1,0 % gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat deutlich unter der Inflationsrate insgesamt (Aug.: +8,3 %). Ma\u00dfgeblich hierf\u00fcr ist vor allem ein Basiseffekt aufgrund des Auslaufens des Tankrabatts im September 2022. Im Bereich der Dienstleistungen wirkte sich ein weiterer Basiseffekt durch den Wegfall des 9-Euro-Tickets aus. Der Preisauftrieb bei Dienstleistungen hat sich dadurch im September mit +4,0 % ebenfalls merklich abgeschw\u00e4cht (Aug.: +5,1 %).<\/p>\n\n\n\n<p>An den Spotm\u00e4rkten steigen die Preise f\u00fcr Erdgas seit Mitte Juli wieder an. Aktuell liegt der TTF Base Load mit 39 Euro\/MWh aber noch 81 % unter dem Niveau vom August 2022. Die Markterwartungen deuten allerdings darauf hin, dass die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen wieder auf etwa 50 Euro\/MWh steigen k\u00f6nnten. Erst 2027 d\u00fcrften sie sich gem\u00e4\u00df der Future-Preise beim Vorkrisenniveau einpendeln. Auch auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist weiter eine nachlassende Preisdynamik zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erzeugerpreise sind im August 2023 um 12,6 % gegen\u00fcber August 2022 gesunken (Jul.: -6,0 %). Das war der st\u00e4rkste R\u00fcckgang der Erzeugerpreise seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949, der auf einen Basiseffekt aufgrund des hohen Preisniveaus im Vorjahr zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Infolge des Kriegs in der Ukraine waren die Erzeugerpreise im August 2022 so stark gestiegen wie noch nie zuvor (+46 % gg\u00fc. Aug. 2021). Im Vergleich zum Vormonat nahmen die Erzeugerpreise um +0,3 % zu. Die Einfuhrpreise gingen im August mit -16,4 % gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat so stark zur\u00fcck wie seit November 1986 nicht mehr (+0,4 % gg\u00fc. Vormonat). Die Verkaufspreise im Gro\u00dfhandel sind im August im Vormonatsvergleich zwar gestiegen (+0,2 %), aber im Vorjahresvergleich um -2,7 % gefallen. F\u00fcr die n\u00e4chsten Monate ist \u2013 auch mit Blick auf die Preiserwartungen der Unternehmen \u2013 von einer weiter erh\u00f6hten, aber langsam abflauenden Preisdynamik auszugehen. Der Preisdruck vergangener Kostensteigerungen und Lieferkettenst\u00f6rungen ist weitgehend \u00fcberw\u00e4lzt worden. Die Energiepreise liegen auf moderaterem Niveau. Die geldpolitische Straffung wirkt d\u00e4mpfend auf die Nachfrageseite. Vor diesem Hintergrund liegt die aktuelle Prognose der Bundesregierung f\u00fcr die Inflationsrate im Jahr 2023 bei 6,1 % und f\u00fcr die Jahre 2024 und 2025 bei +2,6 % bzw. 2,0 %. Zu beachten ist, dass es im Oktober zu einem Preisniveau-steigernden Basiseffekt kommt: Im Zeitraum Oktober 2023 bis M\u00e4rz 2024 d\u00fcrfte sich die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Gas und Fernw\u00e4rme ein Jahr zuvor bemerkbar machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-herbstbelebung-am-arbeitsmarkt-schwacher-als-ublich\">Herbstbelebung am Arbeitsmarkt schw\u00e4cher als \u00fcblich<\/h2>\n\n\n\n<p>Die ged\u00e4mpfte Konjunktur schl\u00e4gt sich in einer schwachen Herbstbelebung am Arbeitsmarkt nieder. Die Arbeitslosigkeit ging zwar wie im September \u00fcblich zur\u00fcck, der R\u00fcckgang fiel allerdings schw\u00e4cher aus als im Durchschnitt der letzten Jahre. Saisonbereinigt (sb) kam es zu einem Anstieg um 10.000 Personen. Die Erwerbst\u00e4tigkeit nahm im August gegen\u00fcber dem Vormonat um (sb) 35.000 Personen zu. Die sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung stieg im Juli nur leicht (sb: +8.000 Personen). Die Kurzarbeit ging im Juli weiter zur\u00fcck. Die Anzeigen f\u00fcr September erh\u00f6hten sich zwar, dies ist allerdings vor allem auf einzelne Kfz-Hersteller zur\u00fcckzuf\u00fchren, deren Produktion von Lieferengp\u00e4ssen infolge eines Hochwassers in Slowenien betroffen war. Fr\u00fchindikatoren von IAB und ifo tr\u00fcbten sich im September merklich ein, auch der Bestand an gemeldeten Stellen ging zur\u00fcck. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen nimmt ab, Arbeitslosen f\u00e4llt es schwerer, eine Besch\u00e4ftigung aufzunehmen. In Gastronomie und Handel gab es mehr Entlassungen. Der Aufbau der Erwerbst\u00e4tigkeit h\u00e4lt aber bis August an, getragen vor allem von ausl\u00e4ndischen Besch\u00e4ftigten. Die Zahl der erwerbst\u00e4tigen Deutschen geht Demographie-bedingt zur\u00fcck. Eine Erholung am Arbeitsmarkt ist erst mit einer wirtschaftlichen Belebung im Fr\u00fchjahr zu erwarten. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: <\/em>BMWK, Mitteilung vom 13.10.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft l\u00f6st sich nur langsam aus den Belastungen infolge des Energiepreisschocks, der geldpolitischen Straffungen und der weltwirtschaftlichen Abschw\u00e4chung. Dies verz\u00f6gert die allgemein erwartete wirtschaftliche Erholung. F\u00fcr das dritte Quartal ist erneut mit einem leichten R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen. 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