{"id":73510,"date":"2024-01-11T16:40:45","date_gmt":"2024-01-11T14:40:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=73510"},"modified":"2024-01-11T16:40:45","modified_gmt":"2024-01-11T14:40:45","slug":"bfh-zur-anwendbarkeit-des-unionsrechtlichen-verhaeltnismaessigkeitsgrundsatzes-bei-nationalem-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-anwendbarkeit-des-unionsrechtlichen-verhaeltnismaessigkeitsgrundsatzes-bei-nationalem-recht\/","title":{"rendered":"BFH zur Anwendbarkeit des unionsrechtlichen Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatzes bei nationalem Recht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Leitsatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es verst\u00f6\u00dft&nbsp;gegen Unionsrecht, wenn die Verletzung nationaler formeller Anforderungen dadurch sanktioniert wird, dass eine obligatorische&nbsp;oder eine fakultative Steuerbeg\u00fcnstigung nach der Energiesteuerrichtlinie verweigert wird.<\/li><li>Bei einer nicht auf Unionsrecht beruhenden nationalen Energiesteuerbeg\u00fcnstigung steht dagegen das Unionsrecht einer Verweigerung der Steuerbeg\u00fcnstigung aufgrund der Verletzung formeller Anforderungen nicht entgegen.<\/li><li>Einem tats\u00e4chlichen Verhalten ohne Erkl\u00e4rungsbewusstsein oder Rechtsbindungswillen werden die Wirkungen einer Willenserkl\u00e4rung nur zum Schutz des redlichen Rechtsverkehrs beigelegt. Es kommt daher keine Auslegung in Betracht, wenn der Handelnde keinen Erkl\u00e4rungswillen hat und der Empf\u00e4nger dies auch erkennt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: BFH, Urteil VII R 1\/23 (VII R 44\/19) vom 29.08.2023<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Energiesteuerrichtlinie (Richtlinie 2003\/96\/EG) sieht eine Reihe von Steuerbeg\u00fcnstigungen f\u00fcr bestimmte Energieprodukte vor. Die Richtlinie legt jedoch nicht fest, ob die Gew\u00e4hrung dieser Steuerbeg\u00fcnstigungen an die Einhaltung nationaler formeller Anforderungen gekn\u00fcpft werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Entscheidung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat mit dem Urteil vom 29. August 2023 entschieden, dass es gegen Unionsrecht verst\u00f6\u00dft, wenn die Verletzung nationaler formeller Anforderungen dadurch sanktioniert wird, dass eine obligatorische oder eine fakultative Steuerbeg\u00fcnstigung nach der Energiesteuerrichtlinie verweigert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat ausgef\u00fchrt, dass die Energiesteuerrichtlinie den Mitgliedstaaten zwar die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umt, bei der Umsetzung der Richtlinie nationale Regelungen vorzusehen. Diese Regelungen d\u00fcrfen jedoch nicht dazu f\u00fchren, dass die Ziele der Richtlinie verfehlt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gew\u00e4hrung von Steuerbeg\u00fcnstigungen ist ein wesentliches Ziel der Energiesteuerrichtlinie. Die Verweigerung einer Steuerbeg\u00fcnstigung aufgrund der Verletzung nationaler formeller Anforderungen kann dazu f\u00fchren, dass die Steuerbeg\u00fcnstigung nicht gew\u00e4hrt wird, obwohl sie dem Grunde nach zusteht. Dies kann zu einer Wettbewerbsverzerrung und zu einer Beeintr\u00e4chtigung der Verwirklichung der Ziele der Richtlinie f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat weiter entschieden, dass bei einer nicht auf Unionsrecht beruhenden nationalen Energiesteuerbeg\u00fcnstigung das Unionsrecht einer Verweigerung der Steuerbeg\u00fcnstigung aufgrund der Verletzung formeller Anforderungen nicht entgegensteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob die Verweigerung einer Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr Dieselkraftstoff aufgrund der Verletzung von Formvorschriften des deutschen Energiesteuergesetzes gegen Unionsrecht verst\u00f6\u00dft. Der BFH hat entschieden, dass dies der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auswirkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung des BFH hat weitreichende Auswirkungen f\u00fcr die Gew\u00e4hrung von Steuerbeg\u00fcnstigungen nach der Energiesteuerrichtlinie. Sie stellt klar, dass die Verletzung nationaler formeller Anforderungen nicht dazu f\u00fchren darf, dass eine obligatorische oder eine fakultative Steuerbeg\u00fcnstigung nach der Richtlinie verweigert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praxishinweise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen, die Steuerbeg\u00fcnstigungen nach der Energiesteuerrichtlinie in Anspruch nehmen m\u00f6chten, sollten sich bewusst sein, dass die Verletzung nationaler formeller Anforderungen nicht dazu f\u00fchren kann, dass die Steuerbeg\u00fcnstigung verweigert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leitsatz Es verst\u00f6\u00dft&nbsp;gegen Unionsrecht, wenn die Verletzung nationaler formeller Anforderungen dadurch sanktioniert wird, dass eine obligatorische&nbsp;oder eine fakultative Steuerbeg\u00fcnstigung nach der Energiesteuerrichtlinie verweigert wird. 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