{"id":73351,"date":"2024-01-01T16:55:47","date_gmt":"2024-01-01T14:55:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=73351"},"modified":"2024-01-01T16:55:47","modified_gmt":"2024-01-01T14:55:47","slug":"kindergeldberechtigung-eines-im-inland-lebenden-eu-auslaenders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kindergeldberechtigung-eines-im-inland-lebenden-eu-auslaenders\/","title":{"rendered":"<strong>Kindergeldberechtigung eines im Inland lebenden EU-Ausl\u00e4nders<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg hat in seinem Gerichtsbescheid vom 30. M\u00e4rz 2023 (1 K 2050\/22) entschieden, dass ein m\u00f6glicher Versto\u00df des Arbeitgebers gegen arbeitnehmersch\u00fctzende Vorschriften, wie das Mindestlohngesetz, nicht zur Versagung von Kindergeld f\u00fcr einen freiz\u00fcgigkeitsberechtigten EU-Staatsangeh\u00f6rigen in Deutschland f\u00fchren kann. Auch eigene strafrechtliche Verurteilungen des Arbeitnehmers alleine w\u00fcrden nicht dazu f\u00fchren, dass die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit eingeschr\u00e4nkt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wesentliche Punkte des Gerichtsbescheids:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Sachverhalt:<\/strong> Der Kl\u00e4ger, ein s\u00fcdosteurop\u00e4ischer EU-Staatsangeh\u00f6riger, arbeitet in Deutschland und lebt w\u00e4hrend seiner Arbeitst\u00e4tigkeit in einem Wohncontainer, der von der Arbeitgeberin zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die Familienkasse hob die Kindergeldfestsetzung auf und forderte \u00fcberzahltes Kindergeld zur\u00fcck, da sie der Meinung war, dass die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers keine Besch\u00e4ftigung im Sinne der EU-Verordnungen darstelle und m\u00f6glicherweise illegal sei.<\/li><li><strong>Entscheidung des Gerichts:<\/strong> Das Finanzgericht gab der Klage statt und entschied, dass der Kl\u00e4ger kindergeldberechtigt ist. Die Freiz\u00fcgigkeitsberechtigung des Kl\u00e4gers als EU-Staatsangeh\u00f6riger und die Tatsache, dass er einer nichtselbst\u00e4ndigen Arbeit in Deutschland nachgeht, begr\u00fcnden seine Kindergeldberechtigung.<\/li><li><strong>Begr\u00fcndung:<\/strong><ul><li><strong>Keine Sanktionierung des Arbeitnehmers:<\/strong> Der m\u00f6gliche Versto\u00df des Arbeitgebers gegen das Mindestlohngesetz kann nicht zur Sanktionierung des Arbeitnehmers durch Aberkennung der Kindergeldberechtigung f\u00fchren. Es liegt im Interesse des Arbeitnehmers, dass arbeitnehmersch\u00fctzende Vorschriften eingehalten werden.<\/li><li><strong>Vorrangige Zust\u00e4ndigkeit Deutschlands f\u00fcr Familienleistungen:<\/strong> Deutschland ist als Besch\u00e4ftigungsstaat des Kl\u00e4gers vorrangig zust\u00e4ndiger EU-Mitgliedsstaat f\u00fcr die Erbringung von Familienleistungen.<\/li><li><strong>Kein Ordre-Public-Vorbehalt:<\/strong> Die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit kann nur aufgrund des Ordre-Public-Vorbehalts eingeschr\u00e4nkt werden, und selbst strafrechtliche Verurteilungen des Arbeitnehmers allein sind daf\u00fcr nicht ausreichend.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil betont, dass die Kindergeldberechtigung eines EU-Ausl\u00e4nders in Deutschland nicht durch m\u00f6gliche Verst\u00f6\u00dfe des Arbeitgebers gegen arbeitnehmersch\u00fctzende Vorschriften beeintr\u00e4chtigt werden kann und dass die Freiz\u00fcgigkeitsrechte des Arbeitnehmers zu sch\u00fctzen sind. Es stellt klar, dass Deutschland als Besch\u00e4ftigungsstaat des Kl\u00e4gers die Familienleistungen zu erbringen hat und dass die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit ein hohes Gut innerhalb der EU darstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg hat in seinem Gerichtsbescheid vom 30. M\u00e4rz 2023 (1 K 2050\/22) entschieden, dass ein m\u00f6glicher Versto\u00df des Arbeitgebers gegen arbeitnehmersch\u00fctzende Vorschriften, wie das Mindestlohngesetz, nicht zur Versagung von Kindergeld f\u00fcr einen freiz\u00fcgigkeitsberechtigten EU-Staatsangeh\u00f6rigen in Deutschland f\u00fchren kann. 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