{"id":73971,"date":"2024-03-15T11:54:59","date_gmt":"2024-03-15T09:54:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=73971"},"modified":"2024-03-15T11:54:59","modified_gmt":"2024-03-15T09:54:59","slug":"teleologische-auslegung-des-90-einstiegstests-fuer-erbschaft-und-schenkungsteuerbeguenstigungen-ein-wendepunkt-in-der-rechtsprechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/teleologische-auslegung-des-90-einstiegstests-fuer-erbschaft-und-schenkungsteuerbeguenstigungen-ein-wendepunkt-in-der-rechtsprechung\/","title":{"rendered":"<strong>Teleologische Auslegung des 90%-Einstiegstests f\u00fcr Erbschaft- und Schenkungsteuerbeg\u00fcnstigungen \u2013 Ein Wendepunkt in der Rechtsprechung<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Urteil vom 13. September 2023 (II R 49\/21) setzt der Bundesfinanzhof (BFH) neue Ma\u00dfst\u00e4be in der Anwendung des \u00a7 13b Abs. 2 Satz 2 ErbStG, der die Steuerbefreiung von Unternehmensverm\u00f6gen regelt. In einer bemerkenswerten Abkehr vom Gesetzeswortlaut erlaubt der BFH nun den Abzug von betrieblich veranlassten Schulden bei der Berechnung der Finanzmittel f\u00fcr den sogenannten 90%-Einstiegstest. Diese Entscheidung k\u00f6nnte weitreichende Folgen f\u00fcr die Praxis haben und verdient eine detaillierte Betrachtung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund des Urteils<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang sah die Rechtslage vor, dass Betriebsverm\u00f6gen keine umfassende Erbschaft- und Schenkungsteuerbeg\u00fcnstigung erf\u00e4hrt, wenn das sch\u00e4dliche Verwaltungsverm\u00f6gen \u2013 vor Verrechnung mit betrieblich veranlassten Schulden \u2013 90 % des Wertes des Betriebsverm\u00f6gens \u00fcbersteigt. Diese Regelung benachteiligte insbesondere Unternehmen mit hohen Forderungs- und Liquidit\u00e4tsbest\u00e4nden, denen gleichwertige betriebliche Verbindlichkeiten gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kern der Entscheidung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH sieht nun eine teleologische, also zweckorientierte, Auslegung des \u00a7 13b Abs. 2 Satz 2 ErbStG als geboten an. Diese Auslegung erlaubt den Abzug der betrieblich veranlassten Schulden f\u00fcr die Berechnung des 90%-Einstiegstests. Diese Entscheidung ber\u00fccksichtigt den Umstand, dass die bisherige Berechnungsmethode eine Nettogr\u00f6\u00dfe (Betriebsverm\u00f6genswert) mit einer Bruttogr\u00f6\u00dfe (Verwaltungsverm\u00f6gen vor Abzug von Schulden) verglich und dadurch Unternehmen mit hohen Forderungs- und Liquidit\u00e4tsbest\u00e4nden ungerechtfertigt benachteiligte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Implikationen f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entscheidung des BFH k\u00f6nnte insbesondere f\u00fcr Handelsunternehmen von Bedeutung sein, deren Hauptzweck in einer land- und forstwirtschaftlichen, gewerblichen oder freiberuflichen T\u00e4tigkeit liegt. Sie erm\u00f6glicht diesen Unternehmen potenziell den Zugang zu Steuerbeg\u00fcnstigungen, die ihnen nach dem bisherigen Gesetzeswortlaut verwehrt geblieben w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Offene Fragen und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung des BFH wirft jedoch auch Fragen auf, insbesondere hinsichtlich der Anwendung auf Unternehmen, die keine Handelsunternehmen sind. Es bleibt abzuwarten, wie die Finanzverwaltung und die Gerichte die Entscheidung in anderen Kontexten interpretieren werden. Zudem ist die Definition des &#8222;Hauptzwecks&#8220; einer unternehmerischen T\u00e4tigkeit ein Aspekt, der in zuk\u00fcnftigen Entscheidungen weiter pr\u00e4zisiert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil des BFH markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Behandlung von Unternehmensverm\u00f6gen im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Es er\u00f6ffnet neue Perspektiven f\u00fcr die steuerliche Beg\u00fcnstigung von Unternehmensverm\u00f6gen und tr\u00e4gt zu einer gerechteren Behandlung von Unternehmen bei, die hohe betrieblich bedingte Finanzmittel aufweisen. Die langfristigen Auswirkungen dieser Entscheidung auf die Steuerpraxis und die Unternehmensnachfolgeplanung sind von gro\u00dfer Bedeutung und werden die Diskussion in Fachkreisen sicherlich noch eine Weile anregen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Urteil vom 13. September 2023 (II R 49\/21) setzt der Bundesfinanzhof (BFH) neue Ma\u00dfst\u00e4be in der Anwendung des \u00a7 13b Abs. 2 Satz 2 ErbStG, der die Steuerbefreiung von Unternehmensverm\u00f6gen regelt. 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